"Wir haben alles schon mal von vorne bis hinten durchgespielt", berichtet Manuel Lischka, der am Landratsamt den Aufbau des landkreisweiten Impfzentrums in Nabburg koordiniert. Vor Ort zeigt er sich bei einem Besichtigungstermin mit Oberpfalz-Medien zuversichtlich: "Es hat alles sehr gut geklappt, wir sind also startklar."
Die Priorisierung der Bevölkerungsgruppen hat der Bundesgesundheitsminister festgelegt, und seit Montag ist nun der Impfstoff von Biontech/Pfizer durch die EU-Arzneimittelbehörde zugelassen. 400 000 Impfdosen soll es zunächst einmal für Deutschland geben. Die große Menge wird da also in einem Landkreis wie Schwandorf mit rund 150 000 Einwohnern nicht ankommen. Es ist eher davon auszugehen, dass sich das erste Kontingent auf ein paar hundert Dosen beschränken wird und der Kreis sich ein ausgeliefertes Paket zu 975 Stück mit einem Nachbarlandkreis teilen muss. Aber in Kürze sollen dann schon zügig weitere Lieferungen folgen.
Warten auf zugeteilte Menge
Ungeachtet dessen laufen die Vorbereitungen auf Hochtouren. Ab dem 27. Dezember sollen zunächst schwerpunktmäßig jene Impfwilligen zum Zug kommen, die in einem Heim leben. Dazu sind bereits erste Termine mit Altenpflegeeinrichtungen innerhalb des Landkreises vereinbart. Sobald das Serum erstmalig ausgeliefert ist, werden sie von gebildeten, mobilen Impfteams aufgesucht. Eher noch wenige Dosen werden anfänglich dafür zur Verfügung stehen, um im Impfzentrum im ehemaligen Nabburger Kreiskrankenhaus verabreicht zu werden. Ungeachtet dessen ist dort inzwischen alles angerichtet.
Das Herzstück bildet ein kleiner Raum. In voll bepackten Regalen und Schränken lagern dort alle Utensilien, die zum Abmischen und Injizieren der Impfflüssigkeit benötigt werden. Und: In einem ganz gewöhnlichen Medizinkühlschrank befinden sich dann später die Impfdosen, die an dieser Stelle bei +2 bis +8 Grad aufbewahrt werden und nach der Entnahme bei Körpertemperatur verimpft werden. Während der Anlieferung müssen sie konstant bei -70 Grad gekühlt sein. Im Impfzentrum bleiben sie dann noch vier Tage haltbar und müssen also unbedingt während dieser kurzen Zeitspanne verbraucht werden. Konzipiert ist die Einrichtung auf mindestens 200 Impfungen am Tag, wobei der Betrieb an jedem Tag der Woche - voraussichtlich zwischen 7.30 und 16.30 Uhr - laufen soll.
25 Minuten veranschlagt
Manuel Lischka zeigt uns den Ablauf: Nur wer einen online oder telefonisch vereinbarten Termin hat, kann ins Impfzentrum - Eingang an der Stelle der früheren Notaufnahme - kommen. Jede einzelne Person darf nur mit medizinischem Mund-Nasen-Schutz - Alltagsmasken werden nicht akzeptiert - eintreten und muss zunächst eine Sicherheitsschleuse mit Fiebermessen passieren. Nach der Aufnahme in einem der beiden Anmelderäume wird sie auf einem vorgegebenen Weg durchgeschleust. Nach der Impfaufklärung anhand eines Films, der in einem früheren Operationssaal gezeigt wird, geht es weiter in Richtung der einstigen Entbindungsstation. Dort sind vier Räume für den eigentlichen Impfvorgang, der im Sitzen oder Liegen erfolgen kann, eingerichtet. Der ganze Vorgang soll fließend ablaufen, ohne längere Wartezeiten zwischendurch. Abschließend bekommt jeder Geimpfte seine Unterlagen. Der Zeitplan sieht vor, dass er maximal nach 25 Minuten wieder außer Haus sein kann. Sollten Komplikationen auftreten, stünden Notfallbetten in einem stillgelegten OP zur Verfügung. Rund drei Wochen später muss Jeder nochmals zum nötigen Folgetermin kommen.
Auf halbes Jahr ausgerichtet
Im Auftrag des Landkreises betreibt die Firma B-A-D, einer der bundesweit größten medizinischen Dienstleister mit Sitz in Bonn, das Impfzentrum, das eher zu den kleinen seiner Spezies zählt. Geleitet wird es von dem ausgebildeten Anästhesisten Dr. Moritz Maenner, der jeweils mit einem weiteren Arzt und acht medizinischen Fachkräften vor Ort ist, die im Auftrag der Ärzte auch impfen dürfen. Unterstützung leisten zwei Verwaltungskräfte aus dem Landratsamt, hauptsächlich bei der Terminvergabe und Ausgabe der Impfbescheinigungen. Der Nabburger Arzt Stefan Gilliar koordiniert die Zusammenarbeit mit dem Landratsamt. B-A-D rekrutierte dazu sein eigenes Personal - laut Lischka vollkommen unabhängig vom Gesundheitsamt und vom BRK, dem Gebäudeeigentümer. Anders als in Nachbarlandkreisen hatte sich das Rote Kreuz nicht um die Betreiberschaft beworben. Dadurch kann es sich weiterhin auf seine Kernaufgaben konzentrieren und seine Ressourcen dort voll ausschöpfen, was im Gesundheitsmanagement auch von der Kreisverwaltungsbehörde eher als Vorteil angesehen wird. "Wir sind froh, dass diese gute Lösung zustande gekommen ist", sagt Lischka. Der Betrieb des Impfzentrums ist zunächst auf ein halbes Jahr ausgerichtet. Ab Sommer 2021 sollen voraussichtlich auch Hausärzte impfen. Dann muss sich laut Lischka zeigen, ob das Impfzentrum noch benötigt wird.
Der Landkreis Schwandorf war einer der ersten Kreise in Bayern, die einen Standort für ein Impfzentrum vorweisen konnten. Die günstige Lage des ehemaligen Nabburger Krankenhauses und die dort leerstehenden Räume kamen ihm dabei sehr entgegen und begünstigten eine rasche Entscheidung.


















Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.
Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.