23.08.2020 - 13:56 Uhr
NabburgOberpfalz

Alpencross: Marathon auf Mountainbikes

Sie sind keine 20 mehr. Doch bei dem Pensum, das sie auf dem Mountainbike durchziehen, bleiben wohl die meisten 20-Jährigen schlichtweg auf der Strecke. Über die Alpen geht es querfeldein von Salzburg nach Triest: 12 000 Höhenmeter.

Bei der Ankunft in Triest: Peter Roidl, Sabine Eichinger, Marion Wegerer, Rosi Kielmann, Franz Fruth und Anita Obermeier (von links) haben es geschafft. 540 Kilometer über die Alpen liegen hinter ihnen.
von Claudia Völkl Kontakt Profil

In Triest hat das Sextett die Radler- gegen die Lederhose getauscht, um Abends auf den hinter ihnen liegenden Alpencross anzustoßen. Und der hatte es in sich. In den Sattel stiegen Sabine Eichinger (40) aus Teublitz mit ihrem Partner Peter Roidl (50), Marion Wegerer (54) aus Altfalter, Rosi Kielmann (56) aus Wolfring mit Franz Fruth (55) an ihrer Seite und Anita Obermeier (56) aus Nabburg. Da das Damenteam des WSV Nabburg, das schon drei Mal zusammen auf Tour war, wegen privater Termine nicht vollständig war, klinkten sich eben die beiden ebenso "Rad verrückten" Männer ein.

Perfekt vorbereitet

Kennen gelernt haben sich die Freunde beim Skifahren in Kanada, erzählt Anita Obermeier. Zum Skifahren kamen dann auch noch Mountainbiken, Marathon- und Volksläufe. Dass der Alpencross stets perfekt vorbereitet ist, ist Sabine Eichinger und ihrem Vater zu verdanken, der die Touren schon mit einem Teublitzer Herrenteam gefahren ist. Basierend auf diesen Tipps wurden die Routen gewählt, Unterkünfte vorgebucht. Es war nicht die erste Alpentour und "das hat immer perfekt geklappt" so Anita Obermeier. Die sieben Tage waren denn auch "anstrengend, aber schön".

Mit Frauenpower über die Alpen nach Venedig

Die Strecke führte heuer von Österreich über Slowenien nach Italien. Gestartet wurde im südlich von Salzburg gelegenen Ortsteil Glasenbach. In den nächsten Tagen ging es über das Tennengebirge und die hohen Tauern zu den Nockbergen und dem Faaker See in Kärnten. Von hier aus radelte man über die Grenze nach Slowenien, zunächst durch den Wintersportort Kranjska Gora und über den Vrsic Sattel nach Bovec ins Soca Tal. Über Kobarid und Tolmin erreichte das Team bei den immer mit etlichen Höhenmetern gespickten Touren Ajdovscina. Von hier aus führte die Abschlussetappe dann schon durch die Weinberge über die Karsthochebene nach Triest in Italien. Nach der Abfahrt in die Gluthitze der Stadt "ging es gleich in voller Montur zum Baden ins Mittelmeer" erzählt Anita Obermeier lachend.

Viele Strapazen waren zu meistern. Gefahren wurde mit einem gemieteten Begleitfahrzeug. Jeder aus der Gruppe übernahm eine Tagesetappe, fuhr zum nächsten Quartier voraus, lud das Gepäck ab und strampelte dann der Gruppe wieder entgegen.

Ein "Salberl" dabei

Jeder Tag war eine konditionelle Herausforderung: Im Schnitt wurden 60 bis 100 Kilometer, 1500 bis 2000 Höhenmeter zurückgelegt: Am ersten Tag in der prallen Sonne, bei über 30 Grad, an den nächsten Tagen stundenweise durch den Regen. "Die vom Wasser und Murenabgängen stark ausgewaschene Abfahrt vom Jepca-Sattel nach Kranjska Gora mit vielen Tragepassagen im weglosen Gelände, die endlos lange Abfahrt vom Vrsic-Sattel", diese Strecken waren wohl die härtesten, so Anita Obermeier.

Die schwierigste Etappe war am vierten Tag in Slowenien zu meistern. Mit den Rädern mussten das Sextett über Bäume kraxeln, 1000 Meter über Schotterserpentinen fahren: Das geht auf die Schultern und auf die Handgelenke. "Aber da hat jeder sein Salberl und Franzbranntwein dabei", weiß die Nabburger Sportlerin. Übernachtet wurde in einfachen Unterkünften. Wenn tagsüber keine Gelegenheit zum Mittagessen in Sicht war, mussten eben Power-Riegel und Obst herhalten. Und drei Liter Wasser war ein Muss. Das war schnell wieder herausgeschwitzt.

Nur zwei Pannen

Jeder in der Gruppe war am Ende froh, dass der Alpencross ohne Unfälle abgegangen war. Und es gab auch nur zwei Pannen. Der erste Blick aufs Mittelmeer oberhalb von Tolmin entschädigte für die Strapazen. 540 Kilometer und über 12.000 Höhenmeter waren geschafft.

Von wegen Asphaltstraße: Die Mountainbiker mussten sich ihren Weg oft durchs Gelände suchen.
Tagespassagen im weglosen Gelände gehörten ebenso zum Alpencross.
Auch mancher Fluss musste auf kleine Stegen überwunden werden.
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