04.10.2021 - 08:20 Uhr
Neudorf/Luhe-WildenauOberpfalz

Vor zehn Jahren in Neudorf bei Luhe entstanden: Der Neidaffer Plattlclub

Der Neidaffer Plattlclub aus Neudorf entstand aus Spaß am Plattln. Heute tritt er regelmäßig auf und zeigt seinem Publikum klassische und moderne Choreografien. Eine Veranstaltung im Ort war damals der Auslöser für die Gründung.

Fonse (links) moderiert die Auftritte des Neidaffer Plattlclubs. Bei der Probe plattelten er, Gustl, Hias, Beda, Kordl, Vitus und Dammer.
von Susanne Forster Kontakt Profil

Wenn Gustl, Kordl, Vitus, Hias, Beda, Dammer und Fonse Wochenende haben, schlüpfen sie in ihre Lederhosen und fahren in eine Maschinenhalle. Fonse schiebt eine massive Holztür zur Seite. In der geräumigen Fahrzeughalle steht ein Traktor, ein Kipper, es riecht nach Holz. Aus einer Ecke schallt Partymusik – an manchen Tagen ist die Halle auch der Übungsraum des Neidaffer Plattlclubs. „Seid ihr alle aufgewärmt?“, fragt Fonse, der eigentlich Tobias Hero heißt. Der Neudorfer ist Moderator des Plattlclubs und seit Beginn an "mit ganzem Herzen" dabei.

Aus der Musikbox schallt die Musik von Hubert von Goisern. Die Männer stehen aufgereiht und klatschen in ihre Hände, plötzlich ein Schrei und ein lautes Pfeifen. Der Gesang setzt ein, und die Männer schlagen ihre Hände auf die Oberschenkel: abwechselnd auf ihre eigenen und auf die ihres Nachbarn. Ihre Beine bewegen sich schnell, und es kracht vom Aufschlag der Hände. Schmerzende Oberschenkelvorderseiten nach Auftritten? Seien selten der Fall, meint Fonse. „Wenn man nicht so viel unterwegs ist und dann wieder ein, zwei Auftritte hat, kann es schon sein, dass man einen Muskelkater hat", ergänzt er. Vier der Männer stehen Rücken an Rücken und haken ihre Arme ineinander. Zwei der Plattler knien auf dem Boden. Über ihre Rücken rollen sich die ineinander verhakten Männer.

Viele Stunden Übung

Die Beine bewegen sich flink und zeitgleich – dahinter stecken viele Stunden Übung. „Die Schwierigkeit ist, dass es bei allen synchron ist. Da hilft nur proben, proben, proben.“ Um die parallelen Bewegungen zu perfektionieren, helfen Videoclips. Drei bis vier Monate müssen die Männer üben, damit eine Choreografie bühnenreif sitzt. Ein Auftritt dauert normalerweise eine halbe Stunde. „Wenn die Leute gut drauf sind, machen wir weiter.“ Fonse gibt zu: „Es ist schon anstrengend, um die 30 Minuten aufzutreten, und man kommt dabei schon ziemlich ins Schwitzen.“ Bis zu drei Auftritte pro Abend kann die Gruppe leisten, schätzt er. „Wenn du es jedes Wochenende machst, entwickelst du eine gewisse Kondition.“ Eine gewisse Beweglichkeit und Sportlichkeit seien jedoch Grundvoraussetzung für ihr ganz eigenes Konzept des Schuhplattlns.

Denn die Männer können nicht nur klassische Plattler wie den "Holzhacker", sondern plattln auch zu modernen Partysongs, für die sie ihre eigenen Choreografien mit akrobatischen Einlagen entwickeln. Rund 40 Titel haben sie in ihrem Repertoire, darunter "Highway to hell" in der Version der Troglauer Buam, "Partyplanet" von den Fääschtbänklern oder "Hulapalu" von Andreas Gabalier. Bei der Liederauswahl verlassen sich die Plattler auf ihr Taktgefühl. Infrage kommen Lieder im Vierviertel- oder Siebenachtel-Takt. „Du gehst die Lieder gedanklich durch, ob sie funktionieren. Dann überlegst du, welches Schema passt.“ Die gewisse Grundplattlabfolge peppt der Neidaffer Plattlclub auf. Zum Beispiel mit dem Schwingen der Arme oder dem Überkreuzen der Beine. „Das kommt im normalen Schuhplattln nicht so oft vor – bei uns sehr häufig.“

Tradition mit Moderne verbinden

Die Geschichte des Plattlclubs beginnt vor zehn Jahren. Als im Oktober 2011 die Neudorfer Kirwa feierten, führten einige Kirwaburschen einen traditionellen Schuhplattler auf. „Das hat uns einfach so viel Spaß gemacht, dass wir gesagt haben, wir wollen weiterplattln“, sagt Fonse. Die damals zwischen 16 und 20 Jahre alten Burschen aus Neudorf und Umgebung schlossen sich zum Neidaffer Plattlclub zusammen. Und waren schon bald darauf vielerorts für Auftritte unterwegs. Überwiegend in Bayern, aber auch in ganz Deutschland und außerhalb des Landes, zum Beispiel in der Schweiz oder Österreich: „Von der Hochzeit bis zum Geburtstag bis zum Riesenvolksfest vor fünftausend Leuten.“ Doch auf die Größe des Publikums komme es weniger an, sondern auf seine Stimmung, meint Fonse. „Wenn wir moderne Hits einbinden, sind die Leute einfach perplex und überrascht. Und wenn am Ende alle stehen und klatschen, das ist der Moment, für den wir das alles machen.“ Auch wenn der Anspruch an die Gruppe mittlerweile hoch ist, mache das Plattln allen nach wie vor Riesenspaß.

