Fosnatbladl-Geschichten: Heilwasser gegen das Virus – Schlüsselclub Münchenreuth fällt auf Trick rein

Im siebten Teil der Serie mit Geschichten aus dem Michareither Fosnatbladl geht es um einen Beitrag im Waldsassener Stadtanzeiger: Ein Heilkundiger informierte über ein Wasser, das vor dem Corona-Virus schützen soll.

Große Freude beim Prinzenpaar, als Lukas Forster den Impfstoff "Effatha-Uralt" anlieferte.
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Fast hätte man meinen können, dass im November schon der erste Beitrag für das Michareither Fosnatbladl veröffentlicht wurde. Im Stadtanzeiger informierte ein Waldsassener über sein sogenanntes "Effatha-Ex". Dies sei ein heiliges Wasser, das kostenlos in der Klosterkirche Waldsassen zur Verfügung gestellt wurde und vor dem Corona-Virus schützen soll.

Wunderdoktor erschafft "Virus-Ex"

Der Wunderdoktor, bekannt unter dem Künstlernamen Medikus Prölsus, befand sich im Frühjahr 2020 in einem Wüstendorf auf der Insel Djerba bei Tunesien. Da erschien ihm eine Fata Morgana und erläuterte dem Medizinmann, dass ein schlimmes Virus im Stiftland wütet. Sie sagte zu dem alten weisen Mann: „Geh zu deinem Flaschengeist und gebe weitere Informationen in dein Effatha-Heilwasser. Wir benötigen einen Schutz gegen einen sich immer stärker ausbreitenden Virus.“

Der Heilkundige machte sich sofort ans Werk und beschwor den Flaschengeist mit „Ich bin kein Schelm, sondern der Wilhelm. Mit einem kleinen Prölsus-Klecks, erschaffe ich das Virus-Ex.“ Mit einem Nu war das neue Wundermittel „Effatha-Uralt“ erschaffen. Durch Tunesiens Höhlen hörte man ihn laut grölen: „Wenn einem ein schlimmer Virus widerfährt, dann ist ,Effatha-Uralt' nie verkehrt.“

Seine tunesischen Freunde gaben es unmittelbar in ihre Zisternen. In einer seichten Studie - leider war in den Sommermonaten der Wasserstand in den Zisternen nicht sehr hoch - konnte die Wirksamkeit von "Effatha-Uralt" in einer Feldstudie eindeutig nachgewiesen werden. Medikus Prölsus vermerkte dazu in seinem Schriftenwerk: „Nach meinem Wissenstand ist in Djerba und ganz Tunesien bis heute immer noch keiner an dem Virus erkrankt. Wen einem so viel Gutes widerfährt, dann ist das einen ,Effatha-Uralt' wert.“ Er verschickte daraufhin sofort eine Palette mit dem Heilwasser in seine Heimatstadt Waldsassen.

Mittel im Kloster erhältlich

Der Medikus willigte großzügig ein, als ihn das Kloster Waldsassen kontaktierte, ob sie sein Virus-Ex-Wässerchen den gutgläubigen Menschen zur Verfügung stellen können. Und so gibt es in der Klosterkirche nun schon seit dem Frühjahr das Heilwasser in kleinen Fläschchen, das vor dem immer stärker um sich greifenden Virus schützt. „Leider ist dies nur wenigen bekannt“, beklagte der Medikus in einer Pressemitteilung im November.

Sein Aufenthalt in der heißen Wüstensonne dauerte wegen der Corona-Pandemie länger als geplant, weil kein Flug mehr nach Deutschland ging. Er bedauerte dies, „sonst hätte ich schon viel früher und großflächiger mein Heilmittel gegen den Virus verteilen können“.

Große Freude im Elferrat

Die Freude im Elferrat war groß, als die Mitglieder im November von den Forschungserfolgen gelesen hatten. „Damit ist unser Faschingszug gerettet“, verkündete Faschingspräsident Alexander Hübner und schlussfolgerte: „Wir brauchen schnellstmöglich den Impfstoff.“ Vereinsdiener Lukas Forster erklärte sich bereit, eine Pilgerreise nach Tunesien zu machen. „Mir ham a großes Odlfassl. Da passt einiges eine.“ Er macht sich noch während der ersten Elferratssitzung mit Traktor und Güllefass auf den Weg nach Afrika. Der Elferrat verabschiedete ihn mit „Junge, komm bald wieder, bald wieder nach Haus“.

In der Zwischenzeit führte der Schlüsselclub die Planungen fort. „Wir sollten auf Nummer sicher gehen“, meinte Vorsitzender Walter Heindl und reichte unmittelbar einen Antrag für eine Notfallzulassung des Impfstoffes bei der ständigen Unsinnskommission ein. Hübner kontaktierte Bad Kondrau und vereinbarte eine Nutzung der alten Produktionskapazitäten zur Abfüllung des Heilwassers. Prinzessin Stefanie hatte sich heimlich aus dem Klosterbestand schon mal eine erste Dosis gesichert. Diese wurde an die Elferräte verteilt. In einer klinischen Vorstudie mit elf Teilnehmern zeigte "Effatha-Uralt" einen 100-prozentigen Schutz gegen Faschingsmuffel. „Es kann losgehen“, freute sich Hübner im Dezember.

