16.09.2021 - 19:18 Uhr
Muckenthal bei WiesauOberpfalz

Markus Söder mag Karpfen lieber gebacken

Ministerpräsident Markus Söder und Landwirtschaftsministerin Michaela Kaniber besuchten am Donnerstag die Teichwirtschaft Bächer in Muckenthal. Dabei ging es um Bürokratie, den Fischotter und auch darum, wie der Karpfen am besten schmeckt.

von Lena Schulze Kontakt Profil

Eine Anglerhose mit Stiefeln hat er zwar schon mal getragen und er findet sie auch äußert praktisch. Doch bei seinem kurzen Gastspiel an den Teichen und der Fischerhütte der Familie Bächer bei Muckenthal am Donnerstagnachmittag hatte Ministerpräsident Markus Söder Anzugschuhe, Jeans und eine Fleecejacke über dem weißen Hemd an. Damit war er besser gerüstet als Landwirtschaftsministerin Michaela Kaniber. Sie durfte im Hosenanzug und in schicken schwarzen Lackschuhen Karpfen aus dem Teich keschern. Die beiden informierten sich bei der Familie Bächer über die kürzlich angelaufene Karpfenernte.

Fischwirtschaftsmeister Klaus Bächer hat das Ruder des Familienbetriebs in der Hand. Auf dem Hof wird schon seit 350 Jahren Teichwirtschaft betrieben, drei Generationen packen aktuell mit an. Senior Alfons Bächer kümmert sich als Landwirtschaftsmeister um den Ackerbau, seine Frau Elsa ist Hauswirtschaftsmeisterin und steht in der Küche des Fischerstüberls. Servicechefin im Restaurant ist Klaus Bächers Ehefrau Manuela. Die älteste ihrer drei Töchter, Lena (24), hat das Landwirtschaftsstudium abgeschlossen. Die ehemalige Oberpfälzer Teichnixe studiert derzeit Fischerei an der Humboldt-Universität in Berlin. „Sie möchte in meine Fußstapfen treten“, sagt Klaus Bächer stolz.

Insgesamt werden 53 Hektar reine Wasserfläche bewirtschaftet, die sich auf 52 Teiche aufteilt. Hinzu kommt der Ackerbau auf 35 Hektar. In den Teichen leben bis zu 25 verschiedene Fischarten – neben Karpfen unter anderem Welse, Störe, Zander, Hechte, Schleien und Forellen. Auch das Futter für die Fische wird im eigenen Betrieb hergestellt.

Fischotter ein Problem

Markus Söder nennt sich selbst einen Karpfenexperten: „Als Franke sowieso!“ Auch in Franken sei dieser Fisch sehr beliebt, er esse ihn sehr gerne. Ob das bei der Familie Bächer auch der Fall sei, will er wissen. „Ja freilich, am liebsten blau“, sagt Klaus Bächer. Da verzieht Söder das Gesicht. Nicht sein Geschmack. „Und du?“, fragt er Lena Bächer. „Klassisch, als Filet gebacken.“ Das ist schon eher nach dem Geschmack des Ministerpräsidenten. „Ich hab' schon selbst welche eingesetzt und abgefischt“, erzählt Söder.

Als Söder Umweltminister war, habe er sich auch intensiv mit dem Thema Kormoran auseinandergesetzt. Hierzulande sei nun eher der Fischotter ein Problem, wirft Klaus Bächer ein. Man sei in der glücklichen Lage, diesen bei Muckenthal lediglich als „Durchläufer“ zu haben – noch jedenfalls. „Er kommt, verursacht Schäden, ist wieder weg, und kommt wieder.“ Etwa 10 Prozent Verluste pro Jahr durch Prädatoren seien aber normal. Der Fischotter habe auch seine Lieblingsfische: Forellen und Saiblinge. „Den Karpfen mag er nicht?“, fragt Söder verdutzt. „Doch, den nimmt er auch. Je größer, desto besser“, so Bächer.

Als Lösung will Familie Bächer keinen Zaun bauen, sondern überlegt, die einjährigen Fische in einer Indoor-Anlage überwintern zu lassen und dort heranzufüttern. „Besonders im Winter, wenn der Karpfen ruhig steht, ist er ein leichtes Opfer. Im Sommer ist der Karpfen zu schnell und entwischt.“ Markus Söder erkundigt sich nach den Erträgen, die der Teichwirt heuer erwartet. Bächer sei zufrieden, jedoch seien die Fische heuer etwas kleiner, da der Mai und der Juni kalt und nass waren. Der Ministerpräsident fordert, dass bei der Stadtbevölkerung ein besseres Bewusstsein für die Arbeit und die Erzeugnisse der Landwirte geschaffen werden müsse. Diese wisse oft nicht, wie viel Arbeit hinter Produkten stecke.

Komplizierte Bürokratie

Bächer kritisiert die immer komplizierter werdende Bürokratie. „Das mit der Düngeverordnung haben wir gleich an Lena abgegeben“, sagt er. „Ja, herzlichen Glückwunsch!“, kommentiert der Ministerpräsident an die 24-Jährige gewandt. „Bei wem darf ich mich da jetzt bedankten?“, kontert Lena Bächer und lacht. „Bei der Landwirtschaftsministerin“, bemerkt Söder mit einem Lächeln auf der Lippe.

Während Markus Söder von TV-Teams belagert und befragt wird, lässt sich Michaela Kaniber mit hiesigen Politkern aus der Region am Fischteich fotografieren. Dann sagt Söder: „Ich gebe zu, jetzt hab’ ich Appetit!“ Und auf geht's ins Fischerstüberl.

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"Ich gebe zu, jetzt hab' ich Appetit!"

Ministerpräsident Markus Söder

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