03.08.2021 - 15:22 Uhr
NabburgOberpfalz

Pflegeheime im Landkreis Schwandorf: Weniger Nachfrage aus Angst vor Corona?

Die Corona-Pandemie hat manche Pflegeheime schwer getroffen. In manchen Regionen sind bis zu 20 Prozent der Plätze frei. So sieht es im Landkreis Schwandorf aus.

Die "Arche Noah" in Nabburg ist eines von drei Seniorenheimen, die der BRK-Kreisverband Schwandorf trägt.
von Clemens Hösamer Kontakt Profil

Bayernweit gibt es laut einem Bericht der Agentur dpa deutlich mehr freie Plätze in Alten- und Pflegeeinrichtungen, als vor der Pandemie. So berichtet der Pressesprecher des Bayerischen Roten Kreuzes, Sohrab Taheri-Sohi, von bis zu 20 Prozent nicht belegten Plätzen - in einzelnen Regionen. Kurzarbeit, Homeoffice: Manche Menschen hätten einfach mehr Zeit, sich um ihre Angehörigen zu kümmern. Aber auch die Angst vor Corona, vor schweren Ausbrüchen, hätten laut Taheri-Sohi dazu beigetragen. Selbst bei Häusern, die keine einzige Corona-Infektion zu verzeichnen hatten.

Keine einzige Infektion

So wie das Alten- und Pflegeheim Oberviechtach. "Wir sind sehr, sehr gründlich", sagt Geschäftsführer Karl-Heinz Stoppa, "wir hatten bisher keine einzige Infektion. Weder bei Bewohnern noch beim Personal." Eine geringere Nachfrage nach den Pflegeplätzen kann er nicht erkennen, und nennt die Belegungszahlen der vergangenen Wochen: "127, 127, 127, 128, 128", zählt er auf. 128 belegte Plätze, das bedeutet in Oberviechtach volle Auslastung.

"Die Nachfrage war auch in den Zeiten, als die Inzidenzen hoch waren, sehr gut." Auch wenn kein Corona-Ausbruch das Haus heimsuchte: "Das war eine harte Zeit, für Bewohner und Personal", erinnert sich Stoppa. Das Besuchsverbot habe viele alte Menschen arg getroffen. Die Situation habe dem Personal noch mehr abverlangt als ohnehin.

Der Geschäftsführer des Schwandorfer BRK-Kreisverbands, Otto Josef Langenhan, muss seinem Münchner BRK-Kollegen Taheri-Sohi widersprechen. "Unsere drei Häuser sind annähernd voll. Wir haben keine Probleme", betont der Kreisgeschäftsführer im Gespräch gegenüber den Oberpfalz-Medien. Von den 228 Plätzen in den drei Heimen, die der Kreisverband betreibt, sind gerade mal eine Handvoll frei - "das ist kein Thema", so Langenhan. Auch mit dem Fachkräftemangel hat das BRK akut nicht zu kämpfen: Die Quote kann das BRK erfüllen, ohne dass Betten leer stehen müssen.

Kurzzeitpflege gefragt

Das ist im Schwandorfer Elisabethenheim derzeit anders. Von den 178 Plätzen an der Bahnhofstraße können derzeit nur 148 belegt werden, weil Fachkräfte fehlen, erläutert Geschäftsführer Egon Gottschalk. Mit dem Fachkräftemangel hatte die Einrichtung aber auch schon vor der Pandemie zu kämpfen. "Die Nachfrage nach freien Plätzen ist nach wie vor hoch", so Gottschalk, die Warteliste sei lang, auch die Anfragen wegen Kurzzeit-Pflegeplätzen kommen regelmäßig. Möglicherweise, so Gottschalk, habe die Pandemie aber einen Trend verstärkt, der sich seit Jahren zeigt: Rüstige Senioren mit keinem oder niedrigem Pflegebedarf ziehen kaum ins Heim. Der Anteil der Rüstigen an den Bewohnern ist laut dem Geschäftsführer in den vergangenen Jahren von 18 auf 13 Prozent gesunken. Dieser Trend sei aber nicht nur in Schwandorf , sondern "in der ganzen Branche" zu beobachten.

"Wir haben derzeit drei Plätze frei, die belegen wir in erster Linie mit Kurzzeitpflege," berichtet Astrid Ostermaier. Die Leiterin des Pfreimder St.-Johannis-Stifts kann ebenfalls kein Nachlassen der Nachfrage feststellen. "Wir haben schon immer eine Warteliste", so Ostermaier. 13 Anfragen sind derzeit darauf verzeichnet. "Wir rufen die Leute zwei, dreimal im Jahr an, ob sie einziehen wollen." Die Fachkraft-Problematik stelle sich im Stift nicht. Das Pfreimder Heim sucht allerdings derzeit zwei Kräfte für soziale Betreuung.

Nachfragen von privater Seite seien nach den Lockdowns wieder auf das normale Maß angestiegen, meint auch Manuel Kühn. Der Leiter des Seniorenheims "Am Sand" in Wernberg-Köblitz stellt fest, dass Angehörige immer öfter wegen Tagespflege-Angeboten anrufen. "Das gab es früher nicht". Auch "Am Sand" gibt's eine Warteliste. "Wir sind zu 95 Prozent belegt", so Kühn, das sei auch das Ziel des privat geführten Heims.

"Manchmal ist die Aufnahme in ein Pflegeheim unumgänglich," betont Helmut Bauer, Pflegedienstleiter des Seniorenheims "Am Miesberg" in Schwarzenfeld. Corona oder nicht, die Lebenssituation erfordere es einfach, dass ein Pflegebedürftiger in professionelle Hände kommt. "Das Tagesgeschäft ist unverändert", so Bauer, das Haus sei ausgelastet.

Diskussion über dritte Impfung für Risikogruppen

Schwandorf
Hintergrund:

Seniorenheime: Träger und Plätze

  • Der BRK-Kreisverband Schwandorf ist Träger dreier stationärer Altenpflegeeinrichtungen: Seniorenheim Burglengenfeld (121 Plätze), Seniorenheim "Arche Noah" Nabburg (66) und Seniorenwohnen St. Johannes Nabburg (41).
  • Elisabethenheim Schwandorf: Träger des Hauses für 178 Bewohner ist die Bürgerspitalstiftung Schwandorf.
  • St.-Johannis-Stift Pfreimd: 57 Plätze. Träger: Spitalstiftung Pfreimd.
  • Senioren- und Pflegeheim "Am Sand" Wernberg-Köblitz: 100 Plätze, Träger ist eine private Betriebsgesellschaft.
  • Seniorenhaus "Am Miesberg" Schwarzenfeld: Das Haus mit 126 Plätzen wird von der CuraVivum GmbH getragen.
  • Alten- und Pflegeheim Oberviechtach: Das Haus bietet 128 Plätze, Träger ist eine gleichnamige Gesellschaft, an der die Stadt und fünf Privatleute beteiligt sind.
  • Insgesamt gibt es im Landkreis Schwandorf rund 1700 Plätze in Alten- und Pflegeheimen.

"Unsere drei Häuser sind annähernd voll."

Otto Josef Langenhan, Schwandorfer BRK-Kreisgeschäftsführer

Otto Josef Langenhan, Schwandorfer BRK-Kreisgeschäftsführer

 

 

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