08.07.2020 - 14:56 Uhr
NabburgOberpfalz

Landwirtschaftsreform sorgt für Wirbel in der Oberpfalz

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Die Landwirtschaftsverwaltung in Bayern soll strukturierter, moderner und effizienter werden. Eine Reform dazu wurde am Dienstag im Ministerrat erlassen. Scheinbar gibt es nur Vorteile, doch im Landkreis Schwandorf herrscht Betroffenheit.

In Nabburg gibt es seit über 100 Jahren eine staatliche Landwirtschaftsschule. Nun steht sie vor dem Aus.
von Anne Sophie Vogl Kontakt Profil

Die Landwirtschaft wieder in den "Mittelpunkt der Gesellschaft rücken" und die Ausbildung und Unterstützung für Landwirte flexibler gestalten - das ist das Ziel der Neuausrichtung und Modernisierung der Landwirtschaftsverwaltung in Bayern. Die Anforderungen der Landwirte und der Gesellschaft an die Landwirtschaftsverwaltung haben sich in den letzten Jahren wesentlich geändert. Zukunftsthemen wie Klimawandel, Tierwohl, Ressourcenschutz, Biodiversität und Digitalisierung rücken verstärkt in den Fokus. Um auf diese Herausforderungen effizienter Antworten geben zu können, wird Landwirtschaftsministerin Michaela Kaniber die Landwirtschaftsverwaltung in Bayern neu ausrichten, heißt es in einer Pressemitteilung der Staatsregierung.

Neue Struktur soll helfen

Ein Schritt der Reform ist, die Wege zu vereinfachen und zu reduzieren. "Wir wollen unsere Bäuerinnen und Bauern bestmöglich unterstützen, die Beratung vor Ort stärken als auch die Themen der Landwirtschaft in die Bevölkerung hineintragen", so Landtagsmitglied Alexander Flierl. Hierzu soll eine neue Struktur der Ämter für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten (ÄELF) beitragen. In diesem Zuge werden aus 47 ÄELF in Bayern 32. Doch, wie betont wird, solle kein Standort geschlossen werden, sondern benachbarte zusammengelegt werden. In der Oberpfalz werden aus sieben Ämtern drei mit Doppelstandorten. Beispielsweise sind die ÄELF Regensburg und Schwandorf künftig gemeinsam zuständig. Das Sachgebiet „Überregionale Aufgaben der Nutztierhaltung“ bleibt in Schwandorf.

Die Oberpfalz verliert eine Landwirtschaftsschule

Nabburg

Aufgrund der geringen Studierendenzahlen wird die Zahl der Landwirtschaftsschulen auf 18 bayernweit reduziert und in der Oberpfalz an den Standorten Weiden und Cham zusammengefasst. Die Abteilung Hauswirtschaft bleibt an der Landwirtschaftsschule Nabburg und wird rein organisatorisch mit Regensburg zusammengeführt. Die Abteilung Landwirtschaft steht jedoch vor dem Aus.

Ende einer langen Tradition

"Das macht mich stark betroffen", sagt Georg Mayer, Behördenleiter des AELF Schwandorf und Schulleiter der Landwirtschaftsschule Nabburg. "Damit geht eine über 100-jährige Geschichte zu Ende." Von der Neuordnung der Landwirtschaftsverwaltung hat er am Dienstagnachmittag erfahren, kurz nachdem der Ministerrat dies veröffentlicht hat. Und die Umsetzung der Reform beginnt bereits ab 1.Oktober. Ebenfalls im Herbst wird dennoch ein letzter Jahrgang an Studierenden an der LWS Nabburg starten. Etwa 20 junge Menschen werden dort für drei Semester unterrichtet werden. Danach war es das für die Abteilung Landwirtschaft in Nabburg. In Zukunft geht es dann nach Weiden oder Cham. Bisher starteten Nabburg und Cham im Wechsel die neuen Jahrgänge. So war beispielsweise nur alle zwei Jahre ein erstes Semester in Nabburg. Das hatte den Nachteil, dass die Lehrkräfte nicht so effektiv eingesetzt werden konnte. In Zukunft soll an den Schulen Weiden und Cham jedes Jahr eine Ausbildungsperiode beginnen. Das soll Planungssicherheit für die Lehrkräfte und die Studenten bringen.

Das macht mich stark betroffen.

Georg Mayer, Schulleiter der Landwirtschaftsschule Nabburg zur Reform der Landwirtschaftsverwaltung

Georg Mayer, Schulleiter der Landwirtschaftsschule Nabburg zur Reform der Landwirtschaftsverwaltung

Von der Zusammenlegung der ÄELF erwartet er sich "wieder etwas klarere Strukturen". Nach der Umorganisierung 2011 seien manche Bereiche relativ schwer überschaubar geworden. "Wenn ein Landwirt sich über ökologische Landwirtschaft informieren will, muss er nach Neumarkt, für Hühnerhaltung ist Kitzingen zuständig, für Schafe und Ziegen Pfaffenhofen, für Rinderhaltung Cham und so weiter." Mayer konnte noch einige Beispiel nennen, die verdeutlichen, wie schwer es zu erkennen ist, wer für was zuständig ist. In Zukunft soll es nur noch wenige Aufgabenbereiche geben, die überregional geklärt werden müssen. Möglichst alle Fragen des Landwirts sollen dann am zugeordneten AELF geklärt werden können.

Kein Stellenabbau geplant

Wenn aus zwei Ämtern eins wird, liegt es nahe, dass die Mitarbeiter sich umstrukturieren müssen. Vor allem die Männer und Frauen in leitenden Positionen werde das betreffen. "Alle Funktionsstellen werden neu ausgeschrieben. Auch ich muss mich neu bewerben", sagt Georg Mayer. Für ihn steht jetzt an oberster Stelle seine Mitarbeiter in dem Prozess der Neuordnung mitzunehmen. Ziel ist es, dass möglichst alle mit ihrer neuen Aufgabe zufrieden sind. Stellen zu streichen, sei zumindest nicht vorgesehen. Aber: "Natürlich herrscht Unsicherheit und Betroffenheit", erzählt er. Wo künftig der neue Sitz des Behördenleiters ist, ist noch unklar.

Wir wollen unsere Bäuerinnen und Bauern bestmöglich unterstützen, die Beratung vor Ort stärken als auch die Themen der Landwirtschaft in die Bevölkerung hineintragen.

Alexander Flierl, Mitglied des Landtags

Alexander Flierl, Mitglied des Landtags

Im Blickpunkt:

Die Ausbildung zum (Vollerwerbs-) Landwirt umfasst insgesamt circa sieben Jahre. "Es ist eine sehr intensive und durchaus lange Ausbildung", betont Georg Mayer, Schulleiter der Landwirtschaftsschule (LWS) Nabburg. Dazu gehört die dreijährige Berufsausbildung, ein Jahr Berufserfahrung sammeln, ein weiteres Praxisjahr, das Studium an der LWS von eineinhalb Jahren und das Komplettieren der Meisterprüfung, denn ein Teil kann bereits in der LWS abgelegt werden. Die erlernten Themen reichen von Produktionstechnik, Ackerbau und Tierhaltung bis hin zu Betriebsmanagement, Mitarbeiterführung, Unternehmensstrategie, Marketing und vielem mehr.

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