Beim Faschingszug in Münchenreuth: Konfettikanone verpulvert die letzten D-Mark-Scheine

In der aktuellen Situation mit den Kontaktbeschränkungen kommt bei den Mitgliedern des Schlüsselclubs Münchenreuth doch etwas Wehmut auf. Vorsitzender Walter Heindl nutzt die „staade Fosnatzeit“ zur Rückschau aufs frühere Faschingstreiben.

Für das Michareither Fosnatbladl hielt der Schlüsselclub Münchenreuth unlängst eine etwas andere Art der Videokonferenz: Die Bilderrückschau zeugt von der jahrzehntelangen Faschingstradition im Kappldorf.
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Für den sechsten Beitrag der Serie mit Geschichten aus dem Michareither Fosnatbladl blätterte Walter Heindl im Archiv des Vereins, um einmal aufzulisten, was sich alles schon im Kappldorf abspielte. „Wenn du Einzelne namentlich erwähnst, kannst du es nur falsch machen, weil du Gefahr läufst, verdiente Mitglieder zu vergessen“, so Heindl. Deshalb betont er: „Auch diese sollen sich mit vorliegendem Beitrag hier angesprochen fühlen.“

Der Schlüsselclub organisierte den ersten Faschingszug 1972. Bereits seit dem darauf folgenden Jahr gehört zum Michareither Zuch auch im Nachgang die Büttenrede. Anfänglich schrieb Hermann Günthner diese Nachbereitung der dargestellten Themen in Form des Münchenreuther Dorfgerichts. Er selbst und später Josef Ernstberger und Konrad Wifling trugen diese auf der Bühne auf dem Dorfplatz vor.

Alle Büttenreden im Archiv

Danach folgten Konrad und Walter Heindl und zuletzt Martin Hecht als Büttenredner. Im Laufe der Zeit entwickelte sich auch der Slogan: „Dou is doch wirklich alles zschpaat, zum Glick san mir as Micharath“. Alle Büttenreden sind noch im Original im Vereinsarchiv vorhanden.

Aus einem Zeitungsbericht aus dem Jahre 1982 zum 10-jährigen Jubiläum des Faschingszuges lässt sich zitieren: „Es ist bewundernswert, wie die Schlüsselcluberer bemüht sind, das alte Brauchtum am Leben zu erhalten und am Faschingsdienstag den kleinen Ort Münchenreuth für ein paar Stunden auf den Kopf zu stellen. In anderen Städten hat man den Faschingszug bereits wieder fallenlassen müssen, weil der hierzu notwendige Idealismus gesunken ist. In Münchenreuth wurde bisher noch kein Gedanke in diese Richtung verschwendet.“ Wie glücklich darf man sich heute schätzen, dass es gelang, diese Einsatzbereitschaft aufrecht zu erhalten.

Konrad Rosner als "FJS"-Double

Was wurden nicht schon alles für unzählige Themen im Zug präsentiert. Lokale Geschehnisse waren immer im Fokus, vereinzelt auch aus der bayerischen Politik mit F.-J. Strauß-Double Konrad Rosner. Von der Altweibermühle über große Piratenschiffe, dem Batmobil mit zwei selbstfahrenden Halbautos bis hin zur Konnerschreither Goas.

Viele Jahre fuhr auch eine von Konrad Männer konstruierte Kanone im Zug mit, um Konfetti unter das Narrenvolk zu streuen. 2002 wurden damit die letzten D-Mark-Scheine schlichtweg verpulvert. Nicht vergessen werden darf hier Albert Ernstberger, der lange Jahre das Amt des Faschingspräsidenten innehatte. Außerdem Walter Günthner, der sich zahlreiche Male um die Gestaltung des Prinzenwagens kümmerte. Das 44 Jahre alte Untergestell, ein alter VW-Käfer, wurde 2017 feierlich begraben. Seit 1984 wird, durch den damaligen Vorstand Josef Ernst wieder auferweckt, auch jedes Jahr am Faschingsdienstag um 24 Uhr der Prinz Karneval respektive die „Fosnat aagrobm“.

