19.01.2021 - 15:51 Uhr
NabburgOberpfalz

Das tragische Schicksal von fünf Neusather Soldaten

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Sie starben auf dem Schlachtfeld, an Typhus oder Lungenentzündung: An fünf Männer aus Neusath bei Nabburg, die vor 150 Jahren im deutsch-französischen Krieg ihr Leben lassen mussten, erinnert eine Gedenktafel in der Perschener Kirche.

Die Friedenseichen von 1871 am Paradeplatz (heute Oberer Markt) in Nabburg wurden 1965 gefällt. Das Bild zeigt eine Militärparade im Jahr 1904.
von Autor SEFProfil

Wer sich in der romanischen Kirche zu Perschen auf­merksam umsieht, entdeckt am zweiten nördlichen Pfeiler eine bemerkenswerte Kalksteintafel: Seit 150 Jahren erinnert sie an fünf Männer aus der bis 1947 selbstständigen Gemeinde Neusath. Allen gemeinsam ist, dass sie im deutsch-französischen Krieg 1870/71 ihr junges Le­ben einbüßten. In welchen Konflikt von europäischer Dimension waren da brave Oberpfälzer Bauernsöhne geraten?

Wie es zum Krieg kam

1866 hatte das Königreich Bayern an der Seite Österreichs gegen Preußen erfolglos Krieg geführt und schmerzhafte Sanktionen hinnehmen müssen. Außerdem war es durch ein Schutz- und Trutzabkommen an Preußen gekettet. Sollte ein Vertragspartner angegriffen werden, war der Bünd­nisfall gegeben. Mit dem möglichen Aggressor war Frankreich gemeint, das den preußischen Machthunger zunehmend kritisch beäugte. 1870 gelang es Reichskanzler Otto von Bismarck tatsächlich, Kaiser Napo­leon III. von Frankreich mit der „Emser Depesche" zur Kriegserklärung zu überrumpeln. König Ludwig II. musste nun wohl oder übel die Mobilmachung der bayerischen Armee anordnen.

55 000 Bayern wurden Teil der III. Armee unter dem Oberbefehl des Kronprinzen Friedrich Wilhelm von Preußen. General Ludwig von der Tann kommandierte das erste und General Jakob von Hartmann das zweite bayerische Korps. Beide bezogen Stellung in der Pfalz und trugen maßgeblich zu den Anfangs­siegen bei Weißenburg und Wörth am 4. und 6. August 1870 bei.

Ab jetzt verlagerten sich die Kampfhandlungen auf französischen Bo­den. Am 1. September fand die kriegsentscheidende Schlacht von Sedan statt. Das zähe Ringen um Bazeilles und Balan raffte be­sonders viele Bayern dahin. Insgesamt waren auf französischer Seite 17 000, auf deutscher 9000 Tote und Verwundete zu beklagen.

Später waren die bayerischen Truppen bei der Bela­gerung von Paris eingesetzt: In blutigen Winterschlachten eroberten sie Orleans am 3. und 4. Dezember. Bereits am 2. Dezember streckten die französische Armee unter MacMahon und mit ihr Kaiser Napoleon III. die Waffen. Paris kapitulierte erst am 28. Januar 1871. Schon zehn Tage vorher – am 18. Januar 1871 - war König Wilhelm im Spiegelsaal des Versailler Schlosses, der vorher von Verwundeten geräumt werden musste, zum deutschen Kaiser ausgerufen worden. Das Schreiben, in dem Ludwig II. dem Preußen die Kaiser­krone antrug, hatte Bismarck entworfen und der König mit geringen Än­derungen zu Papier gebracht.

Martin Maier aus "Neusaat"

Auf der besagten Kalktafel in der Perschener Kirche, vor der hin und wieder zwei Kerzen entzündet werden, wird als Erster Martin Maier aus „Neusaat“ genannt. Am 24. Februar 1846 geboren, hatte er den Rang eines Vice-Corporals inne, gehörte also dem Unter­offizierskorps an. Damals gliederte sich die bayerische Infanterie in 16 Regimenter. Ihre Ausrüstung war 1868 einer gründlichen Revision unterzogen worden. Martin Maier gehörte zum 10. Infanterieregiment, dessen Inhaber Prinz Ludwig war. Es war 1870 in den Schlachten bei Wörth, Beaumont, Sedan, Bazoches-les-Hautes, Orleans und Beaugenzy eingesetzt. Au­ßerdem belagerte es 1871 Paris. Vice-Corporal Maier fiel im Waffengang um Sedan.

Auch Soldaten aus Amberg an der Front

Amberg

Die anderen vier jungen Männer aus der Gemeinde Neusath dienten als einfache Soldaten im 6. Infanterieregiment. Diese Einheit nahm Weißenburg ein, kämpfte bei Wörth und Sedan und postierte sich schließlich vor Paris. Michael Thanner starb bereits am 18. Oktober 1870 - also nach der Schlacht von Sedan – in einem Feldspital an Dysenterie, einer infektiösen Darmerkrankung. Er war lediglich 21 Jahre alt geworden.

Michael Gaßner verschied – 24 Jahre jung – ebenfalls in einem Lazarett, und zwar am 24. Oktober 1870 an Typhus. Aus Haindorf – ehedem Ortsteil der Gemeinde Neusath – stammte der 25-jährige Johann Friedrich Winkler. Im Kampf bei Orleans ver­wundet, hatte er sich ebenfalls mit Typhus angesteckt und war wenig später daran verstorben. Der 23-jährige Lorenz Hösl erlag im Lazarett Würzburg am 1. April 1871 einer Lungenentzündung.

Friedenseichen am Oberen Markt

Nach dem „glorreichen“ Ende des Krieges fanden allenthalben im neuen deutschen Reich Siegesfeiern statt. Nabburg schloss sich davon nicht aus. So wurden am 8. März 1871 unter großer Beteiligung der Einheimischen zwei Friedenseichen am Paradeplatz (heute Oberer Markt) gepflanzt. Am Abend gab es im Gasthof „Zum Schwan“ (heute Sparkasse) eine festliche Soiree. Der Saal war dekoriert mit 30 Schildern, welche die Namen und Daten der Schlachten und eroberten Festungen trugen.

150 Jahre später ist von Kriegsstimmung zwischen Deutschland und Frankreich keine Rede mehr, bestehen doch seit langem gut nachbarschaft­liche, ja freundschaftliche Beziehungen. Viel zu dieser Bewusstseinsänderung haben Städtepartnerschaften beigetragen. Eine davon exis­tiert seit 1986 zwischen Castillon-la-Bataille und Nabburg. „Die jahr­hundertelange, leidvolle Geschichte, in der sich beide Länder feindlich gegenüberstanden, ist uns Verpflichtung, die Zukunft in Frieden und Freiheit zu gestalten“, betonte damals Bürgermeister Alois Kraus als Vorsitzender des Fördervereins der Städtepartnerschaft.

Quellen: Bosl, Karl, Bayerische Geschichte, München 1971; Spindler, Max: Bayerische Geschichte im 19. und 20. Jahrhundert, München 1978; Münich, Friedrich, Geschichte der Entwicklung der bayerischen Armee, München 1864 Institut für Medizingeschichte in Erlangen Staatsarchiv Amberg, Bezirksamt Nabburg 435 und 796; Dausch Ernst, Nabburg. Geschichte, Geschichten und Sehenswürdigkeiten einer über 1000 Jahre alten Stadt, Nabburg 1998

Diese Gedenktafel in der Kirche Sankt Peter und Paul in Perschen erinnert an die fünf Neusather Soldaten.
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