19.08.2018 - 15:08 Uhr
NeukirchenOberpfalz

Auf dem Simultankirchenradweg unterwegs

Radler suchen sich gerne abwechslungsreiche neue Touren. Und wenn die sich noch mit Geschichte(n) verbinden lassen, ist es umso besser.

Simultanradtour am Glockenturm Mittelreinbach, Pfarrer Konrad Schornbaum (Mitte).
von Franz MüllerProfil

An die 30 Pedalritter sammelten auf einem Abschnitt des Simultankirchenradwegs neue Erfahrungen. Von Neukirchen führte sie der Weg über Mittelreinbach nach Eschenfelden.

Unter der mächtigen Linde beim Hauptportal der katholischen Kirche Peter und Paul in Neukirchen drängten sich die Räder und E-Bikes. Die etwa 30 Benutzer füllten das Kirchenschiff neben den Pfarreiangehörigen aus. Das freute beim Sonntagsgottesdienst Pfarrer Roland Klein, der eine kleinen Exkurs in die Kirchengeschichte anfügte. Am Schluss segnete er die Räder und Fahrer mit der Bitte um unfallfreies Fahren.

Das erstreckte sich vorerst nur über einige Radlängen bis zum evangelischen Gotteshaus, wo in der nächsten Station Pfarrerin Anja Matthalm schon wartete. Sie hatte die deutlich längere Kirchengeschichte vom mittelalterlich romanischen Bau über die gotische Ergänzung durch eine Apsis im 15. Jahrhundert und barocke Ausschmückungen zu erzählen. Bemerkenswert der alte Taufstein und der Schlussstein, der von der früheren Martinskirche in Ermhof stammt.

Die ursprünglich katholische Kirche, ebenfalls Peter und Paul gewidmet, diente bis 1929 als Simultankirche für beide Konfessionen. Damals wurde das allein katholische Pendant eingeweiht. Den interessanten Informationen folgte eine Mittagsstärkung, spendiert von Bürgermeister Winfried Franz und dem Kirchenvorstand, für die weitere Tour.

Diese führte an Grasberg vorbei durch den kühlen Wald nach Mittelreinbach. Zwar besitzt der Ort kein Gotteshaus, aber an seinem westlichen Ende steht die Holzbalkenkonstruktion des Glockenturms. Ihn hat die Ortsbevölkerung 1985 mit eigenen Mitteln und Arbeitsleistung geschaffen, wie der Eschenfeldener Pfarrer Konrad Schornbaum erläuterte. Die Glockenturm-Gemeinschaft feiert einmal im Jahr ihr Fest. Durch Ortsverschönerung und soziale Hilfen habe sie ihren Zweck noch vorbildlich erweitert.

Die Pedalritter schwangen sich zur letzten Etappe nach Eschenfelden auf die Sättel. Nach einigen Steigungen durch Wald und Feld lag dann der Ort mit dem spitzen Kirchturm vor ihnen. Der Pfarrer stellte den Konfirmanden Florian Rieger als Kirchenführer vor, der sich eingehend mit der Geschichte befasst hat.

Die erste Kirche stammte aus dem 14. Jahrhundert, bis dann 1863 nach einem Abbruch das neue Langhaus gebaut und ausgestattet wurde. Deshalb feiert man als besondere Eigenheit zweimal im Jahr Kirchweih. Das Simultaneum aus der Zeit um 1562 besteht bis heute. Einige Reste des alten Baues wie ein Tabernakel in der Rückwand des Hauptaltars sind noch vorhanden.

Über Treppen stiegen die Radler in die Glockenkammer und bestaunten das sechsteilige Geläut. Auf die Gruppe wartete dann im Gemeindehaus eine Stärkung bei Kaffee und Kuchen. Gerda Stollner als Organisatorin der gelungenen Fahrt dankte den Mitfahrern sowie den beteiligten Geistlichen und Kirchenvorständen für ein weiteres Glied im Verständnis der beiden Konfessionen.

Der Konfirmand Florian Rieger (in der Tür) kennt sich mit der Geschichte der Corpus-Christi-Kirche aus.

Pfarrerin Anja Matthalm (vorne rechts) erzählt die Baugeschichte der evangelischen Kirche Peter und Paul.

Segnung der Räder mit Pfarrer Roland Klein.

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