08.04.2021 - 18:56 Uhr
NabburgOberpfalz

Schluss mit Einkaufen im Landkreis Schwandorf: Zurück in den Lockdown

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Es ist ein Rein und Raus beim Einzelhandel. Für die einen bedeuten die ab Montag im Landkreis Schwandorf geltenden Regeln einen Rückschritt, für die anderen ein erstes Licht am Ende des Tunnels. Und die Testpflicht treibt alle um.

Das macht Spaß. Im Geschäft einige Paar Schuhe anprobieren, von Christl Bauer beraten werden und sich das passende aussuchen.
von Irma Held Kontakt Profil

Seit Gründonnerstag ist Christl Bauers Schuhgeschäft in der Nabburger Altstadt wieder offen. Der Laden floriert nach den Worten der Geschäftsinhaberin nicht nur, weil Kinder den Schuhen aus dem Vorjahr entwachsen sind. Auch Erwachsene brauchen oder wollen sich etwas Neues gönnen. Doch damit ist am Montag wieder Schluss. Spontan in ein Geschäft gehen, beispielsweise Schuhe anprobieren und kaufen oder sich beim Gärtner einen Frühlingsstrauß binden lassen, weil man gerade Lust danach hat, ist wieder vorbei.

Die Bayerische Staatsregierung will nach dem Gerichtsurteil zugunsten der Schuhgeschäfte mit den neuen Geschäftsschließungen weiteren Öffnungen einen Riegel vorschieben, deshalb nimmt sie auch Buchhandlungen, Bau- und Gartenmärkte, Blumenläden und Gärtnereien wieder an die Kandare. Sie müssen schließen und dürfen bei einer Inzidenz zwischen 100 und 200, wie sie derzeit im Landkreis Schwandorf besteht, nur noch über "Click&Meet" anbieten. Der Einkauf bedarf der Vorbereitung: Termin buchen, negativen Test besorgen, dann erst öffnet sich die Ladentüre.

So mancher überlegt, ob er der Einfachheit halber auf "Click&Collect" zurückgeht. Dass "Click&Collect" wieder kommt, befürchtet Siegfried Roßmann, der in Oberviechtach einen Baumarkt und dessen Bruder Ulrich das Haushaltswarengeschäft betreibt, sowieso. Er vermutet im Telefonat mit Oberpfalz-Medien, dass die Inzidenz im Landkreis in der nächsten Woche wieder auf über 200 steigen und dann nur noch ein Abholen möglich sei. "Mich ärgert das Hin und Her." Kunden würden durch den ständigen Wechsel ebenfalls verunsichert. Es gebe noch Leute, die anrufen, ob sie was bestellen könnten und das obwohl seit 8. März der Baumarkt geöffnet sei. Roßmann rechnet heute und morgen mit einem Ansturm. "Wir lassen es auslaufen", sagt er und meint, dass am Samstag der Baumarkt nicht pünktlich geschlossen werde, wenn noch Kunden da seien.

In der Filiale der Buchhandlung Rupprecht in Schwandorf warten die Mitarbeiterinnen am Donnerstagmittag noch auf Informationen zur Umsetzung aus der Zentrale. Zehn Personen durften sich seit 8. März gleichzeitig in der Buchhandlung aufhalten. Buchhändlerin Carolin Langner ist gegenüber Oberpfalz-Medien gespannt, wie viele überhaupt den Aufwand betreiben und sich die Mühe eines Tests machen, "für ein Buchgeschenk oder eine Glückwunschkarte". Bestellen und abholen wäre der einfachere Weg.

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Völlig unklar ist am Donnerstag noch die Situation in den Gärtnereien. "Der Blumenladen ist definitiv zu", sagt Andrea Ritschel von der Gärtnerei Ritschel in Nabburg. Der Verband verhandle noch, ob Salat- oder andere Gemüsepflanzen weiterhin als Artikel des täglichen Bedarfs gelten. Dann dürften diese verkauft werden. Die Gärtnerei Ritschel würde im Freien wie im vergangenen Jahr einen Marktstand aufbauen. Niemand mache sich die Mühe eines Corona-Tests und buche einen Termin für fünf Salatpflanzen, prophezeit Andrea Ritschel gegenüber Oberpfalz-Medien. Vor der Öffnung boten Gärtnereien Sträuße und Blumenstöcke in "Click&Collect" an.

Was für die einen ein Schritt zurück in den Lockdown bedeutet, ist für andere Einzelhändler ein kleiner Fortschritt. Für das Modehaus Mehler in Oberviechtach zum Beispiel. Nach fast vier Monaten, dürften ab Montag, wenn die Inzidenz unter 200 bleibt, wieder Kunden das Bekleidungsgeschäft betreten und sich beraten lassen. "Wir sind froh über diesen Schritt", sagt eine Mitarbeiterin. Termine könnten per Telefon oder per E-Mail gebucht werden.

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Kaum einschätzbar sei, wie die Kunden auf dieses Angebot reagieren würden. Auch für Haushaltswaren Roßmann ist ein Betreten des Ladens ein Plus. Siegfried Roßmann nennt als Beispiel einen Schnellkochtopf. "Es gibt verschiedene Ausfertigungen und Kundinnen wollen die Töpfe in die Hand nehmen."

Noch nicht geklärt war am Donnerstag, wie die vorgeschriebene Testpflicht unkompliziert vor Ort erfüllt werden kann. Schließlich würde keiner in den nächsten Ort zum Testen um wieder zurück zum Einkaufen zu fahren. Sinkt die Sieben-Tage-Inzidenz unter 100 fällt die Testpflicht weg. Steigt die Inzidenz auf über 200 wechselt Click&Meet" auf "Click&Collect". Siegfried Roßmann ist ab Montag für beides gerüstet.

Hintergrund:

Regeln ab Montag

  • Inzidenz über 200: "Click&Collect", Masken-, keine Testpflicht.
  • Inzidenz zwischen 100 und 200: "Click&Meet", Termin und negativer Corona-Test.
  • Inzidenz zwischen 50 und 100: "Click&Meet", Termin ohne Testpflicht.
  • Inzidenz unter 50: Öffnung unter Einhaltung von Hygienemaßnahmen und Höchstkundenzahl.

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