Drei Generationen machen mit

Faschingspräsident Alexander Hübner formulierte das Geheimrezept der Michareither Fosnat einmal so: „Wissen Sie, was ist der Hit? Bei uns machen drei Generationen mit. Vater, Opa, Oma, Mutter, Tochter, Sohn, aber nur das Lächeln der Zuschauer ist unser Lohn.“ Und genau nur so kann es gehen. Durch Zusammenhalt der Dorfgemeinschaft über die Generationen hinweg.

In Stadeln und Garagen entstehen so detailgetreue Darstellungen für Fußgruppen und Themenwägen. Unter der Leitung der kreativen Wagenbau-Verantwortlichen mit ihren fleißigen Helfern wurden Bühnenbilder gebaut und gleichsam Kleinkunst-Kabarett durch die „Faschings-Schauspieler“ während des Zuges aufgeführt. Der zweite Vorstand Udo Zinnecker und der Zeugwart des Vereins, Robert Bartl, sind klassische Nachfolger der Gründungsväter des Münchenreuther Faschingszuges. So stehen sie beispielhaft für die heute schon zweite und dritte Generation, die in der Verantwortung steht, die Tradition weiterzuführen.

Alle Faschingsfilme digitalisiert

Für die Filmaufzeichnungen - und zwar bereits schon seit 1973 - zeichneten sich verantwortlich Alfred Zintl mit seiner damals modernen Super8-Kamera, danach Siegfried Rosner zusammen mit Markus Brandl. Der heutige Filmer Stefan Ernstberger ist bereits seit 20 Jahren für das bewegte Bild zuständig und hat in mühevoller Kleinarbeit alle Faschingsfilme digitalisiert. Verlässlicher Hofstaat-Fotograf über all die Jahre ist Bernhard Eckstein. Sein Fotorückblick ist alle Jahre ein Highlight.

Im Jahre 2002 berichtete sogar der Bayerische Rundfunk in der Sendung „quer“ über das närrische Treiben im Kappldorf. Christoph Süß moderierte seinerzeit den Beitrag mit folgenden Worten an: „In den meisten Städten und Gemeinden kann man dem Fasching schon aus dem Wege gehen. Außer sie wohnen in Münchenreuth, denn dort macht aus Tradition nämlich jeder mit. Wir waren bei den Vorbereitungen zum größten Faschingszug der Welt – relativ gesehen.“

Zehn Damen und ein Taferlbub

Das war ein Hallo im Dorf, als das Fernsehen über die Faschingsgaudi berichtete. Sogar eine Parodie-Kapelle einer bekannten Feierwehr-Kapelln, bestehend aus zehn Damen mit Musikinstrumenten samt Taferlbub, wurde seinerzeit aufgefahren, um für den Michareither Gaudiwurm zu werben.

Das ganze Spektakulum lebt natürlich vom Einzelengagement aller Beteiligten. Dieses reicht von den unzähligen Elferräten der vergangenen Jahrzehnte, Prinzenpaare mit bildhübschen Gardemädchen im Gefolge und gelenkigen Männerballetten mit ihren einstudierten Tänzen über die Musikkapellen beim Zug bis hin zu den Bratwurstbratern, Budenverkäufern, Sammlern und Wagenbeschriftern im Hintergrund. Jeder Einzelne auf seinem Platz trägt bei zum Gelingen des großen Ganzen – des Michareither Fosnatzuchs.

Hoffen auf die Session 21/22

„Ein kleines Dorf im Stifteland, ist durch sein Faschingszuch bekannt. Denn wo gibt’s Faschingsgaudi pur? In Münchenreuth natürlich nur.“ So hoffen die Schlüsselcluberer - wie alle Faschingsbegeisterten - auf die Session 21/22, auf Normalität und Gaudi.

Für dieses Jahr beschränkt sich der SCM auf den altbekannten Spruch vom Monaco Franze: „A bisserl wos geht allerweil“ und möchte mit dieser Serie von Onetz-Beiträgen vom Alltag entführen, wie es halt in der fünften Jahreszeit, der Fosnat, Tradition ist.

Der fünfte Teil der Fosnatbladl-Serie

Mitterteich
Hintergrund:

Fosnatbladl-Geschichten

  • In Zusammenarbeit mit Oberpfalz-Medien veröffentlicht der Schlüsselclub Münchenreuth eine Serie von 11 Geschichten mit Faschingsthemen und Narreteien.
  • Alles darf in diesen Berichten, so wie in diesem Beitrag auch, aber nicht bierernst genommen werden.

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