Abholung in Tunesien

Forster meldete sich nach wochenlanger Fahrt telefonisch aus Djerba: „Ich hab das Zeug! Ist ein Konzentrat!“ In Tunesien legten sie ihm die Heimreise über Israel nahe, denn so könne er auch noch das Licht von Bethlehem mitbringen, was er auch umgehend machte. Unterwegs schickte er den Elferräten eine SMS: „Bin in Bethlehem. Komme Weihnachten.“ Aufgrund der Corona-Pandemie und Grenzkontrollen verzögerte sich allerdings die Weiterreise. Als Forster immer noch nicht kam und schon von ersten Impfungen aus Israel berichtet wurde, befürchteten die Schlüsselcluberer, dass ihre wertvolle Ladung anderweitig verwendet wurde. „Alles gut“, schrieb Forster an die besorgten Kameraden, „Anfang Januar bin ich zurück.“

„Micharath Helau“ jubelten die Elferräte und rechneten schnell hoch: „Mit einem Odlfassl können wir 300 Millionen Dosen abfüllen. Damit können wir jedem Faschingszuggast ein Trinkangebot machen.“ Hübner und seine Elferräte legten dann auch gleich die Impfreihenfolge fest. Als erstes kommen natürlich die Elferräte dran, dann Prinzenpaar und Hofnarr, Büttenredner und Prinzengarde. Vorsitzender Heindl setzte sich dafür ein, dann mit dem Personal aus den Bratwurstständen und der Afterzug-Bar weiter zu machen. Dies wurde dann einstimmig beschlossen. Einig war man sich auch, dass die Bürgermeister als letztes ihre Dosis in der Bütt verabreicht bekommen.

Als Forster mit seiner Ladung ins Kappldorf einfuhr, war die Erleichterung groß. Der Landkreis Tirschenreuth war wie schon im Frühjahr wieder Spitzenreiter bei den Virus-Infektionen. Die Elferräte begrüßten den Helden mit „Freude schöner Götterfunken“, stimmten die Bayernhymne an und schmetterten lauthals „We are the Champions“. Forster übergab unter den Jubelstürmen die erste Abfüllung aus dem Güllefass an das Prinzenpaar.

Heilmittel gegen Faschingsvirus

Präsident Hübner blätterte währenddessen in der mitgelieferten Schrift des Medikus Prölsus. Auf Seite drei stand dazu: „Im März habe ich von einem furchtbaren Virus erfahren, der im Stiftland grassiert. Das Ausbruchsgeschehen ist eindeutig auf Münchenreuth zurückzuführen. Hier treffen sich alljährlich Tausende, um sich über Narrenstücke aus der Umgebung lustig zu machen. Insbesondere Konnersreuth steht hier immer im Mittelpunkt des Geschehens. Bei meiner Wanderung durch die Wüste Sahara begegnete mir ein wundersames Tier. Erst dachte ich, es sei ein Kamel, aber schnell erkannte ich es. Es war eine Goas. Die tierische Fata Morgana beauftrage mich, ein Mittel gegen den Münchenreuther Faschingsvirus zu entwickeln. Ich machte mich sofort an die Arbeit und erschuf ,Effatha-Uralt' und ließ es in den Zisternen von Tunesien verteilen. Nachdem nach drei Monaten immer noch kein Tunesier auf die Idee kam, einen Faschingszug zu veranstalten, beendete ich die Studie und begann, ,Effatha-Uralt' als Heilmittel gegen den Faschingsvirus zu verteilen.“

„Das war’s Männer. Des Zeug ist nicht gegen Corona, sondern gegen den Faschingsvirus. Jetzt haben die Goaserer uns drangebracht“, beklagte Hübner und erklärte die Aktion „Effatha-Uralt“ mit den Worten „Wenn einem so viel Schlechtes widerfährt, dann ist dies kein ,Effatha-Uralt' wert“ für beendet. Zu Risiken und Nebenwirkungen dieses Textes fragen Sie den Schreiber des Fosnatbladls oder den Medikus selbst. Dou is doch wirklich alle zspaath, zum Glick san mir in Micharath. Helau.

Rückblick auf die Michareither Faschingszüge seit 1972

Münchenreuth bei Waldsassen
Hintergrund:

Fosnatbladl-Geschichten

  • In Zusammenarbeit mit Oberpfalz-Medien veröffentlicht der Schlüsselclub Münchenreuth eine Serie von 11 Berichten über Faschingsthemen und Narreteien.
  • Alles darf in diesen Berichten, so wie in diesem Beitrag auch, aber nicht bierernst genommen werden.

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