18.10.2019 - 17:17 Uhr
NabburgOberpfalz

Ein Knochenjob à la carte

Mit 65 ist Schluss mit dem Knochenjob im Freizeitzentrum. Erich Wiesenbacher kocht dann nur noch sporadisch in der Nordgauhalle oder im Freilandmuseum. Und noch drei Nabburger Leidensgefährten legen den Kochlöffel zur Seite.

Für ein Erinnerungsfoto steht Gastwirt Erich Wiesenbacher zum letzten Mal im Freizeitzentrum in Perschen am Herd. Mit 65 Jahren will er endlich kürzer treten. Das ist längst nicht die einzige gastronomische Lücke, die es in Nabburg zu füllen gibt.
von Monika Bugl Kontakt Profil

Eigentlich hätte Erich Wiesenbacher noch ein Jahr länger die Stellung gehalten in der Gaststätte "Zum Wiesenbacher". Seit 16 Jahren verköstigt er als Pächter der Einrichtung im Freizeitzentrum Perschen Gäste. Ein kaputtes Knie zwingt ihn jetzt, mit 65 Jahren, kürzer zu treten. Den Pachtvertrag mit dem Zweckverband Freizeitzentrum hat er deshalb zum Jahresende gekündigt.

"Ein Wirt geht auch mal in Rente", sagt einer, die im gleichen Alter den Schlussstrich zieht: Max Meier. Seit dem 1. Oktober ruht sein Betrieb, das Gasthaus "Zum Kulm" im Nabburger Ortsteil Windpaißing. Hinter ihm liegen 51 Jahre Arbeitsleben, wie Wiesenbacher hat er schon mit 14 Jahren angefangen und will nun erst mal Pause machen, bevor er sich um einen Nachfolger kümmert. Auch wenn er selbst die Laufbahn als Gastronom nie bereut hat, so weiß er doch, dass das kein einfaches Geschäft ist. "Immer neue Gesetze, neue Vorschriften, und noch mehr Verwaltung", seufzt er. Und schon gar kein Acht-Stunden-Tag. "Wer selbstständig ist, arbeitet immer mehr, in der heutigen Zeit erst recht", stellt Meier fest. Im Ruhestand will er jetzt mehr Zeit der Familie widmen und dem E-Bike, das schon in der Garage steht.

Durstige Sportler

Unter Druck sieht sich derzeit der TV 1880 Nabburg: Nur noch bis zum Jahresende will der aktuelle Pächter des Sportheims ausharren. "Wir haben zehn Sparten, da können wir das Sportheim nicht einfach zulassen", sagt TV-Vorsitzender Andreas Eckl. Er hat sich umgehört und rechnet damit, dass es nicht einfach sein wird, die Lücke zu füllen. Schließlich muss der Bewerber auch passen.

"Nabburg ist kein einfaches Pflaster", bestätigt Petra Stubenvoll, bis vor kurzem noch Chefin im Café Ludwig-Adl am Oberen Markt. Fast drei Jahre hat sie hier versucht, ihren Traum von einem Tagescafé zu leben, das während der Woche tagsüber geöffnet ist. Samstag und Sonntag sollten für die Familie reserviert sein. Doch die Rechnung ging nicht auf. "Was mir fehlte, war die Laufkundschaft", meint die Pächterin im Rückblick. In diesem Bereich der Nabburger Altstadt gebe es kaum Geschäfte, "ein Bäcker und ein Metzger, das sind die Letzten". Dabei sei das Ambiente einfach super. "Mit einer Immobilie wie dieser würde man in Regensburg regelrecht überrollt", ist Stubenvoll überzeugt. Ein Räumungsverkauf für Deko- und Gastronomie-Artikel mit Flohmarkt am Samstag, 19. Oktober, von 10 bis 16 Uhr ist für sie das letzte Kapitel als selbstständige Gastronomin in Nabburg. Jetzt liegt es an den Eigentümern, einen Nachfolger zu finden oder selbst in die Gastronomie einzusteigen. "Fest steht, dass es weitergehen wird", nur so viel verrät Elisabeth Fleischer, deren Familie Eigentümerin des Objekts ist. Statt Leerstand peile man einen Neustart zu Jahresbeginn an, "aber über ungelegte Eier soll man nicht reden".

