06.10.2019 - 11:22 Uhr
Neukirchen-BalbiniOberpfalz

Erdstall-Forschungszentrum in Neukirchen-Balbini eröffnet

"Von der Ruine zum Schmuckstück", betitelte Bürgermeister Markus Dauch die Wandlung des Schießl-Hauses in den vergangenen Jahren. In dem einst verfallenen Haus ist jetzt ein Erdstall-Forschungszentrum untergebracht - mit eigenem Erdstall.

von Anne Sophie Vogl Kontakt Profil

Sie sind eines der letzten Mysterien der Archäologie: die Erdställe. Etwa 30 gibt es noch in der Region. Sie sind teilweise etwa Tausend Jahre alt. "Stall" hat dabei nichts mit dem Viehstall zu tun. Es handelt sich vielmehr um unterirdische Tunnel. In Neukirchen-Balbini gibt es seit Kurzem das einzige Erdstall-Forschungszentrum Europas. Zur feierlichen Einweihung kamen zahlreiche Vertreter der Politik, wie Bernd Sibler (Staatsminister für Wissenschaft und Kunst) und Bezirkstagspräsident Franz Löffler.

In den ehemaligen Wohnräumen des Schießl-Hauses kann man nicht nur Fundstücke aus anderen Erdställen betrachten und mit Hilfe einer VR-Brille virtuell in den unterirdischen Räumen wandeln. Außerdem ist ein alter Tante-Emma-Laden ausgestellt. Zudem sind alte Kachelöfen und auch moderne, interaktive Elemente sind im denkmalgeschütztem Gebäude untergebracht.

Der Zweck der zum Teil Tausend Jahre alten Erdställe ist bisher nicht erklärt. "Ich weiß zwar wie sie gebaut wurden, aber ich weiß immer noch nicht, warum. Das ist das extrem Spannende daran", erzählt Birgit Symader, Vorsitzende des Arbeitskreises für Erdstallforschung.

"Eine Zwergenbehausung, ein sicheres Versteck für Kinder oder vielleicht doch was ganz anderes", rätselt Bezirkstagspräsident Franz Löffler in seinem Grußwort über den Sinn der Tunnel und Löcher. So oder so sei die Forschung, warum die Menschen vor vielen Hundert Jahren Erdställe gegraben haben, extrem wichtig. "Das ist Teil unserer Identität", betonte er. Löffler betonte aber auch, dass ein Denkmal erst dann seinen besonderen Wert zeigt, wenn es auch genutzt wird. Er war vermutlich so begeistert vom Erdstall-Forschungszentrum, dass er es gerne in seinem eigenen Landkreis Cham, wo er Landrat ist, haben würde. So hieß er alle in "Neukirchen beim heiligen Blut" willkommen, was für allgemeine Erheiterung sorgte. Er nahm's sportlich und freute sich, dass ihm Bürgermeister Dauch trotz des Fauxpas eine kleine Aufmerksamkeit überreichte.

Auch Staatsminister Bernd Sibler hob in seiner Ansprache die Besonderheit des Forschungszentrums hervor. Es sei nicht nur wichtig für die Forschung. "Es ist auch ein Stück Dorfgemeinschaft. Hier hat man etwas ganz Besonderes geschaffen", betonte er. Die Mischung aus archäologischer Forschung und Treffpunkt für die Bürger sei eine umfassende, gute Mischung. "Es beleuchtet die Vergangenheit, aber deutet in die Zukunft. Jetzt wird keiner mehr sagen ,Räumt's des oide Glump weg'", freut sich Sibler, und spielt damit auf die Kritiker an, die das Schießl-Haus lieber abgerissen hätten.

Die Räumlichkeiten sollen zukünftig auch Platz für Veranstaltungen bieten. Das Erdstall-Forschungszentrum hat bis November immer sonntags von 13 bis 18 Uhr geöffnet.

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