01.06.2020 - 13:39 Uhr
Neuenhammer bei GeorgenbergOberpfalz

Wasserfrau schwebt zum Zottbach

Mit der Aufstellung der Skulptur "Des Windes Heulen" geht es weiter mit der Errichtung des Sagen- und Märchenpfads "Auf Schönwerths Spuren im Zottbachtal" bei Georgenberg.

Johann Walbrunn und Johann Maurer (von rechts) sowie Engelbert Süß und Erika Eichenseer (von links) sind vollauf zufrieden und sprechen von einem wahren Kunstwerk. Das Lob gilt allen Beteiligten.
von Josef PilfusekProfil

Johann Walbrunn und Erika Eichenseer waren sich einig und sprachen von einem erfolgreichen Tag. Sowohl der Präsident der Franz-Xaver-von Schönwerth-Gesellschaft als auch seine Stellvertreterin würdigten am Freitag die Leistungen an der Aufstellung der von Engelbert Süß aus Pfreimd angefertigten Skulptur „Des Windes Heulen“ auf dem Sagen- und Märchenpfad „Auf Schönwerths Spuren im Zottbachtal“.

Dabei hatte die Aktion mit einem kleinen Dämpfer begonnen. Der vom Waidhauser Unternehmer Robert Lindner georderte Kran konnte den von der Karl Fröhlich GmbH in Altenhammer gefertigten fünf Tonnen schweren Granitstein nicht setzen. Was tun? Ein kurzer Anruf und die ein Kran der Weidener Firma Rank war zur Stelle.

„Noch ein bisschen nach links drehen“, merkte der Künstler an, bis der Riesenstein schließlich am Platz stand. „Der Standort ist perfekt“, freute er sich schließlich und war ebenso zufrieden wie Bürgermeisterin Marina Hirnet und ihr Vorgänger Johann Maurer, der eifrig selbst mit Hand angelegt hatte.

Robert Lindner hievte mit einem guten Auge und viel Gefühl mit seinem Kran die Skulptur „Die Wasserfrau“ auf den Stein. Der Bronzeguss stammt von der Anton Gugg Glocken- und Kunstgießerei in Straubing. „Ende gut, alles gut“, war schließlich die Feststellung aller an der Aufstellung Beteiligten. Beteiligt war auch Elektromeister Christian Käs aus Waldkirch und die Mitarbeiter des Granitwerks samt Chef Karl Fröhlich.

Erika Eichenseer sprach von einer „wunderbaren Erfahrung, das Räderwerk der Profis in Aktion zu beobachten“. Die Wasserfrau stehe nun da, als ob sie schon immer dorthin gehören würde.

Station zwei am Sagen- und Märchenpfad:

„Des Windes Heulen“

Ein Förster hatte einen Sohn. Dieser bekommt den Dienst nicht, als der Vater gestorben ist, und geht also in die Fremde, um sein Brot zu suchen. Auf dem Wege verirrt er sich in einer Wildnis. Er hat nur mehr ein Stück Brot, und das isst er. Danach wird er durstig und sucht nach einer Quelle.

Er findet einen Fußsteig, geht ihm nach und gelangt zu einem Brunnen, aus welchem eine wunderschöne Frau Wasser schöpft. Sie bietet ihm einen Trunk, er trinkt. Sie fragt ihn, wohin er ziehe. Er antwortet: „In die Fremde, einen Dienst zu suchen.“

„Den kannst du bei mir haben, wenn du willst“, entgegnet sie ihm. Sie ist schön, und so folgt er ihr in ihr Haus am Brunnen. Bald finden sie sich zusammen und feiern Verlobung. Doch eine Bedingung muss er zuvor eingehen, nämlich dass er an keinem Donnerstag nach ihr fragen solle. So leben sie glücklich fast 14 Jahre lang, und sieben Knaben hat sie ihm geboren, als er dann doch neugierig wird, welches das Geheimnis seines Weibes sei.

Noch war das 14. Jahr nicht um, da sieht er an einem Donnerstag durch das Schlüsselloch in ihr Gemach und erblickt sie, in einer Badewanne sitzend, unten in der Gestalt eines Fisches. Des anderen Tages tritt das Weib zutraulich zu ihm hin, er aber stößt sie zornig zurück. Mit einem Drachen wolle er nicht leben. Da weint sie bitterlich. Hätte er nur die zweimal sieben Jahre durchgemacht, wäre sie erlöst gewesen, denn sie sei von ihrer Mutter aus verwünscht. Nun müsse sie in der Luft herumfliegen bis an den jüngsten Tag.

„Des Windes Heulen wird meine Stimme, das Wirbelgestäube meine Speise, meine Tränen mein Trank sein“, wehklagt sie. Da will er sie zurückhalten, sie aber entweicht ihm und fliegt immer ums Haus. An jedem der sieben Fenster sitzt eines ihrer Kinder. Zu diesen weint sie hinein, Abschied zu nehmen, und die Kinder winseln ihrer Mutter nach und werden von ihr nachgezogen. Ihre Stimmen sind das feine klagende Winseln des Windes.

Das sogenannte „Tüpfelchen auf dem I“ ist bei dem Werk die angebrachte Holztür mit einem Schlüsselloch. Wer nämlich durch dieses schaut, kann die Skulptur „Die Wasserfrau“ genau erkennen. „Besser geht’s nicht“, waren sich alle einig. (pi)

Die Wasserfrau schwebt am Kran herein.
Die Wasserfrau schwebt am Kran herein.

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