24.06.2021 - 18:50 Uhr
NabburgOberpfalz

Aufregung um abgestürzten Turmfalken-Nachwuchs in Nabburg

Gleich sechs junge Turmfalken sind am Wochenende in der Nabburger Altstadt gestrandet. So richtig fit für Flüge waren alle nicht, für zwei von ihnen gab es einen rettenden Transport, auch die Polizei war involviert.

So sehen die kleinen Turmfalken aus, wenn sie in der LBV-Vogelstation zum Aufpäppeln angeliefert werden. In diesem Fall handelt es sich aber nicht um die beiden Nabburger Exemplare.
von Monika Bugl Kontakt Profil

Im Nabburg Spitalhof liefen am Samstag gerade die Vorbereitungen fürs Pfarrfest am Patroziniumssonntag, als die Helfer dort ziemlich angeschlagene Turmfalken in der prallen Sonne sichteten, offensichtlich noch gar nicht lange dem Küken-Stadium entwachsen. Einer war zu diesem Zeitpunkt schon nicht mehr zu retten, ein weiterer wurde aufgrund fehlender Flugkünste Opfer eines tierischen Feindes. Blieben noch zwei, für die am Samstag die Rettung in Form von menschlicher Unterstützung kam. Doch damit nicht genug: Am Sonntag tauchten noch einmal zwei weitere Jungvögel im Bereich um den Spitalhof auf. Aus welchem Nest sie alle gefallen sind und ob es sich möglicherweise gar um zwei Gelege handelt, das ließ sich allerdings nicht nachvollziehen.

Definitiv zu spät kam die Hilfe für zwei der vier am Samstag endeckten jungen Greifvögel: Jäger Willi Stöckl musste sich auf Vermittlung der Polizei um die verendeten Tiere kümmern. Mehr Glück hatte das Duo, das ein Nabburger Mitglied des Landesbunds für Vogelschutz (LBV) unter seine Fittiche nahm und bei erfahrenen Spezialisten ablieferte: Als "Nummer 6 und 7" der Neuankömmlinge an diesem Tag wurden die hilflosen Greifvögel in einer Katzenbox an der richtigen Adresse abgeliefert: in der Umwelt- und Vogelstation in Regenstauf. "Das wird wohl ihr erster Flug gewesen sein", mutmaßt der Tierfreund, der Schockzustand und Starre diagnostizierte.

Für etwas Verwirrung sorgte dann das Auftauchen von noch zwei weiteren Falken am Sonntag. "Die beiden haben aber gesund gewirkt und hatten noch Kontakt zum Altvogel", berichtet Martina Heigl. Man habe sich deshalb dazu entschieden, nicht einzugreifen und in diesem Fall darauf zu setzen, dass die Tiere es auch ohne menschliche Hilfe schaffen. "Ihr Schicksal ist jetzt allerdings ungewiss."

"Nummer 6 und 7" aber haben den Sturz oder Flug aus dem Nest wohl überstanden. "Den beiden geht es gut", sagt Dorian Horsch, Bundesfreiwilliger in der LBS-Station Regenstauf, der die Unglücksvögel gerade erst gesehen hat. Haben sie auf der Krankenstation jetzt einen Namen bekommen?. "Nein", sagt Horsch, "die kriegen keinen Namen. Sonst bindet man sich zu sehr, schließlich sollen die Turmfalken so bald wie möglich ausgewildert werden". Ihr Fressverhalten sei zufriedenstellend, und offensichtlich seien sie auch nicht verletzt.

