14.09.2018 - 17:58 Uhr
NabburgOberpfalz

Vieregg sieht sich bestätigt

Martin Vieregg fordert, die „Amtslösung“ zur Beseitigung des Bahnübergangs zu den Akten zu legen. Er meint, es sei jetzt der richtige Zeitpunkt, um auf seine Alternativ-Planung mit Trog und Deckel umzuschwenken.

Martin Vieregg verteidigt seine Lösung zum Bahnübergang-Problem in Nabburg.
von Externer BeitragProfil

In der letzten Stadtratssitzung hatte Bürgermeister Armin Schärtl (SPD) in einer Bekanntgabe in eigener Sache erklärt, dass Martin Vieregg scheinbar wieder für die CSU und Otto Zeitler tätig sei. Das hat Vieregg nun in einer Mitteilung an die Redaktion dementiert (Im Blickpunkt). Zugleich legte er ausführlich dar, dass er sich mittlerweile bestätigt sehe, mit seiner Planung zum Thema Bahnübergang den richtigen Weg eingeschlagen zu haben.

"Wir haben in unseren letzten zwei Schreiben an das Bayerische Innenministerium noch letzte strittige Fakten klargestellt, und hierbei wurde uns nicht mehr auf fachlicher Ebene widersprochen, weder vom Straßenbauamt noch vom Ministerium. Dies ist das Ende eines von Staatssekretär Eck moderierten dreijährigen Abstimmungsprozesses zwischen der Vieregg-Rößler GmbH und dem Straßenbauamt. Die Planung der Vieregg-Rößler GmbH aus dem Jahr 2013 hat sich als vollständig korrekt herausgestellt, es ist kein strittiger Punkt mehr verblieben, auch wenn der Vertreter des Straßenbauamtes dies beim Erörterungstermin anders dargestellt hat und sich dabei noch abfällig über den dreijährigen Abstimmungsprozess und den Staatssekretär geäußert hat", teilte er mit.

Die Fakten sind laut Vieregg eindeutig: "Die VR-Lösung ist ein Drittel billiger als die Amtslösung. Andere Aussagen des Straßenbauamtes basieren auf manipulierten Vergleichstabellen mit Einheitswerten, die um den Faktor 3 auseinanderliegen. Das heißt, bei beiden Planungsvarianten wurden für dieselbe Bauleistung (zum Beispiel ein Quadratmeter Betonwand) um Faktor 3 unterschiedliche Kosten angesetzt. Der Grund für die Kostendifferenz liegt vor allem daran, dass das Volumen des Straßentroges bei der Amtslösung um 38 Prozent größer ist als beim Eisenbahntrog der VR-Lösung und dass der Eisenbahntrog nicht im Grundwasser gebaut werden muss - hierzu gibt es sogar ein ingenieur-geologisches Gutachten, das die Annahmen der Vieregg-Rößler GmbH bestätigt. Inzwischen musste man feststellen, dass bei der Amtslösung Bohrpfahlwände im festen Gneis gebohrt werden müssen. Hier bewegt man sich an der Grenze der technischen Machbarkeit, was erhebliche Auswirkungen auf die Bauzeit und die Baukosten hat. Bohrpfähle im Gneis sind mindestens zehnmal teurer als im nicht festen Boden. Die VR-Lösung bleibt mit nur fünf Meter maximaler Tieflage des Bauwerkes durchweg oberhalb des Gneises, der erst ab acht Meter Tiefe angetroffen wird."

100 bis 200 Güterzüge

Vieregg weiter: "Wegen der fehlenden Anbindung der Georgenstraße müssen die Nabburger bei der Amtslösung Umwege fahren, die sich laut offizieller Verkehrsprognose alle zwei Wochen auf die Länge des Erdumfangs aufsummieren, pro Jahr die 2,6-fache Entfernung Erde-Mond.

Die VR-Lösung kann man auch ohne den umstrittenen Abschnitt Austraße-Baywa-Rankenweg realisieren, dieser ist dann nur optional.

Bei der Amtslösung ist eine Ampelanlage an der Abzweigung Austraße (beim Kottek-Gebäude) geplant, und unmittelbar vor der Ampel eine siebenprozentige Steigung. Der Rückstau wird sich auch außerhalb der Hauptverkehrszeit bis zum Tiefpunkt des Troges erstrecken. Das heißt, die meisten Fahrzeuge, auch schwere Lkws, müssen in einer Sieben-Prozent-Steigung wieder anfahren. Vor allem im Winter kann dies zu chaotischen Verkehrsverhältnissen führen.

