21.07.2021 - 11:55 Uhr
NabburgOberpfalz

Nabburger Stadtrat entscheidet: Tieferlegung der Bahnstrecke prüfen

Der Stadtrat will es jetzt genau wissen: Lassen sich die Nabburger Bahnprobleme mit einer Tieferlegung der Gleise lösen oder nicht? Eine mit knapper Mehrheit beschlossene Machbarkeitsstudie soll Klarheit schaffen.

Bahnübergang und Bahnlärm: Lassen sich beide Probleme mit einer Tieferlegung der Bahnstrecke lösen? Eine Studie soll es zeigen.
von Wilhelm Amann Kontakt Profil

Seit zehn Jahren läuft das Planfeststellungsverfahren für die sogenannte Rahmenplantrasse, die zur Auflösung des schienengleichen Bahnübergangs führen soll. Mit den Plänen zur Elektrifizierung der Bahnstrecke Hof-Regensburg bekamen parallel dazu alle Lärmschutzbestrebungen entlang der zukünftigen Güterfernverkehrsstrecke eine neue Dimension. Eine Tieferlegung der Bahn kam immer wieder in die Diskussion.

Nun haben elf Stadträte die Initiative ergriffen: Ernestine Gietl, Johann Kleber, Karin Raab (alle Nabburger Land), Albert Bruckner (Freie Wähler), Josef Pürner, Bernd Hofmann, Hans-Georg Dobler, Tobias Knechtel, Michael Giesl, Kilian Gradl (alle CSU) und Tobias Wegmann (ÖDP) möchten definitiv wissen, ob und wie diese Tieferlegung technisch möglich und im Falle Nabburgs konkret anwendbar wäre. Sie formulierten dazu einen Antrag, der am Dienstagabend auf der Tagesordnung des Stadtrats stand.

Der Antrag soll die Prüfung einer Tieferlegung - bis hin zu einer möglichen Einhausung im Stadtbereich Nabburg - veranlassen. Es soll ermittelt werden, bis zu welcher Tiefe das Gleisbett - bezogen auf das derzeitige Gleisniveau - abgesenkt werden kann. Die Machbarkeitsstudie soll separat zum laufenden Planfeststellungsverfahren betrachtet werden und keinen zeitlichen Einfluss auf die Planfeststellung ausüben.

Den Antrag stellte Verwaltungsleiter Thomas Prey in der Sitzung vor. Nach rund einstündiger Diskussion (Artikel folgt) wurde er in einer namentlichen Abstimmung mit 12:9 Stimmen angenommen. Der Beschluss beauftragt die Stadtverwaltung, eine Machbarkeitsstudie für die Tieferlegung der künftig elektrifizierten Bahnstrecke vorzubereiten. Das soll in drei Schritten geschehen: Angebotseinholung, Vergabe im Stadtrat und Auswertung der Ergebnisse.

"Dritte" Meinung

In der Begründung heißt es, dass ein grundlegender Bestandteil der in Nabburg geführten Diskussionen die unterschiedlichen Auffassungen zwischen Straßenbauamt und dem Verkehrsplanungsbüro "Vieregg-Rößler" sind. Die vom Straßenbauamt betrachtete Rahmenplantrasse sieht vor, das derzeitige Gleisniveau beizubehalten. In der"Vieregg-Rößler"-Planung hingegen wurde auf eine Tieferlegung eingegangen. Im Hinblick auf den Diskussionshintergrund der letzten Jahre sei jetzt eine objektive und neutrale Prüfung durch eine "dritte", unabhängige Instanz dringend notwendig. Es müsse ausgeschlossen sein, dass die gewählte Variante zur Beseitigung des Bahnübergangs und die spätere Elektrifizierung der Strecke auf unvollständigen oder nicht zeitgemäßen Grundlagen beruhen.

Auf Lärm achten

Das Hauptargument der Antragsteller ist die Forderung aus der Bevölkerung, laufende Planungen am Streckenabschnitt baulich an die neuen Rahmenbedingungen und Erkenntnisse des fortgeschriebenen Bundesverkehrswegeplanes 2030 anzupassen. Auf der Bahnstrecke Hof-Regensburg werde in Zukunft von einem Güterverkehrsaufkommen von etwa 60 bis 80 Güterzügen täglich ausgegangen, wobei der Hauptanteil in der Nacht fahren wird. Das genannte Güterverkehrsaufkommen beruht auf Zahlen, welche 2021/22 verfügbar sind. Eine höhere Auslastung der elektrifizierten Trasse sei technisch auch möglich. Hinzu kommen laut Bahn noch 20 Fern- und 66 Regionalverkehrszüge. In der Summe könne somit eine mittlere Auslastung der Strecke angenommen werden. Für die Bevölkerung sei es wichtig, dass ausreichend auf alle Rahmenbedingungen eingegangen wird und eine sachliche Betrachtung der diskutierten Varianten stattfindet.

