10.09.2019 - 10:10 Uhr
NabburgOberpfalz

Störfaktor vorab schon im Griff

Die Lage könnte idyllisch sein – wenn da nicht das Hochwasser wäre. Dort, wo bis vor kurzem noch die Nabburger Rettungswache stationiert war, wird sich vielleicht schon bald die Natur ihren Platz zurückerobern.

Die frühere Rettungswache steht in Nabburg genau auf der Hochwasserlinie. Das Wasserwirtschaftsamt hat deshalb von seinem Vorkaufsrecht Gebrauch gemacht und das Gebäude erworben. Wenn es im Plan für Hochwasserschutz stört, wird es abgerissen.
von Monika Bugl Kontakt Profil

Das Wasserwirtschaftsamt Weiden hat das Gebäude an der Perschener Straße erworben. Allerdings nicht, um dort einzuziehen oder es zu vermieten. Denn der Komplex steht genau auf der Hochwasser-Schutzlinie. Die Behörde hat deshalb nicht lange gezögert und von ihrem Vorkaufsrecht Gebrauch gemacht. Basis dafür ist das Wasserschutzgesetz II aus dem Jahr 2017, das dem Amt nach dem Wasserhaushaltgesetz für solche relevanten Flächen dieses Privileg einräumt. Welche Areale dafür infrage kommen, hat das Wasserwirtschaftsamt bereits vor zwei Jahren in Zusammenhang mit dem Naabtalplan vorgestellt. "Die Liste der betroffenen Grundstücke ging an die Notare, so dass wir über geplante Verkäufe informiert werden", berichtet Bauoberrat Andreas Ettl, Abteilungsleiter für Planung und Bau beim Weidener Wasserwirtschaftsamt.

Noch in diesem Herbst wird die Vorentwurfsplanung für den Hochwasserschutz vorgestellt. Danach könnte wohl auch das Gebäude an der Perschener Straße weichen und Platz machen für Schutzmaßnahmen. Denn gerade hier gebe es für die Naab eine Engstelle, eingezwängt zwischen dem steilen Berg zur Altstadt hin und der Straße nach Perschen, erläutert Ettl. "Wir haben uns für den Kauf entschieden, weil wir sonst den Hochwasserschutz außen herum führen müssten." "Über eine fünf oder sechs Meter hohe Mauer wäre auch keiner erfreut", stellt er klar. Die Schutzlinie entlang der Straße könne hingegen viel niedriger ausfallen, beruhigt Ettl. "Ob das dann ein Deich oder eine Mauer sein soll, wird man sehen."

Der Hochwasserschutz in Nabburg ist Teil des Naabtalplans, für den im Frühjahr eine Reihe von Bohrungen entlang der Naab ausgeführt wurden. Bodenphysikalische Tests sollten dabei Aufschluss geben, welche Hochwasserschutz-Bauwerke sinnvoll sind. 7 Kernbohrungen, 18 Kleinbohrungen und 25 schwere Raumsondierungen waren dazu allein im Nabburger Raum geplant. Insgesamt sind neun Gemeinden an der Naab in die Erwägungen einbezogen.

War es aus heutiger Sicht ein Fehler, Bauwerke wie das aus dem Jahr 1975 stammende Gebäude in der Perschener Straße zu genehmigen? Bauoberrat Ettl will sich im Einzelfall kein Urteil erlauben: "Aber ein Bau im Überschwemmungsgebiet wird von uns nie gerne gesehen."

Im Frühjahr wurde entlang der Naab noch fleißig gebohrt, um Basisdaten für den Hochwassrschutz zu ermitteln.
Naabtal-Plan:

Naabtal-Plan

Der Freistaat hat beim Naabtal-Plan auch den Klimawandel im Blick und will für ein mögliches Hochwasser gerüstet sein. Der Landkreis Schwandorf gilt im Bereich der Naab als stark hochwassergefährdet. In den Jahren 2002 und 2013 entging die Region knapp einer Hochwasser-Katastrophe, weil die dafür ursächlichen Regengebiete das Einzugsgebiet des Flusses nur gestreift haben. Bei einem hundertjährlichen Hochwasser wären laut Umweltministerium rund 13 500 Einwohner und 1850 Arbeitsplätze gefährdet. Davor soll der Naabtal-Plan die Gemeinden schützen. Das Wasserwirtschaftsamt Weiden erarbeitet Lösungskonzepte für die neun betroffenen Gemeinden an der Naab. In Erwägung gezogen werden Geländeauffüllungen, Deiche, Hochwasser-Schutzwände sowie Binnen-Entwässerung einschließlich Pump- und Schöpfwerken. Die Kosten für die Umsetzung des Naabtal-Plans liegen nach ersten Schätzungen bei rund 75 Millionen Euro. Für die Umsetzung wird momentan mit einem Zeitraum von 15 bis 20 Jahren gerechnet.

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