15.01.2021 - 07:53 Uhr
NabburgOberpfalz

Corona: Radikalschnitt nur bei den Friseuren

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Seit dem erneuten Lockdown sind die Salons geschlossen - bis wann, ist unklar. Während eine junge Friseurin positiv bleibt, findet ein anderer deutliche Worte. Zwei Friseure aus dem Landkreis Schwandorf, zwei unterschiedliche Ansichten.

Wer sehnt sich aktuell nicht nach einem Haarschnitt? Die Salons sind seit dem 16. Dezember geschlossen.
von Vanessa Lutz Kontakt Profil

Dass Fußballprofis ausgerechnet bei Friseuren das Fass endgültig zum Überlaufen bringen, hätte bis vor wenigen Monaten sicherlich noch niemand erwartet. Mit einem Brandbrief wandte sich der Zentralverband des Deutschen Friseurverbandes vor wenigen Tagen an den DFB. "Der Unmut gegenüber top-gestylten Fußballern und in der Folge Kundenanrufen, die zu Schwarzarbeit und Regelverstößen wie Hausbesuchen überreden wollen, wächst", heißt es in dem Schreiben.

Auch Bernhard Dräxler kann darüber nur den Kopf schütteln, spricht von einem "Schlag ins Gesicht". Sein Salon in Nabburg, alteingesessen am Marktplatz, ist - wie die insgesamt 80 000 deutschlandweit, seit dem 16. Dezember erneut geschlossen. Dräxler ist Obermeister der Friseurinnung Schwandorf und somit gut vernetzt mit seinen Kollegen im Landkreis. "Die Lage", sagt er, "ist ziemlich schwierig."

Bernhard Dräxler ist alteingesessener Friseur aus Nabburg. Er fühlt sich von der Politik im Stich gelassen.

Viel investiert

Nach dem ersten Lockdown seien Friseure noch von Gesundheitsminister Jens Spahn für ihre Hygienekonzepte gelobt worden. "Da hieß es im Nachhinein, mit dem Kenntnisstand hätte man die Salons gar nicht schließen brauchen." Nun seien die Läden aber trotzdem wieder zu. "Das versteht von den Kollegen keiner mehr."

"Die Überbrückungshilfen decken nur betriebliche Fixkosten wie Strom oder Miete ab. Der Lebensunterhalt, also Kranken- oder Lebensversicherung, wird da nicht berücksichtigt."

Bernhard Dräxler, Friseurinnungsobermeister

Viele hätten investiert, um die Hygienevorgaben akribisch umsetzen zu können. Desinfektionsmittel, Schutzausrüstung: "Das hat sich nun aber erledigt," stellt Dräxler bitter fest. Zwar gebe es Überbrückungshilfen, doch decken diese nur betriebliche Fixkosten wie Strom oder Miete ab. "Der Lebensunterhalt, also Kranken- oder Lebensversicherung, wird da nicht berücksichtigt."

Erst im August eröffnet

Ob Marie-Kristin Meier (20), Friseurmeisterin und Make-up-Artist in Oberviechtach, diese Hilfen in Anspruch nimmt, lässt sie im Gespräch mit Oberpfalz-Medien noch offen. Sie hat ihren Salon erst im August letzten Jahres am Marktplatz eröffnet, kurz nach Ende ihrer Meisterprüfung. Die Corona-Pandemie war mit ein Grund. "Nach meiner Prüfung habe ich mich umgeschaut, aber es war schwierig, eine neue Stelle zu bekommen." Viele Salonbetreiber hätten wegen der unsicheren Lage nicht eingestellt. Und die Selbstständigkeit sei schon immer ihr Traum gewesen.

"Herzblut" steckt in ihrem Laden, wie Meier sagt. Wohlfühlen solle sich jeder bei ihr, auch angehende Bräute, denen Meier die passende festliche Frisur kreiert. Obwohl auch ihr Geschäft geschlossen ist, ist sie täglich dort, um mit ihren Kunden wenigstens zu telefonieren. Den Kopf in den Sand stecken will die junge Frau nicht. "Ich bin ein positiver Mensch", sagt sie. Die Zeit nutze sie jetzt für Online-Schulungen in ihrem Handwerk, um weiterhin auf dem aktuellen Stand zu bleiben. "Und manche Branchen hat es in der Pandemie viel schlimmer erwischt." Mit Beschwerden wolle sie sich deshalb zurückhalten.

Marie-Kristin Meier hat im August ihren Laden am Oberviechtacher Marktplatz eröffnet. Trotz der aktuellen Lage möchte sie positiv denken.

"Es ist frustrierend"

Innungsobermeister Bernhard Dräxler beurteilt die Lage anders. "Der Friseurberuf ist das einzige Vollhandwerk, das nicht arbeiten darf", sagt der Nabburger Friseur Dräxler. "Eine Gleichbehandlung findet nicht statt." Genaue Zahlen, ob und wie viele Salons bereits schließen mussten, liegen ihm derzeit noch nicht vor. Von der Politik jedenfalls fühlt er sich im Stich gelassen. "Es ist frustrierend, weil man uns das Arbeiten auf unbestimmte Zeit verbietet."

In einem Punkt sind sich beide Friseure aber einig: Haareschneiden "unter der Hand" kommt nicht infrage, auch, wenn beide die Verzweiflung mancher Kollegen in der aktuellen Situation gut nachvollziehen können. "Die Strafen sind da sehr hoch", sagt Dräxler. Ab 5000 Euro aufwärts. Beiden seien auch keine Kollegen bekannt, die schwarz arbeiten würden. Selbst zur Schere solle aber niemand greifen, sagt Friseurin Marie-Kristin Meier und lacht. "Das geht fast immer schief - aktuell heißt es eben: Mut zum Ansatz."

Dräxler hingegen fallen beim Einkaufen dennoch ab und an Personen mit perfekt geschnittenen Haaren auffallen. Und da wären wir wieder beim Brief an den Deutschen Fußballbund. Doch: "Es ist nicht nur da auffällig", überlegt Dräxler. Er wundert sich, sagt er, denn auch so manche Politiker wirken erstaunlich gut frisiert.

Die Haare der Kunden wachsen weiter, die Verzweiflung steigt

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