Für die geplante Eisenbahn-Ausbaustrecke werden nach offiziellen Zahlen 75 Güterzüge prognostiziert. Inzwischen hat man jedoch den Ausbau des Bahnknotens München in weite Ferne verschoben, so dass er als leistungsfähiger Zulauf zum Brenner auch mittelfristig nicht mehr zur Verfügung steht. Die Bahnstrecke Hof-Regensburg-Mühldorf wird künftig sowohl für den Brenner-Zulauf als auch für den Tauern-Zulauf (Anbindung der Adriahäfen) genutzt, wobei letzterer in den deutschen Verkehrsprognosen noch gar nicht vorkommt und heute schon im Schienengüterverkehr 75 Prozent des Aufkommens des Brenners aufweist. Die geplante Hauptgüterzug-Route Bremen/Hamburg/Berlin - Leipzig - Hof - Regensburg - Mühldorf (- Rosenheim/Freilassing) ist die einzige engpassfreie Zulaufstrecke zu diesen zwei Alpenübergängen. Realistisch sind jetzt vielmehr 100 bis 200 Güterzüge pro Tag in Nabburg. In Österreich geht man sogar von noch deutlich höheren Zugzahlen aus.

Wegen der hohen Güterzugzahlen drohen mit der Amtslösung fünf Meter hohe Lärmschutzwände, die sich zusammen mit der ohnehin rund drei Meter hohen Dammlage der bestehenden Bahnstrecke dann auf acht Meter aufsummieren. Von der Venedig aus gesehen, werden von der Unterstadt nur noch die Dächer herausspitzen. Angesichts der hohen Zugzahlen wäre es sogar sinnvoll, bei der VR-Lösung die Tieferlegung noch um 100 bis 200 Meter nach Norden zu verlängern, um eine größere Absenkung auch im Bereich Alter Brückenweg zu erzielen."

Rückstand im Verfahren

Vieregg abschließend: "Nachteile gibt es bei der VR-Lösung gegenüber der Amtslösung keine, mit Ausnahme der Tatsache, dass inzwischen ein Rückstand beim Genehmigungsprozess besteht. Dies gab für den Staatssekretär dann auch den Ausschlag, an der alten Planung festzuhalten. Warum die VR-Lösung 'nicht zielführend' sein soll, bleibt das Geheimnis von Herrn Schärtl. Angesichts der sich abzeichnenden jahrelangen Prozesse im Bereich Baywa und der neuen Entwicklung bei den Güterzugzahlen ist es jetzt der richtige Zeitpunkt, mit der VR-Lösung erster Abschnitt (Venedig - Austraße) zügig in das Genehmigungsverfahren zu gehen und die kostenmäßig inzwischen völlig aus dem Ruder gelaufene Amtslösung endgültig zu den Akten zu legen. Jede andere Vorgehensweise wäre unverantwortlich und gegenüber den (auch künftigen) Bewohnern Nabburgs unverzeihlich."

Im Blickpunkt:

Zur Aussage von Bürgermeister Armin Schärtl in der letzten Stadtratssitzung erklärte Martin Vieregg nun: "Ich möchte richtigstellen, dass ich für die Teilnahme am Erörterungstermin zur Planung der Bahnübergangsbeseitigung in Nabburg vor der Planfeststellungsbehörde ohne Auftrag gehandelt habe. Ich habe ein persönliches Interesse an der Realisierung der VR-Lösung, für die die Vieregg-Rößler GmbH über Jahre in erhebliche finanzielle Vorleistung gegangen ist. Außerdem handle ich im Sinne des Steuerzahlers und der Stadt Nabburg. Der damalige Stadtratsbeschluss für die Amtslösung und gegen die VR-Lösung beruhte schlicht auf Falschaussagen des Straßenbauamtes. Wenn der Stadtrat von Anfang an korrekt informiert worden wäre, hätte man zweifelsfrei längst auf die VR-Planung umgeschwenkt."

Die Planung der Vieregg-Rößler GmbH aus dem Jahr 2013 hat sich als vollständig korrekt herausgestellt, es ist kein strittiger Punkt mehr verblieben.

Projektleiter Martin Vieregg

Klicken Sie hier für mehr Artikel zum Thema:

Für Sie empfohlen

 

 

Videos aus der Region

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.