02.06.2020 - 14:00 Uhr
NabburgOberpfalz

Gefahr für Schwimmanfänger

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Corona hat viele Bereiche des Alltags lahmgelegt. Mit "Homeschooling" und Spielplatzverbot sind auch die Kleinsten stark davon beeinflusst. Aktuell droht ein ganzer Jahrgang an Nichtschwimmern, da wegen des Virus alle Kurse ausfallen.

Viele Schulanfänger können aufgrund von Corona dieses Jahr nicht vernünftig schwimmen lernen. Nächstes Jahr erwartet die Schwimmlehrer dann einen noch längere Warteliste.
von Anne Sophie Vogl Kontakt Profil

Die Wasserwacht Nabburg ist derzeit - wie alle anderen Organisationen und Vereine - durch den Coronavirus in ihren Tätigkeiten mehr als eingeschränkt. Die Nabburger trifft es aber innerhalb kürzester Zeit schon zum zweiten Mal. Zum Ende des vergangenen Jahres war das Hallenbad in Nabburg für mehrere Wochen gesperrt und sowohl der anstehende Schwimmkurs, als auch das wöchentliche Training konnten nicht stattfinden.

Erleichterung herrschte dann Anfang des Jahres, dass das Hallenbad seine Pforten wieder öffnet und die Wasserwacht startete kurz darauf mit dem noch ausstehenden Schwimmkurs. Kurz bevor die Bäder im Freistaat aufgrund der sich ausweitenden Coronapandemie geschlossen wurden, konnte die Wasserwacht Nabburg zumindest noch ihren Schwimmkurs abschließen. Beim Kinderschwimmkurs konnten am Ende des sechswöchigen Kurses 16 der 24 der jungen Wasserbegeisterten stolz ihr Seepferdchen in Händen halten. "Jetzt wäre es besonders wichtig gewesen, das Erlernte zu vertiefen", erklärt Oliver Böttcher, Vorsitzender der Wasserwacht Nabburg. Mindestens zwei Mal im Monat. Doch Corona machte einen Strich durch die Rechnung.

Ungewissheit großes Problem

In Burglengenfeld musste ein Anfängerschwimmkurs wegen Corona etwa bei der Hälfte abgebrochen werden. "Das Problem ist, wir wissen nicht, wann die Kurse weitergehen", erklärt Wolfgang Dantl, Kreisvorsitzender der Wasserwacht und ansässig in Burglengenfeld. Gut möglich, dass die Kinder wieder von vorne anfangen müssen, schwimmen zu lernen, meint er. Das Üben und Vertiefen nach dem Kurs sei ein wichtiger Bestandteil des Schwimmenlernens. Da die Freibäder noch geschlossen sind, werden wohl viele Menschen auf Seen ausweichen, um sich Abkühlung im Sommer zu verschaffen. Gerade dann ist es wichtig, dass nicht eine ganzer Jahrgang an Nichtschwimmern im Wasser plantscht.

Die Eltern können ihre Zöglinge dabei unterstützen, dass diese nicht wieder ganz bei Null anfangen, zum Beispiel mit der Wassergewöhnung. Der Experte rät, die Kinder frühzeitig von den Schwimmflügeln zu entwöhnen. "Sie geben eine andere Wasserlage vor. Die Kinder sollen spüren, wie es ist ohne den Auftrieb der Flügel im Wasser zu sein." Selbstverständlich müssen die Eltern das Kind im Wasser halten und dürfen es nie allein lassen, auch nicht dort, wo es stehen kann. Zusammen mit Mama oder Papa verliert das Kind die Angst vor dem Wasser und kann so schon Schwimmzüge üben. Besonders betont Dantl, dass die Hände unter Wasser bleiben müssen. "Es darf nichts spritzen oder blubbern." Die Beine werden gestreckt und dann geschlossen. Dantl hat bei seinem Sohn sehr gute Erfahrungen mit "Shortys" gemacht. Das sind Neopren-Anzüge die Auftrieb geben, allerdings im Gegensatz zu den Flügeln nicht das "falsche" Körpergefühl geben. Außerdem wärmen sie auch. "Wir sind verwöhnt vom Bulmare, da hat es 35 Grad Wassertemperatur. Im See ist es viel kälter.

Kinder immer im Auge behalten

Dantl betont, dass immer, aber in diesem Jahr besonders, auf die Kinder aufgepasst werden muss, auch wenn sie rein faktisch schon schwimmen können. "Viele stellen sich jetzt auch einen Pool in den Garten. Auch der birgt gefahren, selbst wenn er nicht tief ist." Kinder ertrinken leise, warnt Dantl. Auch in flachen Gewässern. Natürlich wolle er nicht überdramatisieren, aber doch mit Nachdruck an die Verantwortung appellieren.

Hintergrund:

Viele Erwachsene sind schlechte Schwimmer

Nicht nur die Schwimmanfänger sind im Wasser einer Gefahr ausgesetzt. Viele Jugendliche und Erwachsene können gar nicht oder nicht richtig schwimmen. Gerade in heißen Sommern müssen die Rettungsschwimmer vermehrt zum Einsatz. "Fast alle, die wir in den letzten zehn Jahren aus Gewässern geborgen haben, waren zwischen 15 und 30 Jahre alt", resümiert Wolfgang Dantl, Kreisvorsitzender der Wasserwacht Schwandorf. Erwachsene seien sogar gefährdeter als Kinder. "Auf Kinder gebe man acht, bei Erwachsenen rechne man nicht damit, dass sie in Not sein könnten. Dantl gibt auch regelmäßig Schwimmkurse für Erwachsene. Das sei natürlich ganz anders als mit Kindern. Heuer erwartet Dantl viele Einsätze: "Es wird alles anders. Die Leute haben keine Urlaubsziele und werden vermutlich an jedem See, Fluss und Schwimmteich baden wollen. Wir bereiten uns auf eine heiße Saison vor, in jedem Sinn."

In der Amberger Region sieht die Lage ähnlich aus

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