07.09.2021 - 16:50 Uhr
NabburgOberpfalz

Damit sich die Flutschäden vor 20 Jahren nicht wiederholen: Stadt entschärft Brennpunkte

Millionenschäden hinterließ ein Unwetter, das vor 20 Jahren Nabburg überraschte. Die Katastrophe von Ahrweiler ist eine andere Dimension, doch wer die Bilder sieht, fragt sich: Kann das in Nabburg wieder passieren? Wird vorgesorgt?

Mannshoch stand in Garagen in der Austraße das Wasser.
von Claudia Völkl Kontakt Profil

Die Flutkatastrophe in Westdeutschland hat gezeigt, wie schnell sich in scheinbar harmlosen Gewässern und Senken reißende Fluten wälzen können. Auch das Szenario vor 20 Jahren in Nabburg haben viele noch vor Augen: Der Sterzenbach, ein kleines Bächlein, trat über die Ufer, überschwemmte Restaurant und Möbelmarkt, setzte den Tresorraum der Sparkasse unter Wasser, schoss durch eine Garage, ließ Autos schwimmen und die Altenheimmauer einstürzen.

Die Wucht des Wassers, die so plötzlich hereinbrechen kann, hat sensibel gemacht. Dritter Bürgermeister Johann Kleber, der in der Urlaubszeit den Rathauschef vertrat, und Verwaltungsleiter Thomas Prey haben Kartenmaterial vor sich ausgebreitet.

Prey unterscheidet im Gespräch mit Oberpfalz-Medien die Begrifflichkeit Hochwasser und Starkregenereignisse. Mit dem Hochwasser an der Naab, in der Venedig, haben die Bürger zu leben gelernt. Da es in Zeiten des Klimawandels aber auch schlimmer kommen kann, wurde von der Bayerischen Staatsregierung der sogenannte Naabtalplan ausgerufen, damit betroffene Kommunen an der Naab mit Blick auf ein hundertjährliches Hochwasser Vorkehrungen treffen können und ihnen dabei Förderungen eröffnet werden.

Wo sich Gelegenheit bietet

Das zweite Handlungsfeld: Starkregenereignisse und Sturzfluten, die kleine Bäche in kürzester Zeit anschwellen lassen. Die Stadt ist sensibilisiert: Wo gebaut wird, werden in einem Aufwasch von der Kommune Regenrückhaltemaßnahmen umgesetzt, es gibt auch weitere konkrete Schubladenpläne, um gefährdete Wohnbereiche zu schützen. Doch das ist auch eine Frage des Geldes und der Förderung.

Thomas Prey rollt die systematisch erfassten Brennpunkte in der Stadt auf. Der Pfandelbach im westlichen Stadtbereich wird von Zuläufen aus dem Bereich Skilift, Indianerfort, Galgenberg gespeist. In dem Areal um den neu entstehenden Baumarkt "Werkers Welt" ist die Bebauung eng, sind die Verrohrungen nicht auf Starkregenereignisse ausgelegt. Hier hat die Stadt vor einigen Wochen, als der Rewe-Markt gebaut wurde, die Gelegenheit genutzt, eine Regenrückhaltung und eine Flutmulde zu schaffen. Und bei "Werkers Welt" sind großdimensionierte Ablaufrohre verlegt worden. Schritt Nummer zwei ist das Ablassen der Weiher gegenüber dem Busbahnhof sowie die Renaturierung des Baches. Hier werden zwei große technische Dammbauwerke entstehen. "Keine Betonbauwerke", erläutern Johann Kleber und Thomas Prey, sondern Erdwälle mit speziell zusammengesetzten dichtem Erdmaterial. Die Planung läuft, 2022 soll das wasserrechtliche Verfahren folgen, und 2023 wäre die Umsetzung angepeilt: Immer mit einem Blick auf die Etatlage der Stadt.

Dann ein Schwenk zum Sterzenbach, der zum Großteil verrohrt ist, durch Bachgasse und Gartenhäuslweg in die Naab läuft. Vorgesehen ist, im Nordwesten der Stadt eine Rückhaltung zu schaffen. Der Pfeifferweiher würde sich anbieten oder ein Areal oberhalb der Kreisstraße. Das ist aber noch Zukunftsmusik.

Städtisches Hochwasserkonzept

Nicht zuletzt die Planungen für den Bahnübergang waren es übrigens, die 2005 zu einem städtischen Hochwasserschutzkonzept führten. Dann zeigt Prey in der Karte auf den östlichen Bereich der Stadt, auf Diendorf. Der Diendorfer Graben läuft in Höhe der Dorfstraße in die Naab. Südlich des Bereichs, in dem der Neubau des Unternehmens FEE entsteht, wird nicht nur ein Lärmschutz, sondern auch eine Retensionsfläche geschaffen.

