04.10.2019 - 13:53 Uhr
NabburgOberpfalz

Grenzenlose Freundschaft: Nabburg und Horšovský Týn feiern 15 Jahre Partnerschaft

30 Jahre ist es her, dass Deutschland wiedervereinigt wurde. Die Hälfte der Zeit sind Nabburg und das tschechische Horšovský Týn Partner. Zunächst waren praktische Gründe der Antriebsmotor, mittlerweile besteht eine Freundschaft.

von Anne Sophie Vogl Kontakt Profil

Als Josef Götz aus Nabburg und Martina Klose von der Gästeinformation Nabburg in Horšovský Týn (Bischofteinitz) ankommen, ist die Freude groß. Da ist Anna Ježkova, eine Deutschlehrerin der Grund- und Mittelschule von Horšovský Týn, Ludek Thomayer, ein Historiker, Leona Císlerová von der Tourist-Information Horšovský Týn und Bürgermeister Josef Holeček . Zur Begrüßung gibt es herzliche Umarmungen und Küsschen. „Das ist nicht nur eine Städtepartnerschaft, das ist Freundschaft“, erklärt Götz. Und alle stimmen ihm zu. Sie blicken zurück auf 15 Jahre Städtepartnerschaft zwischen Nabburg und Horšovský Týn. Gute 80 Kilometer, eine andere Sprache und eine Landesgrenze, die man beinahe verpasst, trennen die beiden Orte. Es verbindet sie aber einiges mehr.

Bei der „Partnerwahl“ 2004 habe einfach alles gepasst: die Einwohnerzahl, die Fläche und sogar die Optik der beiden Städte weisen Ähnlichkeiten auf. Für Letzteres gab es 2017 einen Kalender auf Tschechisch und Deutsch, der die Gemeinsamkeiten bildlich gegenüberstellte. Erhältlich ist er bei den Gäste- beziehungsweise Tourist-Informationen der Städte. Noch bevor es offiziell war, waren die Städte bereits verbunden. Eines der ersten Projekte war der Freundschaftsweg, auf dem man von Nabburg nach Horšovský Týn radeln oder wandern kann.

Enger Austausch zwischen den Partnerstädten

Partnerschaft – das heißt in diesem Fall nicht nur ein Schild mit dem Namen der Stadt oder ein gelegentliches Treffen. Partnerschaft heißt hier, dass man sich gegenseitig unter die Arme greift, erzählt Josef Holeček. So wurde durch die grenzüberschreitende Städtepartnerschaft ein Zuschuss zur Sanierung der Nordgauhalle mit dem Programm Interreg III möglich. Die Musiker Andreas Merl und Johannes Doleschal trugen mit einem Benefizkonzert in Nabburg dazu bei, dass die Orgel der Peter-und-Paul-Kirche in Horšovský Týn restauriert werden kann. Es bestehe enge Zusammenarbeit und Austausch zwischen den Bürgermeistern der Städte, zwischen Vereinen, vor allem der Feuerwehr, und bei großen Festen besuchen sich Vertreter der Ortschaften gegenseitig. Auch kulturell findet ein enger Austausch statt. Zum Beispiel gab es eine Fotografie-Ausstellung in Nabburg, die ein talentierter Neuntklässler der Mittelschule in Horšovský Týn auf die Beine gestellt hatte.

In Nabburg haben bereits Sänger aus Horšovský Týn beim Tonart-Festival als Akteure teilgenommen, umgekehrt tanzten die Nabburger Waschweiber beim Anna-Fest in der tschechischen Kleinstadt. „Es ist eine kleine Erfolgsgeschichte, die mich in meiner gesamten Bürgermeisterei begleitet“, sagt Armin Schärtl, Bürgermeister von Nabburg. Der finanzielle Vorteil, der durch die grenzüberschreitende Städtepartnerschaft besteht, sei nur eine Seite der Medaille. „Mittlerweile ist da viel mehr. Es sind enge Verbindungen entstanden“, so Schärtl. Er betont, dass der Antriebsmotor Josef Götz sei, der immer neue Ideen habe. „Ein echter Glücksgriff“, lobt der Bürgermeister. Es sei noch nicht so lange her, dass der Eiserne Vorhang gefallen ist, Schärtl erinnert sich noch genau. „ Das war einmal alles ein kultureller und historischer Raum. Langsam wächst alles wieder zusammen. Mir geht es vor allem darum, dass die jungen Menschen aufeinander zugehen“, erklärt Schärtl.

Jugend zusammenführen

Eine der wichtigsten Beziehungen ist die zwischen den beiden Schulen. Auf deutscher Seite ist das die Naabtal-Realschule. Lange Zeit war die Tschechischlehrerin Lucie Klarova mit dem Schüleraustausch betraut, mittlerweile macht dies Elisabeth Schneider. Auf tschechischer Seite ist die Základní skola Horšovský Týn, die Grund- und Mittelschule, mit Lehrerin Anna Ježkova. Erster Schritt war die Einführung des Wahlfaches Tschechisch an der Realschule Nabburg. Seit der ersten Begegnung im Mai 2012 ist viel passiert. In ihrem Büro hat Ježkova ein kleines Archiv angelegt, zwei dicke Ordner mit Fotos, Zeitungsartikeln und anderen Erinnerungsstücken, die belegen, was die Pädagogen alles gemeinsam auf die Beine gestellt haben. Stolz zeigt Ježkova den „Brückenbauer-Preis“, der in einer Vitrine auf dem Schulflur ausgestellt ist. Er wird alljährlich von Bavaria Bohemia e.V., dem Trägerverein des Centrum Bavaria Bohemia (CeBB) in Schönsee für besondere grenzüberschreitende Kultur-, Bildungs- und Partnerprojekte mit dem Ziel der Völkerverständigung vergeben. Beispielsweise finden gemeinsame Sporttage oder Praktikumstage auf tschechischer Seite bei der Firma Gerresheimer statt. Auch unter den Kindern sind enge Freundschaften entstanden. Eine Landesgrenze ist dann kein Thema mehr.

Horšovský Týn und Nabburg, Nabburg und Horšovský Týn – das ist eine Freundschaft, die noch viele Jahre halten wird, da sind sich alle Beteiligten einig.

Hintergrund:

Großer Festakt in Nabburg

Am Freitag, 11. Oktober, findet ein großer Festakt zur 15-jährigen Partnerschaft zwischen Nabburg und Horšovský Týn im Nabburger Rathaus statt. Zahlreiche Gäste von beiden Seiten werden daran teilnehmen.

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