Neuhaus/Windischeschenbach
28.05.2018 - 01:37 Uhr

"I spül, bis e nimma kann"

Er wird nicht in die Oberpfalz ziehen, da spielt seine Muse Cora nicht mit. Gottseidank. Denn er will ja gar nicht weg von der Isar und von München, der Willy Michl, aber er kommt in seinem 70. Sommer wieder auf Besuch. Hoffentlich.

Ein Mann und seine Gitarre: Säße im Publikum nicht seine Frau und Muse Cora, der er immer wieder seine Liebe bekundet, man wäre sicher, Willy Michl sei mit dem Instrument verheiratet. Glücklich verheiratet! eig
Ein Mann und seine Gitarre: Säße im Publikum nicht seine Frau und Muse Cora, der er immer wieder seine Liebe bekundet, man wäre sicher, Willy Michl sei mit dem Instrument verheiratet. Glücklich verheiratet!

Er mochte den Willy früher gern, sagt der Freund, aber er mag ihn nicht mehr, seit er Indianer geworden ist. Und geht nicht mit zum Konzert. Was ist schlimm daran, Indianer geworden zu sein? Er war ja vorher schon weißer Neger, der Willy Michl. Also allein zum Konzert eines Mannes, von dem man bis dahin nicht viel mehr als dessen legendäres "Isarflimmern" kannte.

Lustig schaut er aus, wie er da hinter einem Tisch mit seinem Buch und seinen CDs sitzt. Neben ihm seine Frau und Muse Cora, die ihm noch schnell die Schultern massiert, ehe er auf die Bühne im Neuhauser Schafferhof geht, die er schon so gut kennt, auf der er beinahe jedes Jahr spielt. Ein Berg von einem Mann in Leggings und Lendenschurz darüber. Die Gitarre darf nur Cora ihm reichen und der gibt er noch Anweisungen, wie sie sie anzufassen hat.

Der Live-Gigant

Und dann setzt er sich auf den Wirtshausstuhl, auf den sie ihm ein weißes Fell gelegt haben, und greift in die Saiten. Von dem Moment an weiß man, dass da oben auf der Bühne einer spielt, den man nur live wirklich kennenlernen kann. Ungefähr zweieinhalb Stunden spielt sich Willy Michl kreuz und quer durch eigene Kompositionen, zu eigen gemachte Welthits, wobei er auch vor der Bayern-Hymne nicht halt macht, und improvisiert gegen Ende zunehmend kühner und ohne jedes falsche Feigenblatt vor dem Mund.

Bayer aus Leidenschaft

Er beherrscht wohl auch die zarten, leiseren Töne, aber an diesem Abend im Schafferhof verlangt er den Saiten seiner Ovation Adamas mindestens soviel ab wie den Nägeln seiner rechten Hand, die mehrmals nachgefeilt werden müssen. So wie er da sitzt und singt und spielt, kann man sich nicht vorstellen, dass es Tage im Leben dieses Mannes gibt, an denen er seine Gitarre im Eck stehen lässt. Mit der Ovation im Arm singt er seiner Cora in Neuhaus Liebeslieder, singt seine Lieder zum Schutz von Mutter Erde und improvisiert ellenlang über amerikanische Gassenhauer wie "Sittin´ On The Dock of the Bay". Und wenn er dann "Erhalte dir die Farben deines Himmels, Weiß und Blau" aus der Bayern-Hymne singt, klingt das von dem Mann mit den Adlerfedern auf dem Kopf sehr viel inniger und aufrichtiger, als man es schon vielfach von weiß-blauen Politikern gehört hat.

Dass er es mit den weiß-blauen Politikern und der machthabenden Partei im Freistaat so gar nicht hat, wird immer wieder deutlich, auch wenn er nicht müde wird zu betonen, dass er kein Kabarettist ist. "I sog niemand, was er wähln soll, aber jeder woaß, wos i net wähl´", sagt er und muss selber soviel lachen darüber, dass auch der CSU-Wähler mitlachen würde. Denn Willy Michl lacht nicht hämisch, sondern - liebevoll.

"Mit einem Lächeln"

Wenn er singt, er will spielen, bis er nicht mehr kann, dann hat man unweigerlich die Vorstellung, dass dieser Mann einmal mit der Ovation im Arm vom Stuhl sinkt. Aber bitte noch lange nicht, möchte man ihm entgegenrufen, als er dann auch noch erzählt, dass sein Sinn des Lebens der ist, "eines Tages mit einem Lächeln auf die andere Seite zu wechseln". Gottseidank verspricht er gleichzeitig, im nächsten Jahr, seinem 70. Sommer, wieder in den Schafferhof zu kommen.

 
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