10.11.2020 - 18:06 Uhr
NabburgOberpfalz

Süd-Ost-Link: Hausaufgaben für Netzbetreiber

Straßen, Kabel, Pipelines: Der Abschnitt Pfreimd-Nittenau der Gleichstrom-Trasse Süd-Ost-Links führt durch ein Gebiet, das schon aktuell viel überregionale Infrastruktur verkraften muss. Jetzt ist der nächste Planungsschritt gestartet.

Noch gibt es keine Gleichstrom-Erdkabel des Süd-Ost-Links durch den Landkreis Schwandorf. Das Bild zeigt Arbeiten an der Stromtrasse Nord-Link bei Büsum.
von Clemens Hösamer Kontakt Profil

Die Bundesnetzagentur (BNetzA) hat am 30. Oktober den endgültigen Untersuchungsrahmen für den Abschnitt D1 des Süd-Ost-Links (SOL) veröffentlicht. Das Teilstück reicht von Pfreimd über Nabburg und Schwandorf bis nach Nittenau. Anlieger, Behörden, Kommunen und Verbände hatten vor her die Gelegenheit, sich zu den Plänen zu äußern - allerdings nur schriftlich. Wegen der Corona-Pandemie waren eigentlich übliche Präsenz-Veranstaltungen nicht möglich.

"Im Abschnitt D1 wurden bei der Bundesnetzagentur in dem Zeitraum vom 28. März bis zum 8. Mai 2020 und im Zeitraum vom 25. Juli bis zum 21. August 2020 insgesamt 84 Stellungnahmen eingereicht", teilte Marta Mituta, Sprecherin der BNetzA, auf Nachfrage der Oberpfalz-Medien mit. 26 Privatleute hätten Stellungnahmen abgegeben, dazu 54 Träger öffentlicher Belange. Das sind unter anderem Kommunen oder Behörden. Vier Stellungnahmen gingen laut Mituta von Vereinigungen ein.

Der 1000 Meter breite Korridor, in dem die Erdkabel einmal liegen werden, ist bereits festgelegt. Wo genau gegraben wird, ist in der laufenden Phase Thema. Netzbetreiber Tennet plant den SOL in der Region und hat bereits einen Trassenvorschlag vorgelegt. Die BNetzA hatte dazu am 22. Juli zunächst einen vorläufigen Untersuchungsrahmen vorgelegt - weil es wegen der Pandemie-Einschränkungen sonst zu Verzögerungen gekommen wäre. Der Bundestag hat wegen Corona das "Planungssicherstellungsgesetz" verabschiedet, das diesen Schritt ermöglichte. Nun hat die Agentur den endgültigen Rahmen festgelegt, in den auch die weiteren Stellungnahmen einflossen. Damit steht fest, welche möglichen Trassen die Tennet prüfen muss - nach einer Vielzahl von Kriterien wie etwa Gesundheits- und Umweltschutz.

Der Abschnitt D1 des Süd-Ost-Links beginnt südwestlich des Autobahnkreuzes Oberpfälzer Wald und endet im Landkreis-Süden jenseits des Regens bei Berglarn (Stadt Nittenau).

Schon im vorläufigen Untersuchungsrahmen hatte die BNetzA der Tennet sieben alternative Trassenabschnitte zur Prüfung auferlegt. Sie betreffen folgende Abschnitte:

  • Querung der Autobahn A 6 südwestlich Diepoltshof (Stadt Nabburg) im Bereich der Kreisstraße SAD 27, dann westlich an Etzelhof vorbei nach Süden zur Kreisstraße SAD 26;
  • Östlich von Schmidgaden ab der Querung der Staatsstraße 2040 zur Bündelung mit den bestehenden Gasleitungen Weiden-Forchheim/Rothenstadt-Schwandorf;
  • Südöstlich von Haselbach (Stadt Schwandorf) entlang des westlichen Korridorrands, um ein Bodendenkmal zu umgehen;
  • Nordwestlich von Gögglbach (Stadt Schwandorf) Richtung Spielberg, ebenfalls zur Umgehung eines bekannten Bodendenkmals;
  • Nordwestlich von Glashütte (Katzdorf, Stadt Teublitz) ab der Bahnstrecke Richtung Osten mit einer alternativen Querung der Autobahn A 93 nördlich einer bestehenden PV-Freiflächenanlage;
  • Zwei Alternativen im Stadtgebiet Nittenau südlich des Regens nahe Berglarn. Die Vorschläge gehen auf Einwände von Eigentümern zurück, die Erweiterungsmöglichkeiten ihrer Höfe sichern wollen.

