Alena Mrazková aus der Nähe von Pilsen ist an zwei Terminen im Jahr, im Frühjahr und im Herbst, im Freilandmuseum in Neusath anzutreffen. Viele Liebhaber der böhmischen Handarbeit freuen sich auf ihren Besuch. Denn sie wissen um die künstlerischen Talente der Tschechin, die in der Zeit vor Ostern bemalte Eier und in der Vorweihnachtszeit traditionellen Christbaumschmuck mit in die Oberpfalz bringt. Seit 25 Jahren widmet sie ihre Fähigkeiten den Enten-, Gänse-, Hühner- oder Holzeiern, die sie verziert. „Eigentlich“, sagt die 50-Jährige lächelnd, „ist es gar nicht mein Hobby, sondern es ist mein Lebensstil“.
Damit das Eiersortiment für den Verkauf im Frühjahr bereitsteht, fertigt Alena Mrazková von Januar bis März etwa 900 Eier an. Für ein Ei benötigt sie etwa zehn Minuten. Sie grundiert die in verschiedenen Größen angebotenen Unikate mit Lackspray und bemalt sie mit Wachskreide oder Acrylfarbe. Die Eier, „Kraslice“ genannt, gelten als Symbol für „Leben“ und werden im Frühjahr als handgefertigte Kunstwerke verschenkt.
Konditorin Petra Stogerova brachte traditionelles böhmisches Ostergebäck mit. Die Backwaren, seien es Biskuit- oder Rührteigkuchen in Lammform, die typischen Osterkolatschen oder knusprig gebackene Plätzchen mit Zuckerguss, stehen für „Fruchtbarkeit“, den „Frühling“ und das Ende der Fastenzeit.
Besonders interessant ist der Brauch der „Osterpeitsche“, der in Böhmen und ganz Tschechien am Ostermontag gepflegt wird. Männer und Jungen ziehen an diesem Festtag mit einer geflochtenen Weidenrute von Haus zu Haus und besuchen Freunde und Nachbarn. Frauen und Mädchen werden leicht an den Beinen „ausgepeitscht“, was die Übertragung der „Lebenskraft“ der Pflanze symbolisiert. Zum Dank für diese „Streicheleinheiten“ erhalten die Männer und Jungen bemalte Ostereier, Süßigkeiten, Bänder oder in bestimmten Regionen einen Schwall kaltes Wasser ins Gesicht. Ein junger Museumsbesucher fand sofort Gefallen an dem Brauch und kaufte sich für sein Vorhaben ein besonders langes Exemplar.
Auch die Museumslandwirtinnen haben ihren bayerischen Brauch an die Besucher weitergegeben. Sie zeigten, wie man Eier dekorativ mit Blätterdruck verziert und auf natürliche Weise durch Zwiebelschalen und Rote-Bete-Saft eine ansprechende Pastellfarbe erhält. Eifrige Gäste versuchten sich am Strukturwalzen für eine eigens angefertigte Osterkarte. Ganz im Sinne des Jahresmottos „Neu aufgerollt“ waren sie mit ihrem „Kunstwerk“ zumeist sehr zufrieden und nahmen es mit nach Hause, um es an Ostern mit einem Gruß an ihre Lieben zu verschenken.

















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