In der Maschinenhalle läuft nun ein Partyhit von Andreas Gabalier. Die Männer plattln mit schnellen Bewegungen. Plötzlich machen zwei von ihnen einen Handstand, ihre Beine gleiten in die Hände zweier Kollegen. Während die sich drehen, hängen die anderen beiden kopfüber und strecken ihre Arme aus. Sie wechseln rasch ihre Positionen und stehen nach einigen Umdrehungen wieder auf den Beinen. Impulse für ihre Plattl-Abfolgen sammeln sie hauptsächlich im Alltag. „Am Ende vom Jahr schmeissen wir alles auf einen Tisch. Die Grundidee wird dann am Schreibtisch entworfen. Dann ist die Probe. Und am Ende kommt eine komplette Choreografie auf ein Lied raus.“ Sie studieren mindestens ein neues Stück pro Saison ein. „Unser Ansatz ist, die Tradition mit der Moderne zu verbinden und so ein bisschen was anderes entstehen zu lassen.“ Das kommt an beim Publikum: Die beliebtesten Lieder seien die modernen, sind sich die Plattler einig. Auch wenn es vereinzelt kritische Stimmen gebe, etwa von denjenigen, die den Schuhplattler lieber in der traditionellen Variante sehen möchten.

Beweglichkeit und Taktgefühl

„Vor zehn Jahren hat keiner gedacht, dass wir einmal mehrere Auftritte pro Jahr haben werden. Social Media hat uns groß gemacht", sagt Fonse. Die Plattler sind seit ihrer Anfangszeit bei Facebook und Instagram aktiv und zeigen dort unter anderem Eindrücke einiger Auftritte. Geplattelt haben die Männer seitdem zum Beispiel bei der TV-Show „Das Supertalent“, in der deutschen Botschaft in Athen oder auf der Flosser Kirwa. „Wir haben angefangen auf einem kleinen Geburtstag mit ein paar Leuten, einfach zwecks der Gaudi.“ Das war in ihrem Gründungsjahr 2011. Noch im selben Jahr wuchs die Nachfrage. Im März 2012 traten sie das erste Mal vor mehreren Tausend Menschen auf. „Das war die Zündung“, beschreibt Fonse. Ihren regionalen Durchbruch hatten sie im Herbst 2012, als sie im Weidener City Center plattelten. Danach folgten die ersten Anfragen für öffentliche Veranstaltungen.

„Wir haben mit 25 Auftritten pro Jahr gestartet. Mittlerweile machen wir durchschnittlich 40 bis 50 – wenn kein Corona ist.“ 2020 mussten die Plattler, wie viele Künstler, eine Pause einlegen. Insgesamt sieben Mal sind sie im vergangenen Jahr aufgetreten. Seit diesem Sommer haben sie wieder mehr Auftritte. Fast zwölf Monate dauert ihre Saison: von Faschingsbeginn bis etwa Oktober. Die Männer treffen sich normalerweise wöchentlich für eine Probe. Wenn sie, wie vor der Pandemie, zeitweise fast jedes Wochenende auftreten, sind sie als Team so gut eingespielt, dass sie kaum üben müssen. Und auch innerhalb der Gruppe können sie flexibel sein – denn nicht jedes der insgesamt zwölf Mitglieder ist bei jedem Auftritt dabei. Normalerweise treten sechs bis sieben Plattler auf. „Grundsätzlich kann jeder von uns jede Position plattln“, erklärt Fonse. Das Plattln lernen, sagt er, „kann jeder, der halbwegs beweglich ist, ein bisschen ein Taktgefühl mitbringt und Spaß an der Sache hat“.

Fledermäuse in Hohenburg

Hohenburg

Das Ovigo-Tehater aus Oberviechtach

Oberviechtach
Hintergrund:

Der Schuhplattler

  • Beim Schuhplattln schlägt der Plattler mit seinen Händen auf die Schuhsohlen und Oberschenkel. Auch Stampfen und Hüpfen gehört dazu
  • Seinen Ursprung vermutet man im Mittelalter. Damals war er ein Werbungstanz, mit dem Burschen versuchten, die Gunst einer Frau zu gewinnen. Es wird ihm auch eine Ähnlichkeit zum Balztanz des Auerhahns nachgesagt
  • Ungefähr ab Mitte des 19. Jahrhunderts entwickelte sich das Gruppenplattln und es entstand das Schuhplattln in Vereinen
ECHT.OBERPFALZ:

Serie: Besondere Menschen und Orte in der Region

Was macht die Oberpfalz so einzigartig? - Dieser Frage gehen die Volontäre von Oberpfalz-Medien auf den Grund. Anlässlich des diesjährigen Dreifach-Jubiläums im Medienhaus wollen sie die Vielfalt der Region würdigen. Sie suchen für die Serie "echt. Oberpfalz" nach besonderen Menschen, kreativen Köpfen, bunten Hunden, außergewöhnlichen Vereinen oder verrückten Traditionen, die unsere Heimat so einzigartig machen. Die Volontäre fahren einmal quer durch die Oberpfalz und machen Halt an berühmten und auch vielleicht nicht so berühmten Orten. Den Auftakt macht die Biodiversitätsgemeinde Tännesberg. Und es sollen noch viele weitere Städte und Gemeinden folgen. Bei Ihnen gibt es auch etwas Besonderes und Einzigartiges in Ihrem Heimatort? Dann schreiben Sie uns an jubi[at]oberpfalzmedien[dot]de. Vielleicht schauen unsere Volontäre auch in Ihrer Heimat vorbei.

 

 

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.