18.06.2018 - 19:29 Uhr

Neue Heimat für alte Lokomotiven

Amberger und Regensburger Eisenbahnvereine arbeiten zusammen. Weil in Regensburg kein Platz mehr ist, steht jetzt eine Kleinlok auf dem Gelände der Amberger Kaolinbahn (AKB).

Nach getaner Arbeit (von links): 2. AKB-Vorsitzender, Professor Dr. Matthias Gruschwitz, 1. RSWE-Vorsitzender Thomas Mattusch, sein Stellvertreter Jürgen Frommer und RSWE-Vorstandsmitglied Wolfram Saalberg vor der Köf II. Harald Mohr
Nach getaner Arbeit (von links): 2. AKB-Vorsitzender, Professor Dr. Matthias Gruschwitz, 1. RSWE-Vorsitzender Thomas Mattusch, sein Stellvertreter Jürgen Frommer und RSWE-Vorstandsmitglied Wolfram Saalberg vor der Köf II.

Da werden die Autofahrer auf der A 93 gestaunt haben, als eine Lok vor ihnen herfuhr. Sie musste nämlich auf dem Tieflader die Reise antreten, weil man auf der Schiene erst umständlich eine „Lauffähigkeitsbescheinigung“ hätte beantragen müssen.

Während die Kleinlok vom Typ Köf II (siehe Infokasten) eine Art Dauerleihgabe aus Regensburg ist, kaufte die AKB auch gleich noch einen „Gleiskraftwagen“ der Baureihe Klv (Kleinwagen mit Verbrennungsmotor) von der Regensburger Hafenbahn, den der Autokran gleich mit aufs neue Gleis hieven konnte. Die Aktion soll erst der Anfang sein. Während die RSWE (Regensburger Straßenbahn-, Walhallabahn- und Eisenbahnfreunde) ihr Gelände am Hafen komplett räumen muss, aber über viele Schienenfahrzeuge verfügt, gibt es bei der AKB zwar genügend Platz, aber bisher nur zwei kleine Diesellokomotiven.

Der im Jahr 2010 gegründete Verein hat jetzt auch einen über 25 Jahre laufenden Nutzungsvertrag mit den Grundstücksbesitzern Peter und Ulrich Stadler abgeschlossen, in dem dem Verein eingeräumt wird, die Drehscheibe und den Lokschuppen zu nutzen. „Damit ist die Sanierung des Lokschuppens auch förderfähig geworden“, freut sich der Zweite Vorsitzende der AKB, Professor Dr. Matthias Gruschwitz.

Als erste Baumaßnahme soll noch heuer die Sanierung des kaputten Daches in Angriff genommen werden. Später sollen wieder Gleise zum Lokschuppen verlegt werden. Sie waren entfernt worden, als der Schuppen über Jahre hinweg als Garage für Omnibusse genutzt wurde.

Wenn alles fertig ist, können Schienenfahrzeuge geschützt im Lokschuppen abgestellt werden. Wer sich das Amberger Gelände und die Fahrzeuge anschauen will, hat beim nächsten „Drehscheibenfest“ am 24. Juni Gelegenheit. Dann wird auch die Feldbahn erstmals im Einsatz sein. (moh)

Info:

Was ist ein(e) Köf II?

Die Abkürzung Köf II steht für „Kleinlok mit (Diesel-)Ölmotor und Flüssigkeitsgetriebe der Leistungsklasse II. Diese Loks dienten vor allem auf kleinen Bahnhöfen im Rangierbetrieb. Auch in der Oberpfalz waren sie weit verbreitet. Schon in den dreißiger Jahren waren verschiedene Bauformen solcher Kleinloks zu Hunderten gebaut worden, und zwar um der Konkurrenz durch die aufkommenden Lastwagen zu begegnen. Die Kleinloks übernahmen den Rangierdienst auf kleinen Bahnhöfen, damit die Nahgüterzüge zügig weiterfahren konnten und nicht mehr selbst rangieren mussten. Bei der Deutschen Bundesbahn wurden bis 1965 nochmals 731 weiterentwickelte Köf II gebaut (125 PS, 17 Tonnen Gewicht). Im neuen Nummernschema von 1968 wurde die Loks als Baureihe 322, 323 und 324 eingereiht. Typisch sind die niedrig liegenden Führerstände, die es dem Lokführer ermöglichten, zum An- und Abkuppeln schnell ein- und auszusteigen.

Bekannt waren die Köf II auch durch ihr rasselndes Fahrgeräusch, das durch die Antriebsketten verursacht wurde. (moh)

Präzisionsarbeit für den Kranführer: Die Lok wird vom Tieflader aufs Gleis gesetzt. Harald Mohr
Präzisionsarbeit für den Kranführer: Die Lok wird vom Tieflader aufs Gleis gesetzt.
Von Hand wird die Köf in Amberg aufgegleist. Harald Mohr
Von Hand wird die Köf in Amberg aufgegleist.
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