23.06.2019 - 12:26 Uhr
NabburgOberpfalz

Holsteiner Rinder in Norditalien

Wie wirtschaften die Kollegen in europäischen Nachbarländern? Der Verband "Landwirtschaftliche Fachbildung" macht sich ein Bild von Ackerbau und Viehzucht in Norditalien.

Auf dem Milchviehbetrieb La Briata stehen 200 Milchkühe. Die Jahresleistung der „Holsteiner“ liegt bei etwa 10 000 Liter Milch. Der Verband Landwirtschaftliche Fachbildung ließ sich hier über die Situation der Milchbauern in Italien informieren.
von Hermann HaasProfil

Wie in jedem Beruf, ist auch heute in der Landwirtschaft eine permanente Fortbildung zwingend notwendig. Die Landwirte des Verbandes für Landwirtschaftliche Fachbildung im Landkreis Schwandorf setzen dabei auf regionale Schulungsmaßnahmen und zusätzlich auf mehrtägige Lehrfahrten. Ziel ist, sich in verschiedenen Betrieben umzusehen und neue Erkenntnisse zu gewinnen.

An der sehr interessanten Lehrfahrt in diesem Jahr nahmen 45 Landwirte, darunter auch viele Frauen, teil. Landwirtschaftsoberrat Georg Mayer hatte ein perfekt abgestimmtes Programm aufgestellt. Neben fachlichen Informationen standen in Italien zur Auflockerung auch kulturelle Themen auf dem Reiseprogramm.

Der Olivenölbetrieb Frantoio Manestrini in Soiano del Lago am Gardasee wurde als erstes Ziel angesteuert. Hier werden an 2 000 Bäumen Oliven angebaut. Das Öl wird bei 27 Grad kaltgepresst und ist somit hochwertig. Aus 100 Kilogramm Oliven könnten etwa 10 bis 15 Liter Öl, das einfach und mehrfach ungesättigte Fettsäuren enthält, gewonnen werden, erfuhren die Landwirte.

Die Gruppe erhielt durch den professionellen Trüffelsucher Gianni mit seinen beiden Hunden in den Haselnusshainen eine Einführung in die Trüffelsuche. Eine Verkostung mehrerer Trüffelspezialitäten, mit einem guten Glas Wein, im Gästekeller rundete die Exkursion ab.

Haselnüsse aus Alba

Danach wurde der Familienbetrieb Berruto bei Alba besichtigt. Hier werden auf zwei Hektar edle Weine produziert und auf sieben Hektar Haselnüsse für einen bekannten Süßwaren-Hersteller angebaut. Auch hier wurde die Gruppe mit einem landesüblichen Mittagessen bewirtet. Bei der anschließenden Panorama-Überlandfahrt durch die reizvolle Hügellandschaft von Monferrato mit seinen überaus zahlreichen Weinbergen und den faszinierenden Schlössern, kam so mancher Fahrtteilnehmer ins Schwärmen.

Der Anbau von Reis auf dem Hof von Cascina Daneto war eine ganz neue Materie für die Landwirte. Hier wird seit über 60 Jahren Qualitätsreis auf 100 Hektar angebaut, verarbeitet und vertrieben. Die Reisfelder werden von Juni bis August bewässert. Das Wasser wird vom Po über ein ausgeklügeltes Kanal- und Schleusensystem zugeleitet. Die Ernte erfolgt im September mit dem speziellen Mähdrescher. Der Ertrag liegt bei etwa 60 bis 65 Doppelzentnern Rohreis pro Hektar.

Turin, die Haupstadt des Piemont, mit ihrem barocken Stadtzentrum und den schmucken engen Gässchen, wurde ebenfalls erkundet. Die Residenzstadt mit französisch inspirierten Kolonaden und vornehmen Kaffeehäusern wird seit 1945 vor allem vom Fiat-Konzern geprägt. Der Johannes-Dom, in welchem das Grabtuch Jesu aufbewahrt wird, wurde ebenfalls besucht.

Milchvieh und Bullenmast

Der vierte Tag der Reise stand ganz im Zeichen der Rinderhaltung. Zuerst wurde der Milchviehbetrieb La Briata besichtigt, auf dem 200 Milchkühe stehen, davon 185 in Laktation. Die Jahresleistung der vorwiegend gehaltenen Holsteiner Kühe liegt bei etwa 10 000 Liter Milch. Die Vergütung beträgt, bei vier Prozent Fettgehalt, etwa 40 Cent pro Liter. Auf 70 Hektar Nutzfläche werden auf dem Hof Mais und Getreide als Viehfutter angebaut, erfuhr die Gruppe.

Das Highlight der Lehrfahrt erlebte die Reisegruppe auf dem Bullenmastbetrieb von Roberta Zullaro. In dem gepflegten Stall mit Strohunterlage werden etwa 100 Bullen gemästet. Mit dem gut ausgestatteten Maschinenpark werden 85 Hektar Nutzfläche bearbeitet. Dem Betrieb sind noch eine hauseigene Metzgerei und ein edles Speiserestaurant angegliedert. Zum testen blieb natürlich genügend Zeit.

Auch Obstbau lässt sich in Norditalien erleben. Der Hof von Cascina Goretta wurde besichtigt. In dem Familienbetrieb mit 50 Hektar werden Getreide und Obst angebaut. Die Erzeugnisse aus dem Obstbau werden direkt vermarktet. Schließlich erfolgte noch eine Führung durch das Weingut La Tenaglia, das in die Hügel des Monferrato eingebettet ist.

Die Aufmerksamkeit der Landwirte galt auch den Weinen in Norditalien. Das Piemont produziert auf etwa 60 000 Hektar Rebflächen über vier Millionen Hektoliter gute Weine. Der kräftige Barolo, der gehaltvolle Barbera oder der fruchtige Barbera d'Asti sind nur eine kleine Auswahl aus dem reichhaltigen Angebot.

Auf der Rückfahrt unternahm die Gruppe noch einen Abstecher auf die Insel Isola Bella um den prächtigen Palast Borromeo mit den wundervollen Festsälen und den herrlichen Gemälden zu besichtigen. Vollgepackt mit angenehmen Erinnerungen, aber auch mit vielen neuen Eindrücken und Ideen, wurde dann die Heimreise, entlang der Panoramastraße des Lago Maggiore und weiter durch die Schweiz, angetreten.

Für Sie empfohlen

 

Aktuell und Wissenswert

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.