07.06.2019 - 14:04 Uhr
NabburgOberpfalz

Einmal Nabburg und zurück

In der Transsibirischen Eisenbahn ist er zur Weltreise aufgebrochen. Matthias Wurm hat pittoreske Berge gesehen und das Leben auf einer Trauminsel getestet. Doch bei der Wahl des Eigenheims liegt Nabburg vorn.

Matthias Wurm (links) zieht es weg aus den Ballungszentren und zurück in die Heimat. Mit seiner Frau Gabriela und Sohn Finn sowie Bürgermeister Armin Schärtl kommt er gerade vom Notar, wo er sich einen Bauplatz gesichert hat.
von Monika Bugl Kontakt Profil

Der Vertrag ist besiegelt. Der einjährige Finn hat den Termin beim Notar ganz brav in seinem Baby-Sitz verschlafen. Dabei ist auch er ein Grund dafür, warum sich Matthias Wurm nach vielen Jahren in der großen weiten Welt dafür entschieden hat, in Nabburg sesshaft zu werden. Soeben ist er Eigentümer einer Parzelle in "Hirtenleite III" geworden, dem neuen Baugebiet im Nabburger Ortsteil Diendorf. Jetzt steht für den 39-Jährigen und seine Frau Gabriela der Hausbau an, Finns großer Bruder, der dreijährige Luca, ist schon im Kindergarten angemeldet. Ein Homeoffice-Modell macht's möglich.

"Meine Kinder sollen in einer ländlichen Umgebung aufwachsen", sagt der Papa und wendet sich damit gegen einen Trend in Richtung Großstadt. Ganz bewusst kehrt er dem Speckgürtel den Rücken zu, der von München bis an die österreichische Grenze reicht und auf jeden Fall bis Rosenheim, wo die Familie jetzt die Koffer packen will. Ein Haus mit Garten, das sei im Umfeld der großen Städte längst unbezahlbar, hat die Familie festgestellt, und sich ganz genau überlegt, wo sie nun Wurzeln schlagen will. Die Wahl fiel auf Nabburg, genauer auf den Ortsteil Diendorf. Den Ort, wo Matthias Wurm zur Schule ging und im Fußballverein gespielt hat. Seine Frau, die aus einem kleinen Ort in der Nähe von Chur in der Schweiz stammt, hat er längst überzeugt.

"Wir sind ja schon öfter hierhergekommen", berichtet Gabriela Camenisch, "letztes Jahr haben wir den Sommerurlaub bei den Großeltern verbracht, da habe ich die Stadt wirklich kennengelernt". "Hier sind Schulen und Sportvereine in Reichweite, es gibt Ruhe und Sicherheit, alles was man als Eltern so auf dem Schirm hat", sagt ihr Mann. "Man braucht nur eine gute Datenleitung", ergänzt Nabburg Bürgermeister Armin Schärtl, der stolz darauf ist, dass in diesem Fall seine Heimatstadt das Rennen gemacht hat. Schließlich hat das Ehepaar Wurm/Camenisch schon fast die ganze Welt gesehen.

Die Welt gesehen

Für Matthias Wurm ging es zunächst bis Rosenheim. Dort studierte er Kunststofftechnik, fand später einen Job in in den Alpen und lernte schließlich in einer Firma in der Schweiz seine Frau kennen, die dort eine kaufmännische Ausbildung gemacht hatte. Dann schlug das Reisefieber zu. Zwei Jahre gönnte sich das Paar für eine Weltreise, die in der Transsibirischen Eisenbahn ihren Anfang nahm. Russland, die Mongolei, China, Taiwan, Thailand, und Australien und schließlich auch noch Südamerika standen auf dem Reiseplan, "so ziemlich alles außer Afrika und den USA, wo wir zuvor beide schon waren", erzählt der frühere und künftige Nabburger. "Und jetzt landen Sie in Diendorf", staunt der Bürgermeister, der Wurm noch aus seiner Zeit als Fußball-Spartenleiter beim SV Diendorf kennt.

"Na ja, erstmal war das Zurückkommen schwieriger als das Abhauen", gesteht der Kunststoff-Techniker, der sich nach der zweijährigen Tour eigentlich selbstständig machen wollte und deshalb ein Aufbaustudium in Wirtschaftsingenieurwesen dranhängte. Doch beim Ausarbeiten eines Business-Plans kamen ihm Zweifel und so heuerte er doch lieber bei einem Kunststoff-Hersteller mit europäischen Sitz in Frankfurt an. "Ich habe mich ganz bewusst für diese Stelle entschieden, weil ich so mit Homeoffice meine Söhne aufwachsen sehen kann", erklärt der Vater von Luca und Finn. Die können jetzt mit einem bairischen Dialekt groß werden und nebenbei von der Mama Rätoromanisch lernen. Statt Schweizer Berge gibt es Oberpfälzer Hügel. "Unser höchster ist der Kulm, 600 Meter, mit Aussichtsturm", merkt der Bürgermeister an, der um die "Staubsauger-Funktion" der Ballungszentren weiß.

Auf Quartiersuche

Für die junge Familie, die jetzt für die Bauphase ab September zunächst eine Wohnung in Nabburg und Umgebung sucht, bedeutet der Umzug aber auch Abschiednehmen von guten Freunden in Rosenheim. "Während wir hier ein Wohnungs-Inserat aufgeben, haben sie dort eine Traueranzeige angekündigt", erzählt der künftige Bauherr. Dabei sei das doch keine Distanz, und nicht zuletzt habe man im Neubau schon ein großes Gästezimmer eingeplant. "Wenn das Haus steht, können wir allen Freunden zeigen, wie schön es hier ist."

Info:

"Hirtenleite III"

Das neue Baugebiet "Hirtenleite III" liegt an der Neunburger Straße in Diendorf und verläuft parallel zur Bebauung der Xaver-Fuhr-Straße. Ab Herbst können dort die ersten Häuser aus dem Boden wachsen. Laut Bürgermeister Armin Schärtl sind von den insgesamt 44 Parzellen inzwischen 38 verbrieft. Und es sind keineswegs nur Nabburger, die hier sesshaft werden wollen. "Etwa ein Drittel bis die Hälfte der künftigen Bauherrn dort ziehen aus einer anderen Gegend zu uns", so der Bürgermeister.

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