Am Sonntag hatte der Neukirchener Gastronom John Engelhard zur neunten Auflage des beliebten und inzwischen weit über die Region hinaus bekannten Schleppertreffen eingeladen. Aus allen Himmelsrichtungen tuckerten Schlepper, Traktoren und Bulldogs aller Größen und Baujahre zum Festplatz in der Schönlinder Straße. Zweimal war das unverwechselbare Blubbern eines Einzylinder-Glühkopfmotors zu hören, einmal von einem restaurierten Lanz und dann auch von seinem polnischen, lizenzlosen Nachbau Ursus. Es war ein ständiges Kommen und Gehen, besser gesagt, ein ständiges Pöttern und Blubbern, dazwischen das Fauchen eines modernen Sechszylinder-Dieselmotors.
Ein echter Schnellläufer
Oben auf dem Hügel unter einem einsamen Pavillon hatten sich die Schlepperfreunde Kleinfalz zusammengefunden. Eine Besonderheit haben alle Traktoren, die im Besitz der Kleinfalzer sind: Es sind keine Museumsstücke, sondern Fahrzeuge, die noch im Einsatz sind, egal ob uralte Eicher oder Hanomag R 455 S. Das S steht für Schnellläufer, weil das Getriebe Geschwindigkeiten von mehr als 25 km/h ermöglichte. Unzählige Geschichten ranken sich um dieses Fahrzeug, das bei Schaustellern ebenso eingesetzt wurde wie bei Forstbetrieben. Thomas Wiesent war mit einem seltenen Allrad-MAN nach Neukirchen gekommen, den er leihweise von der Besitzerin Inge Engelhard ausgeliehen hatte.
Zu den bekanntesten Eicher-Traktoren gehören die sogenannten Raubtiermodelle mit Bezeichnungen wie Tiger, Leopard oder Mammut. Die Brüder Josef und Albert Eicher hatten schon in den 1930er Jahren aus Eigenbau-Maschinen erste Vierradtraktoren entwickelt. 1941 entstand die „Gebr. Eicher Traktorenbau oHG“. In den 1950er Jahren folgte die Blütezeit mit eigenen Motoren, Geräteträgern und der angesprochenen Raubtierserie. Ab den 1960er Jahren geriet Eicher durch Strukturwandel und finanzielle Engpässe unter Druck. 1970 stieg Massey Ferguson ein, später folgten Verkäufe, Insolvenzen und Neugründungen. Die Standardtraktorenproduktion endete 1990. In Neukirchen waren restaurierte Exemplare zu sehen sowie Originale, deren Dellen und Roststellen von einem arbeitsreichen Leben erzählen.
Bundeswehr schickt "Elefant 2"
Schlüter, Porsche-Diesel, Fendt, Kramer oder Deutz sind Namen, die in der Traktorenszene bekannt sind. Fahrzeuge der Marken Fordson oder Hürlimann hört und sieht man schon seltener. Gigantische Maschinen zur Holzbearbeitung zeigten technische Möglichkeiten von heute auf. Bei der gigantischen Zugmaschine der Bundeswehr vom Typ Elefant 2 vertraute man als Betrachter auf die Motorendaten auf dem Papier. Der geländegängige Panzertransporter hat einen V8-Dieselmotor mit 680 PS.
Am Nachmittag war der Platz für eine überschaubare Zeit wie leergeräumt. Zur obligatorischen Ausfahrt durch Neukirchen wurden fast alle Traktoren gestartet, auch die beiden Glühkopfzünder, bei denen die Startprozedur doch etwas länger dauerte als der kurze Augenblick, in dem man einen Zündschlüssel umdreht.
Bremswagenziehen ist ein Wettbewerb, der einerseits die Leistung der Traktoren in den Mittelpunkt stellt, aber auch das fahrerische Können auf den letzten Metern belohnt. Gestartet wurde in verschiedenen Leistungsklassen. Eine große digitale Anzeige auf dem Bremswagen zeigte den Zuschauern den zurückgelegten Weg an. Schaffte ein Teilnehmer die gesamte Distanz, blinkte die Schrift „Full Pull“ auf. Die großen, leistungsstarken Traktoren schafften das souverän. Für besondere Spannung sorgte jedoch ein ungewöhnlicher Starter: der Elefant der Bundeswehr. Unter den Zuschauern entbrannte sofort eine lebhafte Debatte. Schafft er es oder nicht? Die Meinungen hielten sich die Waage.
Teile lösen sich vom Fahrzeug
Nach einer Strecke von 33,7 Metern zog der Elefant noch unbeirrbar nach vorne, doch dann waren nach weiteren Metern Probleme erkennbar. Die Reifen gruben sich ohne Vorwärtstrieb ein, man konnte unter dem Fahrzeug kleine Teile fliegen sehen. Aus! Nicht geschafft. Die Aufsicht des Bremswagens vermutete, dass sich Schrauben einer Antriebswelle gelöst hätten. Wie uns auf Anfrage ein Sprecher des Unterstützungskommandos der Bundeswehr mitteilte, sei der Vorfall derzeit Gegenstand einer internen Sachstandsaufklärung. Einige Zuschauer sprachen von Murphy’s Gesetz, der humorvollen Lebensweisheit für Pech.



































Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.
Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.