08.06.2018 - 14:49 Uhr
NabburgOberpfalz

Ökologische Kunst

Ein Tisch schwimmt auf dem See im Freilandmuseum. Er ist gedeckt und gibt Zeugnis von einem Mahl. Zu dem hatten sich zwei Künstler und vier junge Leute eingefunden. Am Ende wird der Tisch aufs Wasser gesetzt.

Die Künstler Gisela Conrad und Günter Klobouk leiteten einen Workshop im Freilandmuseum, der auf dem weiträumigen Areal einige vergängliche Kunstwerke aus nachhaltigen Materialien platzierte.
von Thomas Dobler, M.A. Kontakt Profil

(td) Kunst, das ist bekannt, ist mehr als Wasserfarbe und Papier. Weniger bekannt ist, dass es eine Richtung gibt, die sich "Land Art" nennt, also Landschaftskunst. "Land Art" ist die Umwandlung von geographischem Raum in ein Kunstwerk, weiß Wikipedia. Dabei konzentriert sich Land Art nicht auf eine bestimmte Größenordnung oder Methode, sondern arbeitet mit Räumen im kleinsten Maßstab bis zu ganzen Landstrichen und mit vorgefundenen Naturmaterialien oder massiven Eingriffen mit schwerem Baugerät und Beton.

Diese Art von Kunst stand vier Tage lang im Mittelpunkt eines Workshops, für den das Oberpfälzer Freilandmuseum mit dem Berufsverband Bildender Künstler, dem Oberpfälzer Künstlerhaus in Schwandorf, der Umweltstation Kloster Ensdorf und anderen Partnern zusammenarbeitete. Denn das Ziel des Kunstkurses war nicht nur ein ästhetisches, sondern auch ein ökologisches. Es ging darum, mit vorgefundenen Naturmaterialien und Material, das im bäuerlichen Leben Bedeutung hatte, kreative Objekte zu gestalten. Die beiden Leitfragen lauteten: Wie schaut von Selbstversorgung geprägte Kunst aus? Welche Elemente aus diesem nachhaltigen Leben können in das heutige Leben zurückgeholt werden?

"Wir wollten den jungen Leuten nichts vorgeben, sondern haben durch Gespräche die Aktion aus der Gruppe heraus entwickelt", sagte Künstlerin Gisela Conrad, die die vier Tage zusammen mit ihrem Kollegen Günter Klobouk betreute. Eine wichtige Rolle spielte auch Fotodesigner Klaus Kurz (Regensburg), der die gesamten Arbeiten und ihre Ergebnisse im Bild festhielt. Einerseits aus Gründen der Erinnerung, was bei vergänglichen Objekten des Land Arts durchaus Sinn hat; anderseits sollen die Fotos aber auch in Ausstellungen gezeigt werden, inklusive Begleittext, wie Gisela Conrad ankündigte: "Sie belegen, was man in so einer Institution wie dem Freilandmuseum alles machen kann."

Die Aktion war Teil einer bayernweiten Mitmachaktion mit dem Titel "KunstWerkZukunft - natürlich nachhaltige Lebensstile" und wurde gefördert vom Bayerischen Staatsministerium für Umwelt und Verbraucherschutz. Zurück zum Tisch vom Anfang. Für den hat die kleine, kreative Gruppe Teller aus Lehm geformt, von denen dann gemeinsam Pizza gegessen wurde. Die Schachteln wurden nicht weggeworfen, sondern am Ende auf den Tellern befestigt. Das gleiche gilt für die Trinkgefäße und anderes Zubehör. Diese Installation schwimmt seitdem auf dem See bei der Rauberweihermühle.

Im Birkenwäldchen wurden von der Gruppe Fahnen aufgehängt. Auf diese Tücher hat man vorher mit Kohle Tiere gezeichnet "die im Wald leben", wie Gisela Conrad erläuterte - Uhu, Specht, aber auch eine Ratte. "Wir haben die Zeichnungen fixiert, damit sie eine Zeitlang zu sehen sind." Eine weitere Kunstaktion hatte mit großen Steinen zu tun. "Die haben wir mit Schlämmkreide angemalt und im Wald in Form einer Spirale ausgelegt", so Conrad. "Die Spirale ist gut sichtbar und findet sich auf dem Weg zum See, auf Höhe des Kohlenmeilers."

Für Gisela Conrad war diese Art von Betätigung eine neue Erfahrung. "Ich arbeite normalerweise anders", berichtete die Malerin und Grafikerin aus Regensburg. Land-Art-Spezialist war eher ihr Co-Trainer, Günter Klobouk (Arbeitsgebiete Materialbilder, Objekte LandArt, Installationen), auch er ein Regensburger. Seine einschlägigen Werke kann man auch auf seiner Homepage betrachten.___Weitere Informationen:www.guenter-klobouk.de

Kunstaktion im Wald: Im Birkenwäldchen wurden von der Gruppe Fahnen aufgehängt.

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