26.07.2018 - 18:04 Uhr
NabburgOberpfalz

Eine Stadt steht hinter Junaid

Viele reden von Integration. Junaid ist integriert. Knapp 100 Nabburger belegen dies. Dennoch wurde sein Asylantrag abgelehnt. Er soll innerhalb von 30 Tagen nach Pakistan zurück.

Junaid (2. von rechts) ist gerührt: Knapp hundert Nabburger wollen verhindern, dass der 26-jährige Pakistani abgeschoben wird.
von Jürgen Herda Kontakt Profil

Junaid Ahmad Bajauri strahlt. Der 26-jährige Pakistani ist nach gut zwei Jahren aus dem Vereinsleben Nabburgs nicht mehr wegzudenken. Das sagen knapp 100 Teilnehmer eines Pressegesprächs am Mittwochabend im Sterngarten. Anrührende, bewegende, humorvolle Statements von Vertretern des THW, des Waldkindergartens, der Theatergruppe, der Kirche, von Behindertenpfleger Michael Zanner. Alle Zeugnisse münden in den Appell von Florian Wein, Vorstand Ovigo-Theater: „Junaid gehört zu uns, er ist überall beliebt und er macht eine Ausbildung zum Altenpfleger, die händeringend gesucht werden – ihr könnt so einen herzensguten Menschen nicht nach Pakistan abschieben, wo er von den Taliban gesucht wird.“

"So viele Menschen"

Junaid steht vorne am Podium und lächelt gerührt. „So viele Menschen sind gekommen“, kann er die große Unterstützung kaum fassen. Seine Geschichte erzählt er nüchtern: „Ich komme aus einer Stadt, die von den Taliban kontrolliert wird." Weil er als Helfer einer westlichen Gesundheitsorganisation arbeitete, wurden die Islamisten auf ihn aufmerksam: „Du kannst nicht für eine zionistisch-amerikanische Organisation tätig sein.“ Junaid bekommt einen Denkzettel, wird verprügelt. Die Eltern sagen, er muss weg, und er geht 2015 den Weg über die Türkei und die Balkanroute – in Bulgarien wird er wegen des Grenzübertritts in Haft genommen. Zum Schluss landet er dennoch in Deutschland. „Meine Mutter sagt immer, Junaid, du musst den Menschen helfen, egal welche Hautfarbe, egal welche Religion.“ Und das tut er, schreibt der Pfarrerin, bewirbt sich für Praktika.

Green Card verdient

Und jetzt sind sie alle da, Schauspielkollegen wie Theresa Weidhas, die sich über sein komödiantisches Talent amüsiert, mit dem er die Kinder schon zum Lachen bringt, als er noch kaum Deutsch kann. THW-Kollege Max Eckl, der ihm auf die Schulter schlägt und sagt: „Wenn er nur dürfte, er wäre voll einsatzfähig.“ Die Mitschülerinnen aus der Pflegerhelferschule, Fadile (21), Vanessa (16) und Jaqueline (16) aus Neunburg und Oberviechtach, die Junaid, den Sonnenschein ihrer Klasse, vermissen. Pfarrerin Irene Friedrich und die Leute vom Asyl-Arbeitskreis, die wissen, dass sich hinter Junaids fröhlicher Fassade auch große Angst verbirgt. Ganz spät am Abend, auf die Frage, ob er sich auf die drohende Rückreise vorbereitet, sagt er mit Tränen in den Augen: „Wenn ich im Sarg zurückgebracht würde, könnte ich das akzeptieren, aber niemals lebend.“

Höchste Zeit, dass das Einwanderungsgesetz zum Tragen kommt: Junaid hat ein zweijähriges Assessment Center durchlaufen und dabei nur Freunde gewonnen. Wer kann das von sich sagen? Junaid kann ab September seine Pflegerschule weitermachen. Er hat eine Green Card verdient.

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Kommentare

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Johann Vetter

Asylverfahren sollten schnell bereits an der Grenze entschieden werden und dann auch der Entscheid umgehend umgesetzt werden.
Dann kommt es nicht zu solchen Enttäuschungen.

Das Asylrecht sollte so gelten, wie es historisch vor dem Hintergrund der Nazi-Herrschaft und den damaligen Verbrechen gedacht war.

28.07.2018
Rene Kinderlein

Asylverfahren sind rein sachlich zu führen. Kein Richter in einem Rechtsstaat kann und darf emotionell entscheiden. Es kann nicht sein, dass ein Migrant, der sich zwischenmenschlich leicht tut und schnell lernt einem vom Wesen her etwas mehr verschlossenem und nicht so leicht lernenden bevorzugt wird. Jedem sollte es klar sein, dass es nach einem nicht abgeschlossenem Asylverfahren zu einer Abschiebung kommen kann. Da muss keiner überrascht tun. Keine Rechtsbeugung durch Emotion.

27.07.2018

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