25.10.2019 - 16:50 Uhr
NabburgOberpfalz

In Nabburg gibt es das einzige Ameisenzentrum Bayerns

Schon gewusst, dass es in Nabburg das einzige "Bayerische Informationszentrum für Ameisenkunde" gibt? Eingerichtet wurde es 1994 von der Ameisenschutzwarte (ASW) des Landesverbands Bayern. Im Zehentstadel hat es eine Heimat gefunden.

von Anne Sophie Vogl Kontakt Profil

Fast 15.000 Veröffentlichungen Veröffentlichungen, Bücher, Schriften und Sonderdrucke über Ameisen lagern im Archiv. Werke der Wissenschaftler wie etwa Werner Kloft, Gustav Wellenstein, Karl Escherich, Hermann Eidmann, Bert Hölldobler und Dieter Bretz sind dort zu finden. Die Sammlung gilt als weltweit einmalig und dient Schüler, Studenten und Wissenschaftlern aus der ganzen Welt bei ihren Arbeiten. Seinen materiellen Ursprung hat das Zentrum in der ehemaligen "Ameisenschutzwarte Würzburg", die von Prof. Dr. Karl Gößwald an der Universität Würzburg gegründet und geleitet wurde. Im Jahre 1990 übergab er seine Forschungs- und Arbeitsunterlagen sowie Gerätschaften an die ASW-Bayern

Im Archiv gibt es aber nicht nur Bücher, Ameisen in allen Variationen stehen in den Glasvitrinen: aus Glas zum Beispiel. Die winzigen Skulpturen in Lebensgröße hat das Ameisenzentrum von einem Glasbläser aus Oberbayern erhalten. Hubert Fleischmann, Geschäftsführer des Ameisenschutzvereins Hirschberg, kümmert sich um das Ameisenzentrum und um die Krabbeltiere selbst. "Ameisen haben eigentlich von Haus aus ein schlechtes Image - zu Unrecht", betont Fleischmann. Viel mehr sind sie hochintelligent sowie unglaublich stark und ausdauernd. Kurzum: faszinierende Lebewesen. Trotz jahrzehntelanger Erforschung sind noch nicht alle Mysterien um das Insekt aufgeklärt. Wie zum Beispiel genau die Ameisen kommunizieren.

42 Ameisenarten im Landkreis

Auf der Welt gibt es 14.000 bis 15.000 Ameisenarten. Wissenschaftler gehen aber von einer viel höheren Dunkelziffer aus. 114 Arten wurden bisher in Deutschland nachgewiesen, im Landkreis Schwandorf leben etwa 42 Arten, wie zum Beispiel die Säbeldornige Knotenameise, die Rotbärtige Sklavenameise oder die Querfleck-Schmalbrustameise.

"Die Natur in Schwandorf ist für viele Ameisenarten passend: Von den Feuchtflächen im Seenland bis hin zu den Bergen Richtung Tschechische Grenze", erklärt der 64-Jährige. Der gelernte Handwerker und ehemaliger Straßenmeister engagiert sich seit mehreren Jahrzehnten ehrenamtlich für die Insekten. 1984 ist eine große Ameisenkolonie in Schwandorf ausgestorben. Zur Zeit der WAA in Wackersdorf mussten zahlreiche Völker umgesiedelt werden. Fleischmann hat sich damals eigenständig in das Thema Ameisenschutz eingelesen. "Ab da war es nicht mehr aufzuhalten", sagt Fleischmann und lacht. Mittlerweile bilden er und seine Ameisenfreunde jährlich Interessierte aus aller Welt in einem dreitägigen Workshop aus. In der Naturkundeabteilung des Stadtmuseums Nabburg im Zehentstadel, hat das Ameisenzentrum endlich eine dauerhafte Bleibe gefunden. "Das war der beste Zufall, der uns passieren konnte. Wir sind bereits vier Mal umgezogen. Am Anfang haben wir uns nicht vorstellen können, wie schwierig der Aufbau eines Informationszentrums sein würde", blickt der Ameisenexperte zurück. Vor allem Kindergarten- und Schulgruppen besuchen Fleischmann im Zehentstadel, um etwas über die Insekten zu lernen. Aber auch zwei Doktoranten aus Regensburg sind regelmäßige Gäste. Das alles freue den Rentner natürlich, doch ebenso sei er besorgt. "Seit sechs Jahren beobachten wir ein intensives Ameisensterben. Schuld daran sind die sich verändernden Temperaturen", führt er aus.

Klimawandel spürbar

Milde Winter seien besonders schlecht für Insekten im Allgemeinen, da der Stoffwechsel nicht niedrig genug sei und sie so zu viel Nahrung verbrauchen. Alle staatenbildenden Insekten, wie Bienen und Ameisen, leben sozial und so werden die Vorräte an alle gleichmäßig verteilt. Das hat zur Folge, das leider des Öfteren ganze Völker komplett sterben, anstatt nur eines Teils. Der Grund: so schnell, wie sich das Klima wandelt, können sich die Ameisen laut Fleischmann gar nicht anpassen. Wer mehr über die faszinierenden Insekten erfahren möchte, kann sich nach Anmeldung bei Hubert Fleischmann durch das Ameisenzentrum führen lassen.

Hintergrund:

Engagement zahlt sich aus, das durfte auch Ameisenfreund Hubert Fleischmann spüren, als er Anfang Oktober mit der besonderen Ehre des Bundesverdienstkreuzes geehrt wurde. "Wenn es einer verdient, dann er", waren sich die Beteiligten beim Festakt einig. Landrat Thomas Ebeling händigte dem 64-jährigen Nabburger im Castillon-Saal das Bundesverdienstkreuz am Bande im Namen von Bundespräsidenten Frank-Walter Steinmeier aus.

Das Lebenswerk Fleischmanns sei leuchtendes Beispiel für das Engagement im Ehrenamt. "Du hast praktiziert, worüber andere nur reden, hast angepackt. Aus Liebe zur Natur und den nur wenig beachteten kleinen Krabblern, den Ameisen ", sagte der stellvertretende Landrat von Schwandorf, ArnoldKimmerl, in seiner Laudatio. Fleischmann und seine Mitstreiter sind längst anerkannte Fachleute, wenn es um Schutz und Rettung von Ameisenvölkern geht. Über 1600 Menschen hat Fleischmann im Laufe der Jahrzehnte zu Ameisenhegern ausgebildet. Fleischmann habe laut Kimmerl mit der Gründung des Bayerischen Informationszentrums für Ameisenkunde im Nabburger Zehentstadel die Stadt Nabburg zur "Ameisenhauptstadt Deutschlands" gemacht.

Fleischmann nahm, gewohnt bescheiden, die Auszeichnung im Namen aller seiner Mitstreiter im Ameisenschutzverein an.

Hubert Fleischmann erhält das Bundesverdienstkreuz

Nabburg

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