03.12.2019 - 10:41 Uhr
NabburgOberpfalz

Wie wir beim Surfen überwacht werden

Das BayernLab Nabburg bietet immer wieder Informationsveranstaltungen zu digitalen Innovationen. Am letzten Vortragsabend des diesjährigen Herbstprogramms referiert Michael Hälsig.

Michael Hälsig vom Chaos Computer Club referierte im BayernLab Nabburg über die Werbestrategien der großen Digitalkonzerne.
von Redaktion ONETZProfil

Michael Hälsig sprach über die Finanzierung der großen Digitalkonzerne wie Google oder Facebook und wie diese uns beim Surfen beobachten. Er hielt bereits zum dritten Mal einen Vortrag im BayernLab. Auch dieses Mal war der Seminarraum bis auf den letzten Platz gefüllt. Normalerweise referiert er im Rahmen des Chaos Computer Clubs an Schulen. Im BayernLab handelte es sich hingegen um ein erwachsenes Publikum - denn das Thema geht jede Altersklasse etwas an.

Dass sich große Digitalkonzerne fast ausschließlich aus Werbung finanzieren, überrascht kaum. Wie sie dabei vorgehen, zeigte Hälsig anschaulich und direkt im Internet. Die Zahlen sprechen dabei für sich: Google machte im Jahr 2018 einen Werbeumsatz von insgesamt 124 Milliarde, Facebook einen Umsatz von etwa 50 Milliarde Euro. Seit 2011 hat sich der Umsatz von Google fast vervierfacht.

Mit nur 170 Likes kann die Plattform Facebook viele Eigenschaften einer Person herausfiltern und dadurch ganze Persönlichkeitsprofile erstellen, mit Hilfe derer sie wiederum personalisierte Werbung an den jeweiligen Nutzer verschicken kann.

Auch unsere Apps am Smartphone speichern diverse Infos über uns: Ortszeit, Position, Wetter - an der Erschütterung des Handys kann sogar festgestellt werden, ob wir gehen, joggen oder Radfahren.

Auch Alexa, Siri und Co. hören in unserem Alltag auf gewisse Schlüsselwörter und selbst vor unseren Smart-TVs sind wir nicht sicher: Diese informieren den Hersteller, welche Sendungen wir sehen oder aufnehmen. Einige sind sogar mit eingebauten Kameras ausgestattet, die feststellen können, wer die jeweilige Sendung sieht.

Was bedeutet dies also für den Einzelnen? Jeder Nutzer bekommt unterschiedliche Produkte, Preise oder auch politische Botschaften im Internet angezeigt - je nach erfasstem Persönlichkeitsprofil. Die Speicherung dieser Daten führt auch zur unterschiedlichen Behandlung bei Bewerbungen und Leistungsbeurteilungen. Aus dem Konsumverhalten können sogar Krankheitsprognosen erstellt werden. "Der Einzelne kann gar nicht mehr einschätzen, welche Daten vorliegen und wie diese bewertet werden", so Hälsig.

Im Laufe seines Vortrages legte Michael Hälsig auch besonderen Wert darauf, Tipps an seine Zuhörer weiterzugeben, wie man diese Erfassung von Daten verhindern kann. So surft Hälsig beispielsweise mit dem Browser "Mozilla Firefox" und installiert dabei das PlugIn "Disconnect" sowie den Blocker "UBlock Origin". Das Tracking am Smartphone zu verhindern, gestaltet sich als schwieriger. Hälsig empfiehlt dabei, ein ganz eigenes Betriebssystem - zum Beispiel "Lineage OS" - auf das Smartphone zu laden. Als Messenger-Alternativen nennt er "Signal" und "Matrix". Gute Suchmaschinen seien "Startpage" und "DuckDuckGo".

Die umstrittene Werbestrategie der Digitalkonzerne läuft laut Hälsig wie folgt: "Verkaufe die Aufmerksamkeit deiner Nutzer möglichst zielgenau an Werbekunden und achte darauf, dass die Nutzer nicht ansatzweise darüber aufgeklärt werden."

Klicken Sie hier für mehr Artikel zum Thema:

Für Sie empfohlen

 

Videos aus der Region

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.