Ziele der Studie

Die spezielle topographische Ausgangslage in Nabburg erfordere ein Höchstmaß an planerischer Sensibilität. Es sei auf eine an den Menschen und die Umwelt angepasste Realisierung zu achten. "Die zukünftig erforderlichen Lärmschutzmaßnahmen dürfen die direkten Anlieger an der Bahn sowie die Anwohner im weiteren Umfeld in keiner Weise benachteiligen und beeinträchtigen", meinen die elf genannten Stadträte.

Auf die historisch wertvolle Altstadt müsse auch Rücksicht genommen werden. Langfristige Einschränkungen für den Bereich der Altstadt und deren Entwicklung will man vermeiden. Das gewachsene Wohnumfeld im Flussbereich mit seinen Geschäften und Anwohnern sei ebenso nachhaltig zu schützen. Die an Nabburg vorbeiführende Autobahn A93 im Stadtosten stelle eine Doppelbelastung für die Bevölkerung dar. Dieser zusätzlichen Belastung müsse in der städtischen "Gesamt-Immissionswertung" ein höherer Stellenwert eingeräumt werden.

Weiter heißt es zu den Zielen der Studie: "Mittel- bzw. langfristiges Ziel sollte es sein, nicht nur einen, sondern möglichst alle drei Bahnübergänge im Stadtgebiet zu beseitigen. Eine Tieferlegung des Gleisbetts - bis hin zur Einhausung - würde eine Beseitigung aller Bahnübergänge potentiell ermöglichen. Die planerische Umsetzung darf die städtische Entwicklung nicht einschränken, sondern muss diese fördern. Mögliche Umgehungsstraßen im südlichen Ortsbereich Richtung Stulln und im nördlichen Bereich über den Mühlweg-Schützenheimweg Richtung A 6 müssen Bestandteil von Planungsüberlegungen werden."

Betrachtung im Paket

Und abschließend: "Die bisherige isolierte Betrachtung der Baumaßnahme Bahnübergangsbeseitigung muss zugunsten einer für die Zukunft anhaltenden Lösung aufgegeben werden und der raumplanerische Entwicklungsgedanke im Fokus aller weiteren Überlegungen und Planungen stehen. Der Lösungsansatz Tieferlegung der Bahnstrecke muss nachhaltig, transparent und neutral geprüft sowie bewertet werden. Die Studie soll die technische Lösung für eine solche Variante aufzeigen, aber auch die Themen beinhalten, welche die künftig drei parallel laufenden Planfeststellungsverfahren (Beseitigung schienengleicher Bahnübergang, Elektrifizierung Bahnstrecke und Naabtal-Hochwasserplan) mit sich bringen. Es ist ein Baukostengesamtvergleich zwischen der Rahmenplantrasse und einer Tieferlegung der Bahngleise zu erstellen. Der Vergleich muss berücksichtigen, dass bei der Rahmenplantrasse nur der Bahnübergang in der Georgenstraße betrachtet wird."

Einwände zur Rahmenplantrasse in der politischen Diskussion

Nabburg
Hintergrund:

Namentliche Abstimmung

  • Für neue Machbarkeitsstudie: Bürgermeister Frank Zeitler (CSU), Tobias Knechtel, Hans-Georg Dobler, Michael Giesl, Kilian Gradl, Bernd Hofmann, Josef Pürner (alle CSU), Johann Kleber (Nabburger Land, NL), Ernestine Gietl (NL), Karin Raab (NL), Albert Bruckner (Freie Wähler, FW) und Tobias Wegmann (ÖDP).
  • Gegen neue Machbarkeitsstudie: Armin Schärtl, Evi Thanheiser, Rita Holzgartner, Josef Weber (alle SPD), Kurt Koppmann, Helmut Ertl (beide ÜPW), Irene Ehemann, Markus Götz (beide FW) und Heidi Eckl (ÖDP).

 

 

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