17.06.2021 - 17:05 Uhr
NabburgOberpfalz

Strenge Voraussetzungen für Public-Viewing

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Die Public-Viewing-Events, die sonst fest zu Veranstaltungen wie einer Europameisterschaft gehören, finden in diesem Jahr kaum statt. Gastronomen wie Kommunen im Landkreis Schwandorf sind die Hände gebunden.

Fußball-Euphorie gab es bei früheren Meisterschaften auch im Landkreis Schwandorf. Bei dieser EM hält sie sich hier bisher in Grenzen, die Möglichkeiten sind auch begrenzt: Public Viewing, wie hier während der WM 2018 in Berlin, gibt es in der Region noch kaum bis gar nicht.
von Julian Seiferth Kontakt Profil

Es ist EM - und fast keiner geht hin: Das erste Spiel der deutschen Nationalmannschaft am Dienstagabend sorgte nicht für Euphorie, doch das Wetter schreit eigentlich fast nach Public Viewing - in Deutschland erstmals zu einem echten Event geworden rund um die Heim-WM 2006. Nach den jüngsten Lockerungen der Corona-Regeln wäre das eigentlich wieder möglich. Allein, das Angebot fehlt bislang fast vollständig.

Wer am Samstagabend das nächste Spiel der deutschen Fußballer gegen Portugal sehen will, kann zumindest nach Wissen der Rathäuser in der Region nicht auf öffentlich angemeldete Veranstaltungen setzen. Voraussichtliche 30 Grad, Samstagabend und zwei große Fußballnationen im direkten Duell - und doch kein Public Viewing? Darauf wird es wohl hinauslaufen, sagt Ulrike Pelikan-Roßmann, Pressesprecherin der Stadt Burglengenfeld. "Grundsätzlich ist Public Viewing möglich, allerdings sind die Voraussetzungen dafür sehr eng gestrickt."

Gastronomen sind vorsichtig

Das bayerische Wirtschaftsministerium hat die Vorgaben zu Beginn der Woche nochmals präzisiert. "Isolierte Public Viewing-Veranstaltungen oder im Rahmen der Gastronomie als Hauptzweck dominierende Events werden allerdings angesichts der engen Voraussetzungen (...) der 13. Bayerischen Infektionsschutzmaßnahmenverordnung zumeist nicht erlaubte Veranstaltungen sein." Übersetzt aus dem Beamtendeutsch steht da: Reines oder hauptsächliches Public Viewing ist verboten. So versteht das auch Pelikan-Roßmann: "Derartige Veranstaltungen müssen sehr eng an gastronomische Betriebe gebunden sein, um zulässig zu sein." Deshalb könne die Stadt kein Public Viewing, wie beispielsweise zum WM-Finale 2014, anbieten. Das liege nun, wenn überhaupt, bei den Gastronomen.

Doch die sind vorsichtig, niemand will einen Auflauf Hunderter Fans auf der eigenen Terrasse. "Wir lassen natürlich einen Fernseher im Hintergrund laufen, aber wir werden nicht öffentlich darum werben, dass Menschen zum Public Viewing zu uns kommen", sagt zum Beispiel Markus Greiner, stellvertretender Vorsitzender des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbandes (Dehoga) im Landkreis Schwandorf.

Fanclub macht's semi-public

Greiners Panoramahotel Gütenland bei Neunburg vorm Wald bietet ausschließlich für die eigenen Gäste einen Raum an, in dem Spiele übertragen und bei Interesse verfolgt werden können - in Kleingruppen mit Abstand zueinander und unter Einhaltung strenger Hygieneregeln. "Wenn wir das öffnen, riskieren wir, dass es einen Auflauf gibt. Das ist zu riskant", sagt Markus Greiner.

Eine Zwischenlösung strebt der FC Bayern Fanclub Nabburg an. "Das Frankreich-Spiel habe ich zuhause mit ein paar wenigen Freunden gesehen", erzählt Präsident Bernd Hofmann. Für die Partie am Samstag gegen Portugal ist zwar ein größerer, aber doch privater Rahmen geplant: Semi-Public-Viewing auf Schloss Guteneck. Dafür hat Hofmann auf der Webseite des Fanclubs ein Formular eingerichtet, offen nur für Mitglieder. Dort können Interessierte eintragen, ob sie geimpft, genesen oder getestet sind und mit wie vielen Menschen sie teilnehmen wollen. "Das ist so sicher, wie es eben geht", sagt er. "Alle Anmeldungen werden dann von uns nochmals bestätigt und erst dann zugelassen. Ob das Spiel am Samstag auf Schloss Guteneck gezeigt wird, ist noch offen, so Hofmann: "Wir müssen sehen, wie viele Zuschauer kommen wollen. Für 20 Leute lohnt sich das ja nicht." Für das Spiel gegen Ungarn am kommenden Mittwochabend will der Verein keine Veranstaltung ansetzen. "Das ist, anders als der Samstagabend, einfach nicht die optimale Uhrzeit dafür."

Versucht hat man es immerhin beim SC Altfalter in Schwarzach. Über 30 Fans sahen das Eigentor von Mats Hummels auf der Sportheimterrasse des SC. Vereinsvorsitzender Richard Buron gab sich zufrieden. "Jetzt freuen wir uns auf die nächsten Spiele." Für den Gastronomie-Aspekt sorgen Bratwürste vom Holzkohlegrill und Flaschenbier.

Auch KO-Runde schon angemeldet

Der Zugang ist und bleibt wohl auch weiterhin öffentlich. Besucher hinterlassen ihre Kontaktdaten am Eingang, auf der Terrasse gilt Maskenpflicht zwischen den Tischen, die einen Mindestabstand von 1,5 Metern zueinander haben müssen. An einem Tisch dürfen maximal zehn Personen sitzen.

Die beiden Gruppenspiele am Samstag und Mittwoch will der SC ebenso zeigen wie eventuelle Spiele der Nationalelf in der KO-Runde. Völlig unabhängig vom Abschneiden der Deutschen hat Buron bereits bei der Verwaltungsgemeinschaft Schwarzenfeld Veranstaltungen zu den Halbfinal- und Finalterminen angemeldet - "falls noch Interesse bei den Leuten besteht".

Zum Thema: Public Viewing im Pool

Großbüchlberg bei Mitterteich
Hintergrund:

Das bedeutet Public Viewing

  • Der Ausdruck wurde im Vorfeld der Fußball-WM 2006 im deutschen Sprachgebrauch etabliert. Meistens bezeichnet er die Übertragung von Sportveranstaltungen auf Großbildwänden.
  • Public Viewing kann im Freien genauso stattfinden wie in Innenräumen, beispielsweise Kinosälen.
  • Seit 2006 gehört Public Viewing eigentlich zum Inventar sportlicher, besonders fußballerischer Großveranstaltungen. Ebenso wie bei anderen Menschenansammlungen steht allerdings auch hier die Pandemie im Weg.
  • Das zuschauerreichste Public Viewing findet auf der Fanmeile in Berlin statt – der größten in Deutschland. Sie sollte ursprünglich 100.000 Fans Platz bieten. Diese Zahl wurde in der Vergangenheit häufig um ein Vielfaches überschritten. Das Halbfinale und Finale 2006 verfolgten hier beispielsweise rund 900.000 Menschen.
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