Schildbürger-Streiche und Genderassabum-Band

Zum 47. Mal zog sich am Dienstag ein Faschingszug der Extraklasse durch das Kappldorf Münchenreuth. Wie gewohnt war er gespickt mit Themen aus der Region, die weder Brisanz, Komik noch Visionen vermissen ließen.

Trotz Regen und starkem Wind ließen sich die Narren aus Nah und Fern nicht davon abhalten, den 47. Micharather Fosnatzug live mitzuerleben.
von Norbert Grüner Kontakt Profil
Der Waldsassener Bierkönig alias Luis Hart.

Bevor das Startsignal für den 47. Micharather Faschingszug ertönte, hatte Martin Huml (Hecht) eine wichtige Durchsage zu machen: Der Tirschenreuther Bürgermeister Franz Stahl möge bitte sein Auto wegfahren. Das stehe derzeit auf dem Parkplatz des Präsidenten und ohne den könne man nicht anfangen. Für Alexander Hübner hatte der Begriff Faschingsfieber diesmal eine ganz besondere Bedeutung. Der Präsident war nämlich erkältet. Doch so ein Zipperlein ist für einen gestandenen Micharather kein Grund nicht dabei zu sein beim größten Event des Schlüsselclubs des Jahres.

Erfolgreiche Spione

Auch im vergangenen Jahr hatten die Schüsselclubberer wieder ihre Spione erfolgreich in den Nachbargemeinden eingeschleust, um herauszufinden, wer sich besonders für eine Erwähnung im Fosnatbladl oder für den Fostnatzug qualifiziert hat. Und dafür kamen wie immer nur die Besten zum Zug. Deren Leistungen sind natürlich auch wieder im Fosnatbladl vertieft. Dort finden sich auch die Kandidaten wieder, die es nicht ganz bis auf die Straße geschafft haben. Unter dem Motto, "Wir backen die besten Themen", ließen es die Michareither nicht nur beim Faschingszug und im Fosnatbladl so richtig krachen. Auch beim anschließenden Politikerderblecken auf dem Dorfplatz zog in gewohnt spritziger und witziger Weise Martin Huml (Hecht) vom Leder. Traditionsgemäß startete der Zug mit dem Kappenwagen - bestehend aus einem Trabi, der "stinkt und kracht und damit Faschingslaune macht". Musikalisch folgte ihm - im gebührenden Abstand zu den Ausdünstungen des vorausfahrenden Fahrzeugs - die Stiftländer Jugend- und Blaskapelle. "Manege frei" lautete das Motto für den Zirkus der Michareither Krabbelgruppe, dem die Skihaserln des TV Waldsassen folgten.

Ein Kinderwagen reichte aus, um den Start der Micharather Mond-Mission publik zu machen. Dramatisch gruselig setzten die Akteure des Schlüsselclubs die Grölldeifl-Krampus-Schlacht von Konnersreuth um. Die Michareither Faschingsnarren ließen dabei den "Kampf der Goas-Giganten" noch einmal schonungslos Revue passieren. Der nächste im Zug war der Freibad Franz, der täglich 10 Stunden im Freibad Mitterteich verbringt.

Die Bauernkapelle Münchenreuth setzte sich mit der endlosen Diskussion um Vielgeschlechtlichkeit auseinander und firmierte an diesem Tag als "Gender-Rassabum-Band". Bei der Prinzengarde des Schlüsselclubs Münchenreuth war zumindest optisch diese Frage leicht zu beantworten: Lauter hübsche Mädels. Das traf auch auf die Faschingsgirls des Schlüsselclubs Münchenreuth zu, die ihnen folgte. Auch das Prinzenpaar Katharina I. und Thomas II. waren gendermäßig traditionell unterwegs, genauso wie die Showtanzgruppe des Schlüsselclubs Münchenreuth. Den Fund einer herrenlose Torte im Wald bei Pechtnersreuth beschäftigte die Schlüsselclubberer sehr. Das dreistöckige Konditoren-Kunstwerk stehe noch immer gut erhalten an Ort und Stelle im Wald, hieß es beim Fosnatzug in Micharath. Fest stehe nur, dass es ein Märchen sei, dass Rotkäppchen auf dem Weg zur Pechtnersreuther Oma vom bösen Wolf überrascht wurde und ihr Mitbringsel stehen lassen musste.

Erdäpfelklau

Unter dem Motto: "Wenn's wos umasunst gibt" beleuchteten die Münchenreuther Narren das Neualbenreuther Kartoffelfest. Weitere Vorkommnisse, die es bis in den Faschingszug geschafft haben, waren unter anderem die Erteilung eines widerrechtlichen Badeverbots im Pleußener Meer oder der schönste Birnbaum der Welt, der auf dem Gelände des Konnersreuther Schafferhofs gefällt wurde.

Die Burg Falkenberg hatte es diesmal sogar bis zu einem eigenen Wagen gebracht. Da war die Rede von einem Bauer, der war sehr arm, aber eine sehr schöne Burg hatte. Und so kam es, dass er eines Tages vor die Falkenberger Gemeinde trat und sagte: "Wertes Volk, ich habe eine Idee. Wir machen mit unserer Burg aus Stroh Gold." So steht es im Fosnatbladl. Mit seinen Burgfreunden aus dem Forum Falkenberg habe der arme Bauer große Pläne geschmiedet. Aber mit dem Burgfrieden war es schnell vorbei. Denn Nachbarn wünschten sich den Dornröschenschlaf für Bauers Märchenschloss.

Bildergalerie zum Faschingszug in Münchenreuth

Heldenstatus

Weitere Themen waren die Waldsassener Glasfabrik Lamberts, die per Stellenanzeige eine neue Hüttenkatze suchte oder ein Waldsassener "schwarzes Schaf", das für den Rücktritt einer CSU Stadträtin gesorgt hatte. Die Narren dankten "Luis dem Sonnenkönig" als Retter der Waldsassener Biertradition". Luis Hart genieße seither Heldenstatus in der Klosterstadt. Er darf nun den Titel "Luis XIV., Bierkönig von Waldsassen" führen und betreibe seither einen unvergleichlichen Kult um seine Person. Beispielhaft dafür sei seine tägliche Bartpflege.

Aus den Nachbargemeinden wurden die Münchenreuther Narren bei 47. Fosnatzug unter anderem vom Männerballett des TSV Neualbenreuth, den Zumba-Kids des TSV Neualbenreuth, der Stadtkapelle Waldsassen und der Garde der Faschingsgesellschaft Tursiana aus Tirschenreuth unterstützt.

Frauen, Männer oder irgendwo dazwischen.
Solche Sahneschnittchen gibt es im Pechtnersreuther Wald.
Gendermäßig schwierig aber immer fesch, das Männerballett aus Neualbenreuth.
Die Grosse Koalition ist in Waldsassen eher umstritten. Darum gab eine CSU-Stadträtin entnervt auf.
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