Noch ist auch in Sachen Freizeitzentrum die Pächter-Nachfolge nichts entschieden. "Wir sind zuversichtlich, dass wir einen geigneten Kandidaten finden", so der Pfreimder Bürgermeister Richard Tischler, stellvertretender Vorsitzender des Zweckverbands Freizeitzentrum auf Nachfrage von Oberpfalz-Medien. Noch im Oktober werde man sich im Verband mit den Bewerbungen beschäftigen. Einstweilen stehen in Perschen statt Schweinebraten mit Knödel oder Schnitzel mit Pommes Malerarbeiten und eine Grundreinigung auf dem Plan. Der scheidende Pächter Erich Wiesenbacher peilt eine saubere Übergabe an. Freilich kann auch er - wie viele Betriebe im ländlichen Bereich - nicht mit Laufkundschaft punkten. "Aber das Lokal bietet sich wirklich an", ist der 65-Jährige überzeugt und zählt die Pluspunkte auf: barrierefreier Eingang, Behinderten-Toilette, jede Menge Parkplätze direkt vor der Tür. Nachteilig ist seiner Ansicht nach dagegen die Personalsituation in der Gastronomie. "Der Personalmangel ist schlimm, man kriegt kaum noch Leute, die an Sonn- und Feiertagen arbeiten wollen", hat er festgestellt und fügt hinzu: "Die meisten lernen Koch und gehen später in eine Kantine oder wenden sich komplett ab von diesem Beruf, weil sie mehr Freizeit haben wollen".

Mit Personal-Pool

Die wenigsten wüssten, dass Koch ein richtiger Knochenjob ist, der nicht zu vergleichen sei mit der Arbeit in einem privaten Haushalt. Wiesenbacher konnte immerhin beim Service auf einen Pool von 30 Mitarbeitern zurückgreifen. "Alle angemeldet, anders geht das nicht", erzählt der gelernte Koch und frühere Bundespolizist, der früher auch mal zwei Berufe gleichzeitig ausübte und gerade erst erfolgreich eine Zollkontrolle hinter sich gebracht hat. Das Nabburger Schützenheim (1980 bis 1985) und die Schloss-Schenke in Neusath (bis 2000) waren Stationen seiner Laufbahn als Gastronom. Seine Anfänge liegen im Schlosshotel "Grünwald" in München. Die gehobene Küche allerdings sei hier eher für besondere Menüs reserviert, die meisten Gäste würden bodenständige Kost bevorzugen, und zwar schwerpunktmäßig sonntags. "Da ist die Bude voll", weiß der erfahrene Gastronom. Zu den übrigen Zeiten habe das À-la-carte-Geschäft dagegen rapide abgenommen. "Während der Woche sind alle zunehmend ins Arbeitsleben eingespannt", bedauert Wiesenbacher. Wären da nicht Betriebs- und Geburtstagsfeiern, könne man angesichts horrender Energiekosten kaum überleben. Strom und Gas, dazu Versicherungen und die Abfall-Entsorgung müsse man schließlich einkalkulieren, gibt er zu bedenken und verweist auf die Lebensmittel-Abfälle, die zweimal pro Woche entsorgt werden müssen und die regelmäßig fällige Leerung des Fett-Abscheiders. Dazu komme die Dokumentation, sei es wegen der EU-Verordnung zu Allergenen oder der Arbeitszeit.

Trotzdem hängt Wiesenbacher an seinem Beruf. Einmal im Monat eine Großveranstaltung in der Nordgauhalle, das schaffe er noch. Außerdem könne er jetzt seiner Frau Barbara bei den Brotzeiten im Freiland-Museum helfen, "aber nie mehr in der Küche, auch nicht aushilfsweise" stellt der Gastronom klar, für den die Freizeit noch ganz ungewohnt ist: "Für ein Hobby hatte ich nie Zeit, ich muss mir erst eins suchen."

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