Diese Alternativen arbeitet Tennet derzeit in das Kartenmaterial ein. Sie sind dann auch im Online-Kartenportal des Netzbetreibers zu sehen, teilte Tennet-Bürgerreferent Johannes Prechtl auf Anfrage mit. Ergänzend dazu sind zwei Alternativen, die die BNetzA aufgrund der eingegangenen Stellungnahmen zusätzlich in den endgütigen Untersuchungsrahmen aufgenommen hat, und die Tennet-Teilprojektleiter Markus Wiesel den Oberpfalz-Medien erläuterte:

  • Westlich des Nebelbergs (südöstlich Lissenthan, Stadt Nabburg) in Richtung Südosten bis zur Staatsstraße 2040, um sowohl den ehemaligen Bergbau-Gruben als auch einem Wasserschutzgebiet aus dem Weg zu gehen;
  • Im Westen Schwandorfs zwischen Sitzenhof und Grain bis zur Kreisstraße SAD 3 und weiter über eine Freifläche Richtung Kühholz. Diese Alternative trägt laut Wiesel Einwänden von Eigentümern Rechnung.

Der Tennet-Konzern hat mittlerweile rund 450 Eigentümer angeschrieben, die im Abschnitt D1 betroffen sein dürften. Mit vielen von ihnen seien Gespräche geführt worden, sagte Johannes Prechtl. Das sollte ursprünglich bei Präsenzveranstaltungen erfolgen - auch hier machte die Pandemie den Plänen einen Strich durch die Rechnung. Die Kontaktaufnahme sei in erster Linie telefonisch erfolgt, sagte Prechtl. Dabei ging es unter anderem um vorhandene Drainagen oder auch bekannte Bodendenkmäler. Viele der Eigentümer haben ihren Grund und Boden schon für andere Nutzungen zur Verfügung gestellt: Etwa im Raum Nabburg und Schwandorf für Gasleitungen. Sie sind nun erneut betroffen.

Der Untersuchungsrahmen der BNetzA ist für Tennet eine Art Aufgabenheft. Die vorgeschriebenen Prüfungen werden nun abgearbeitet. Gegen den Untersuchungsrahmen gibt es kein Rechtsmittel, bestätigte BNetzA-Sprecherin Marta Mituta. Betroffene können also momentan nicht erstreiten, dass weitere Alternativen geprüft werden.

Bis Ende kommenden Jahres - Prechtl spricht von Ende Oktober, Anfang November 2021 - will Tennet die Unterlagen der BNetzA vorlegen. Dann folgt erneut eine öffentliche Auslegung samt Anhörung, und schließlich ein Erörterungstermin, ehe die BNetzA den Planfeststellungsbeschluss fasst. Dieser schafft Baurecht. Gegen den Planfeststellungsbeschluss könne vor dem Bundesverwaltungegericht geklagt werden, erläuterte Mituta auf Anfrage.

Der Süd-Ost-Link:

Von Wolmirstedt nach Landshut

Der Süd-Ost-Link (SOL) ist eine Höchstspannungs-Gleichstromverbindung von Wolmirstedt (nördlich Magdeburg) in Sachsen-Anhalt nach Ohu bei Landshut zu den "Isar"-Atomkraftwerken. Für die Leitung werden zwei 525-Kilovolt-Erdkabel verlegt, Leerrohre für eine potenzielle Erweiterung des Links sind ebenfalls vorgesehen. Der Link soll Strom aus erneuerbaren Energien - vor allem aus Windkraftanlagen - aus dem Norden nach Bayern bringen, wenn die verbliebenen Atomkraftwerke vom Netz gehen. Gegner des SOL verweisen neben Umweltaspekten darauf, dass die Verbindung vor allem dem Stromhandel diene, billigen Kohlestrom nach Bayern bringe und damit der Energiewende entgegenstehe. Politiker vor allem in der nördlichen Oberpfalz hatten ebenso vehement wie erfolglos eine Bündelung der Leitung mit der Autobahn A 93 gefordert. Einige Städte entlang der Trasse - darunter Schwandorf und Weiden - haben bereits Klagen gegen den Link angedroht. Die Große Kreisstadt ist von zwei Maßnahmen des Netzausbaus betroffen: Neben dem SOL, der die Kernstadt im Westen umgeht, steht der Ersatzneubau des Ostbayernrings (OBR) als Freileitung an. Er soll vor allem in Ettmannsdorf wieder durch dicht bebautes Gebiet führen. Der Schwandorfer Stadtrat fordert auch für den OBR eine Erdkabellösung. (ch)

Informationen zum Stand der Planungen:

Der Abschnitt bis Pfreimd:

Pfreimd
Klicken Sie hier für mehr Artikel zum Thema:

Für Sie empfohlen

 

 

 

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.