Dass es gerade bei Turmfalken immer wieder zu solchen Abstürzen kommt, ist laut Ferdinand Baer nicht außergewöhnlich. Der fachliche Leiter der LBV-Vogelstation, der die Nabburger Vögel am Samstag entgegennahm, hat allein in der vergangenen Woche 19 solcher Findlinge gezählt, die in Regenstauf angeliefert wurden. "Das werden heuer sicher noch 40", lautet seine Prognose. Und die Erklärung: "Ganz einfach, die Turmfalken brüten häufig in Innenstädten." Weil sie selbst keine Nester bauen, vertrauen sie entweder auf Altbauten anderer Vögel, oder sie brüten in ziemlich engen Mauernischen. "Da gibt es dann enge Einfluglöcher, keine Möglichkeit sich aus dem Weg zu gehen und die Flügel zu trainieren", sagt der ausgebildete Falkner. Kommt der Altvogel mit einer Maus angeflogen, dann könne es schon sein, dass bei der Brut eine Schubserei einsetzt.

Weil in Nabburg aber gleich mehrere Jungvögel zu Boden gingen, tippt er eher auf einen Sturm, eine Störung durch Beutegreifer mit Panikreaktion oder Probleme durch allzu große Hitze. "Da gibt es mehrere Optionen", stellt er klar und rät dazu, die Jungfalken nach Möglichkeit wieder zurück ins Nest zu befördern. "Wo das Nest ist, und die Vögel hergekommen ist, das weiß keiner", musste Pfarrer Hannes Lorenz allerdings schon am Wochenende feststellen.

Nicht eindeutig klären lässt sich auch, ob die beiden anderen, in Nabburg verbliebenen Vögel aus dem gleichen Nest stammen. "Turmfalken können tatsächlich auch sechs bis sieben Eier legen, aber meistens kommen nicht alle durch", weiß Fachmann Baer. Ob die daheim gebliebenen Sturzvögel nun auch überleben? "Im städtischen Bereich habe ich da Bauchschmerzen", dämpft er allzu große Hoffnungen mit Blick auf etwaige Feinde und einen Altvogel, dem hier die Landung vielleicht zu riskant ist.

Da haben es die Pflegekinder in Regenstauf besser: Sie sind inzwischen in eine Gruppe mit Gleichaltrigen integriert und könnten nach Einschätzung von Baer in wenigen Tagen die Flügel ausbreiten. "Dann dauert es noch etwa drei Wochen, bis sie selbstständig auf die Jagd gehen können", so der Fachmann aus Ponholz. Während dieser Phase gibt es auf dem Dach des künstlichen Nests in Regenstauf noch Futter für die kleinen Gäste. "Und irgendwann verschwinden sie dann ganz von allein."

Kohlberger Turmfalken gewinnen Kampf um Nistplatz

Kohlberg
Info:

LBV-Umweltstation mit Vogelstation

  • LBV: Naturschutzverband, der sich für den Schutz aller heimischen Tier- und Pflanzenarten einsetzt.
  • Umweltstation: Seit 2008 Bildungs- und Begegnungsort mit Veranstaltungen zu den Themen Umwelt, Natur und Nachhaltigkeit mit Schwerpunkt Tier- und Pflanzenwelt; staatlich anerkannt und 2012 mit dem Qualitätssiegel „Umweltbildung.Bayern“ des bayerischen Umweltministeriums ausgezeichnet.
  • Vogelstation: Verletzte Vögel werden gesund gepflegt und ausgewildert.
  • Vogel-Notruf: für verletzte Wildvögel, ehrenamtlich besetzt, erreichbar Montag bis Donnerstag von 9 bis 12.30 und 14 bis 20 Uhr, Freitag 9 bis 13 Uhr und 14 bis 20 Uhr, Samstag: 9 bis 14 Uhr, Sonntag 14 bis 18 Uhr unter Telefon 0171 / 4087252
  • Kontakt: Masurenweg 19, 93128 Regenstauf, Telefon 09402 / 78 99 57-0. E-Mail: oberpfalz[at]lbv[dot]de
Auch wenn dieser junge Turmfalke Mutterinstinkte weckt, gehen die Fachleute beim LBV lieber auf Abstand, schließlich soll der Vogel irgendwann ausgewildert werden.
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