Weiter in den Norden: Der Neusather Bach und der Aschbach laufen im Industriegebiet südlich des Unternehmens Naabbeton zusammen, queren die Oberviechtacher und Neunburger Straße, um beim Naabweg in die Naab zu münden. Im Aschbach wurden im Zuge des Kanalbaus größere Querschnitte geschaffen, der Namsenbacher Dorfweiher ist umgestaltet und hat ein Drosselablaufbauwerk. Die Stadt denkt bekanntlich an die künftige Erweiterung des Industriegebietes gen Norden. Hier wird ein Regenrückhalteteich für die Oberflächenentwässerung geschaffen, in Richtung Neusath zusätzlich eine Fläche als Hochwasserpuffer.

Auf Förderung angewiesen

Als ein Brennpunkt hat sich schon von Jahren der Bereich an der Waldstraße in Diendorf herauskristallisiert. Hier wiederholte sich vor zwei Jahren, was schon einmal einem Hausbesitzer im Baugebiet Hirtenleite passiert war: Bei massiven Regenfällen brach sich das Wasser Bahn, verwüstete einen Neubau. Was tun? Es gibt Fördermöglichkeiten, doch "eine Planung nach HQ 100 - das ist die Berechnungsgrundlage für ein 100-jährliches Hochwasser - ist auch teuer", so Prey. Und im Fall Waldstraße ist der neuralgische Bereich nicht mal als Gewässer ausgewiesen. Eigentlich gäbe es keine Förderung. Eigentlich. Prey hofft, dass sich die Kulisse nach der Katastrophe in Westdeutschland verändern wird. Fazit: Es gibt durchdachte Pläne. Umgesetzt werden können sie nur vorbehaltlich der Etatlage der Stadt. "Doch es sind Themen, die wir immer auf dem Schirm haben," betont Prey.

Das haben auch Wasserwirtschaft und Landratsamt. Thomas Prey präsentiert einen Aktenordner der beiden Behörden, der brandaktuell ist. Titel: "Vorläufige Sicherung der Überschwemmungsgebiete". Die kritischen Bachlaufbereiche sind blau eingefärbt. Sind hier künftig Baumaßnahmen geplant, werden sie mit Blick auf die kritischen Überschwemmungsgebiete ganz besonders auf diese Parameter geprüft. "Wir können nicht für 100-prozentige Sicherheit sorgen. Wo man tätig werden kann, werden wir es auf die nächsten Jahre verteilt auch tun", betonen Johann Kleber und Thomas Prey.

Wichtig seit natürlich auch die Gewässerpflege: Im öffentlichen Bereich habe der Bauhof ein Auge auf Gitter, Durchläufe, Verklausungen. Bei Privatanwesen bleibe nur der Appell, mit Gegenständen nicht zu nah an den Bach zu rücken. Prey erinnert an das Ereignis vor 20 Jahren. Damals hatte es einen Kompostdeckel weggeschwemmt, der ein Gitter im Ablauf verlegte.

THW Nabburg unterstützt Aufräumarbeiten in Ahrweiler

Nabburg
Verwaltungsleiter Thomas Prey und Dritter Bürgermeister Johann Kleber (von links) erläutern in punkto Starkregen die baulichen Maßnahmen und Pläne der Stadt Nabburg.
Wie ein Murenabgang: Durch den sintflutartigen Regen löste sich vor 20 Jahren ein Stück der Altenheimmauer.
Ein Bild, das keine Worte brauchte: Einen Polstermöbelmarkt in der Austraße hatte es beim Unwetter vor 20 Jahren böse erwischt.
Hintergrund:

"Jeden einzelnen Bach anschauen"

  • "Die Dimension der Flutkatastrophe in Westdeutschland hat auch uns schockiert", so Manuel Schlegel, Abteilungsleiter des Wasserwirtschaftsamtes Weiden für den Landkreis Schwandorf.
  • Die Unwägbarkeit: Es ist nicht vorhersehbar, wo die "Regenereignisse" niedergehen. Deshalb die Botschaft, "sich jeden einzelnen Bach anzuschauen, um für den Fall x gerüstet zu sein". Das Wasserwirtschaftsamt Weiden stehe, wo möglich, beratend und fördernd zur Seite.
  • Muss die Dimensionierung von Entwässerungsrohren überdacht werden? Laut Manuel Schlegel orientiert sich das technische Regelwerk an der Jährlichkeit des Niederschlags, also wie oft er auftritt. Diese Regelwerke werden in Normenausschüssen fortgeschrieben. Das schärfe sich dann von selbst nach.
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