11.05.2020 - 17:08 Uhr
NabburgOberpfalz

Museen im Landkreis Schwandorf in Zeiten von Corona

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Die Kultur blüht vorerst nur als zartes Pflänzchen wieder auf. Im Oberpfälzer Freilandmuseum in Neusath sind die Besucher ab 12. Mai zu einem besonderen Dreh aufgefordert

Freilandmuseum Neusath. Bild: Götz
von Clemens Hösamer Kontakt Profil

Pandemien haben in der Geschichte häufig für Innovationsschübe gesorgt. Entwicklungen wie der eiserne Radpflug oder auch intensivere Nutzung der Wasserkraft können durchaus als Folgen mittelalterlicher Pest-Katastrophen gesehen werden. Offenbar werden Menschen besonders kreativ, um Probleme in oder nach einer Krise zu bewältigen. Althergebrachte Werkzeuge und Techniken sind besonders im flächenmäßig größten Museum des Landkreises in Neusath zu entdecken, das nach den Lockerungen der Corona-Maßnahmen wieder öffnen darf.

Oberpfälzer Freilandmuseum

Das Freilandmuseum im Nabburger Ortsteil Neusath ist ab 12. Mai wieder zugänglich, ab dann gelten die gewohnten Öffnungszeiten. Vorerst für maximal 999 Gäste gleichzeitig, wie Museumsleiter Dr. Tobias Hammerl erläutert. "Von der Fläche her könnten wir 10000 Leute reinlassen," scherzt der Museumsleiter, aber natürlich wurde ein vernünftiges Hygienekonzept erarbeitet: "Abstand halten ist das Wichtigste." Deshalb wurde ein "Einbahn-Rundweg" festgelegt, den die Besucher nach Möglichkeit nutzen sollen. Er ist gut zwei Kilometer lang. Wenn nun jeder Gast zwei Meter Abstand hält, sind 1000 Besucher möglich. Auf 999 hat das Museumsteam die Zahl heruntergesetzt. "Ich glaube ohnehin nicht, das unter der Woche so viele auf einmal kommen", sagte Hammerl. Dennoch: Wer anreisen will, kann vorher anrufen (09433/2442-3210).

Für große Gebäude wie die Rauberweihermühle gilt ebenfalls ein "Einbahndurchgang". In den kleineren Gehöften und Häusern ist das nicht möglich. Da kommt ein Schild an die Klinke: "Frei" auf der einen, "Besetzt" auf der anderen Seite. "Wer reingeht, muss das Häusl-Schild auf ,Besetzt' drehen", sagt Hammerl. Und beim Rausgehen wieder zurück. "Diese Kulturtechnik ist aus anderen Bereichen gut eingeübt", sagt der Museumsleiter, "das sollte klappen."

Man muss das Häusl-Schild auf "Besetzt" drehen.

Dr. Tobias Hammerl, Leiter des Oberpfälzer Freilandmuseums

Dr. Tobias Hammerl, Leiter des Oberpfälzer Freilandmuseums

Führungen sind als "Gespräche über den Gartenzaun" geplant, auch einen "Fensterl-Dog" mit Erzählern am Fensterbrett ist geplant. Das Museum will eben das Beste aus der Situation machen. Das betrifft auch die Fortbildungen und Veranstaltungen, die normalerweise laufen. Sie sollen nun als "Webinare" stattfinden. "Ich weiß nicht, ob wir das ohne Corona so schnell umgesetzt hätten", gibt der Museumsleiter zu. Das ist sie wieder, die Pandemie als Innovationsschub. Bald wird es auch einen virtuellen Rundgang durch das Museum geben.

An den Öffnungstagen wird das Personal beobachten, ob die Hygieneregeln - dazu gehört auch das Tragen von Mund-Nase-Schutz in den Gebäuden - eingehalten werden. Gegebenenfalls werde nachgesteuert, sagte Hammerl. "Wir haben auch keine Erfahrung mit einer solchen Situation." Auf interaktive Angebote wie Touchscreens müssen die Gäste verzichten. An den Hör-Stationen soll es die Möglichkeit geben, über das eigene Smartphone den Texten zu lauschen.

Museen der Stadt Nabburg

Das Stadtmuseum im Zehentstadel und das Schmidt-Haus werden noch einige Zeit geschlossen bleiben. Es gelte, entsprechende Hygienekonzepte zu entwickeln, sagte Christa Haubelt-Schlosser den Oberpfalz-Medien. Die Schmidt-Haus-Fans dürften zuerst auf ihre Kosten kommen. In dem markanten Gebäude am Oberen Markt ist derzeit die Ausstellung mit Lichtobjekten von Angelika Pesold aufgebaut. "Die wurde durch Corona abrupt unterbrochen", sagt die Museumsleiterin, "bis dahin ist sie sehr gut gelaufen." In 14 Tagen, schätzt Haubelt-Schlosser, kann das Schmidt-Haus öffnen.

Jedes der "Lichtobjekte" , die Angelika Pesold im Schmidt-Haus ausstellt, ist ein Unikat.

Im Stadtmuseum Zehentstadel wird es noch etwas dauern. Die dort geplante Sonderausstellung zum ausfallenden Mittelalter-Markt wird nicht gestrichen, sie wird auf November verschoben. "Das passt zum Thema Allerheiligen", sagt die Museumsleiterin. In Zusammenarbeit mit der Katholischen Pfarrei zeigt das Museum Bilder und Skulpturen rund um das Thema "Heilige", darunter zwei wertvolle Tafelbilder, die aus Nabburg stammen sollen. Sie dürften zu einer Seite eines Flügelaltars aus dem frühen 16. Jahrhundert gehört haben. Und, so verspricht Haubelt-Schlosser, auch ein Johanneskopf wird zu sehen sein.

Aktuelle Ausstellung im Schmidt-Haus

Nabburg

Oberpfälzer Künstlerhaus

Im Schwandorfer Künstlerhaus ist noch Ausstellungs-Pause bis 13. September, sagte Mitarbeiterin Anja Frey. Dann sollen Werke tschechischer Künstler ins Blickfeld gerückt werden. Die Bürozeiten des Künstlerhauses wurden ohnehin aufrecht erhalten. Leiterin Dr. Christina Lanzl und ihr Team registrieren derzeit den Bestand in eine digitale Datenbank (wir berichteten). Die Auswahl und der Ankauf von Werken durch den Bezirk Oberpfalz ist vorerst verschoben, weil keine Jury-Sitzungen stattfinden konnten. Was ab diesem Montag aber wieder möglich ist: Künstler können sich in die Druckgrafische- und die Siebdruck-Werkstatt einmieten (09431/9716).

Bestandsarbeit im Künstlerhaus

Schwandorf

Stadtmuseum Oberviechtach

Das Doktor-Eisenbarth- und Stadtmuseum in Oberviechtach muss noch auf seine Wiedereröffnung warten. "Wir haben erst am Mittwoch eine Vorstandssitzung und besprechen, wie es weiter geht", sagte Dr. Ludwig Schießl vom Museumsverein. Der Verein betreibt das Museum auf ehrenamtlicher Basis. Vorsitzender Altbürgermeister Wilfried Neuber ist erkrankt, das macht die Arbeit im Verein nicht leichter. "Wir haben ohnehin nicht so viel Laufkundschaft", sagt Schießl. Der Frühjahrsmarkt, der normalerweise Hunderte Gäste ins Museum bringt, musste abgesagt werden, ebenso weitere Punkte des Kulturprogramms.

Das Freilandmuseum im Netz

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