02.09.2020 - 15:24 Uhr
PfreimdOberpfalz

Süd-Ost-Link bei Pfreimd: Alternative gefordert

Die Planungen für den Süd-Ost-Link im Bereich Pfreimd sind einen Schritt weiter. Die Bundesnetzagentur hat auf einen Einwand der Stadt reagiert.

Zwischen den Streckenkilometern 007/14 und 007/16 liegt das Wassereinzugsgebiet der Stadt Pfreimd. Der Trassenverlauf (grau) soll hier weiter Richtung Autobahn A 6 nach links rücken. Zur Orientierung: Norden ist auf dieser Karte etwa Richtung linkes, oberes Eck.
von Clemens Hösamer Kontakt Profil

Neues vom Süd-Ost-Link: Die Bundesnetzagentur hat am 31. August den Untersuchungsrahmen für die Planfeststellung des Abschnitts "C2" zwischen Marktredwitz und Pfreimd festgelegt. Damit bestimmt die Agentur, welche Unterlagen Netzbetreiber Tennet in dem Verfahren einreichen muss. Wegen der Pandemie-Vorschriften wurde die vorgeschaltete Antragskonferenz im schriftlichen Verfahren vorgenommen.

Online-Verfahren zum Süd-Ost-Link

Pfreimd

Die Netzagentur fordert von Tennet die Untersuchung einer ganzen Reihe von kleinräumigen Trassen-Alternativen. Unter anderem im Bereich Pfreimd: Die Stadt hatte wiederholt auf eine mögliche Gefährdung ihres Trinkwasser-Einzugsgebiets "Brunnenstubenwiesen" hingewiesen. Nun sollen dort zwei alternative Trassenverläufe untersucht werden, die das Gebiet nordwestlich umgehen sollen.

Wichtige Quelle

„Unser Hauptanliegen ist, dass dieses Wassereinzugsgebiet nicht beeinträchtigt wird“, sagte Pfreimds Bürgermeister Richard Tischler (FW) auf Nachfrage der Oberpfalz-Medien. Aus den Quellen der „Brunnenstuben“ zwischen Pfreimd und Weihern gewinne die Stadt etwa ein Drittel ihres Trinkwassers. Der Brunnen selbst liegt in einem Wasserschutzgebiet, das vom SOL nicht tangiert würde. Allerdings sahen bisherige Trassenvorschläge vor, das weitere Gewinnungsgebiet zu queren. Dagegen hatte die Stadt wiederholt ihr Einwände geltend gemacht.

Tina Aldinger von Tennet zeigt ein Modell des Kabels, wie es beim Süd-Ost-Link verwendet werden soll.

Das ging soweit, dass sich die Stadt auch gegen Rammsondierungen auf den Flächen wandte und mit ihrem Anwalt Wolfgang Baumann (Würzburg) deshalb bis vor das Bundesverwaltungsgericht zog. „Wir befürchten, dass durch die Sondierungen Bodenschichtungen durchbrochen werden und Oberflächenwasser in tiefere Schichten vordringt“, sagte Tischler. Per Verfügung sollte die Stadt gezwungen werden, die Sondierungen zu dulden. Das Bundesverwaltungsgericht bat schließlich Tennet darum, vorerst von der erlassenen Duldungsverfügung keinen Gebrauch zu machen. Das wurde eingehalten. „Ich habe das kontrollieren lassen,“ sagte Tischler.

Der Widerstand der Stadt konzentriere sich auf das Einzugsgebiet, sagte Tischler. „Zu einzelnen Grundstückseigentümern kann ich nichts sagen.“ Die Kommune hat auch Trassenvorschläge unterbreitet, die das Einzugsgebiet nicht berühren. Eine Alternative würde das Einzugsgebiet im Norden Richtung A 6 umgehen, die andere sich an der Kreisstraße nah Weihern orientieren.

"Ein Signal"

„Wenn das die Alternativen sind, die jetzt auch vorgeschlagen werden, dann ist das ja zumindest ein Signal“, sagte Tischler. Die genaue Lage der im Untersuchungsrahmen vorgesehenen Trassen-Alternativen hat das Rathaus noch nicht geprüft. Von offizieller Seite sei er über die Festlegung des Untersuchungsrahmens auch noch nicht unterrichtet worden, sagte Tischler.

Ob die Alternativen zum Zuge kommen, ist freilich noch nicht ausgemacht. Tennet ist nun verpflichtet, diese Alternativen nach allen Regeln der Planungskunst zu untersuchen. Die endgültige Trasse für die Erdkabel des Süd-Ost-Links beschließt die Bundesnetzagentur.

Die Einwendungen gegen die bisherigen Trassenvorschläge sollten eigentlich bei einer Antragskonferenz im April zur Sprache kommen. Covid 19 machte dem einen Strich durch die Rechnung. Mit dem Planungssicherstellungsgesetz eröffnete der Bundestag wegen Corona die Möglichkeit, diese Konferenzen im schriftlichen und online-Verfahren abzuhandeln.Tischler nahm an der Online-Sitzung teil: "Als Zuschauer". Denn die Stadt habe von vorneherein auf schriftliche Einwendungen gesetzt, zusammen mit ihrem Anwalt.

Auch beim Wernberg-Köblitzer Ortsteil Saltendorf soll eine Alternative untersucht werden. Dort soll die Trasse von einem Wald weg Richtung Autobahn A 6 rücken. Auf 35 Seiten legt die Netzagentur fest, welche Untersuchungen, Studien und Gutachten die Tennet zum Planfeststellungsverfahren erledigen muss. Die Behörde erwartet die Unterlagen bis zum dritten Quartal 2021. "Wir hoffen auf ein gutes Ergebnis", sagte Bürgermeister Richard Tischler.

Anschließend folgt ein Anhörungsverfahren und eine öffentliche Auslegung. Erst dann folgt die Planfeststellung über die endgültige Trasse. Der Beschluss kann beklagt werden. Neben Pfreimd haben sich eine ganze Reihe von Kommunen in der Region gegen bestimmte Trassenvorschläge oder den Süd-Ost-Link insgesamt ausgesprochen.

Der Süd-Ost-Link ist eine Höchstspannungs-Gleichstromverbindung von Wolmirstedt (nördlich Magdeburg) in Sachsen-Anhalt nach Ohu bei Landshut zu den "Isar"-Atomkraftwerken. Der Link soll Strom aus erneuerbaren Energien aus dem Norden nach Bayern bringen, wenn die verbliebenen AKW vom Netz gehen. Gegner des SOL verweisen neben Umweltaspekten darauf, dass die Verbindung vor allem dem Stromhandel diene, billigen Kohlestrom nach Bayern bringe und damit der Energiewende entgegenstehe.

Der Verfahrensstand kann unter www.netzausbau.de/leitungsvorhaben/bbplg/05/de.html eingesehen werden.

Unser Hauptanliegen ist, dass dieses Wassereinzugsgebiet nicht beeinträchtigt wird.

Bürgermeister Richard Tischler

Bürgermeister Richard Tischler

Klicken Sie hier für mehr Artikel zum Thema:

Für Sie empfohlen

 

 

Videos aus der Region

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.