SPD-Wahldebakel in 300-Seelen-Ort: Auf Ursachensuche in Muglhof

Null Stimmen holten die Genossen bei der Europawahl in Muglhof. Doch woran liegt's? Oberpfalz-Medien begaben sich am Tag nach der Wahl auf Spurensuche vor Ort. Und: Die Muglhofer reden Klartext. Aber am liebsten anonym.

Rentner Alfred Käß findet, dass sich der frühere Oberbürgermeister Hans Schröpf "mehr um unsere Anliegen gekümmert hat".
von Tobias GräfProfil

• "Ich habe nichts gegen die SPD und auch nichts gegen den OB, ich bin mit seiner Arbeit einverstanden. Gewählt habe ich ihn aber nicht. Ich war gestern nicht zu Hause", sagt Hermann Hillburger. Dass im Stadtteil niemand sozialdemokratisch wählte, seien "eben Tatsachen." Die "CSU lässt sich hier im Dorf viel blicken und vielleicht sind alle "SPD-Wähler schon gestorben", überlegt der Rentner.

• "Vor einigen Jahren wollte die SPD hier auf unseren Höhen Windräder bauen", erzählt ein Rentner. "Wir wären dann die einzigen gewesen, an denen es hängen geblieben wäre. Immobilien sind von vorneherein 30 Prozent weniger wert, wenn es ein Windrad in der Nähe gibt. Das wird wohl der Grund sein, warum wir hier die SPD nicht wollen."

• Alfred Käß wird noch deutlicher: "Muglhof ist schwarz. Der Seggewiß hat für uns doch nichts übrig. Er ist im Ort nicht präsent, nicht mal zum Dorffest im August kommt er", sagt der 77-Jährige verärgert. Seggewiß Amtsvorgänger Hans Schröpf "hat sich früher viel mehr um unsere Anliegen gekümmert. Und das sagen die meisten bei uns im Dorf". Auch der Streit um die Windräder habe laut dem 77-Jährigen eine "Mordskeilerei" ausgelöst.

• Dass der frühere Oberbürgermeister bei den Muglhofern einen guten Ruf hat, bestätigt auch eine Rentnerin: "Wir sind hier Schröpf-Anhänger und schwarz. Er hat damals die Gassen geteert, hatte gute Beziehungen nach München und wir bekamen ein neues Feuerwehrhaus. Der Schröpf war immer voll für uns zu sprechen und bei jedem Fest da. Und heute? Da wird halt die Vertretung geschickt. Wenn überhaupt." Womöglich sei Seggewiß "ja verärgert, weil er hier nicht geschätzt wird", mutmaßt die Seniorin.

• Robert Ronke hingegen findet, man dürfe das Ergebnis "nicht aufbauschen". Weil es nur 81 Wähler in Muglhof gab, "wirkt sich das jetzt extrem aus. Das sollte man aber nicht überdramatisieren", sagt der 65-Jährige. Auch habe die SPD hier "immer schon" ein "schlechtes Ergebnis" gehabt.

Muglhof ist schwarz. Der Seggewiß hat für uns doch nichts übrig.

Alfred Käß (77)

Alfred Käß (77)

Der SPD-Ortschef von Weiden-Ost im Interview

Weiden in der Oberpfalz

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