26.11.2020 - 14:22 Uhr
Neunburg vorm WaldOberpfalz

Düsterer Ausblick wegen Corona: Veranstalter bangen um ihre Zukunft

Weihnachten ohne Markt. Ohne Feste keine Zelte. Maximilian Schmidt ist Zeltverleiher, Robert Nübler Schausteller.Sie sprechen mit Oberpfalz-Medien über die aktuelle Situation. Sollte es Grund zur Hoffnung geben, müssen sie ihn erst finden.

Keine Menschenmengen, keine strahlenden Kindergesichter. Für den Neunburger Schausteller Robert Nübler bleibt heuer nur, seinen Süßigkeiten-Wagen vor der Edeka in Tirschenreuth aufzustellen.
von Wolfgang Ruppert Kontakt Profil

Wer in der Schausteller- und Unterhaltungsbranche arbeitet, den hat die Coronapandemie ohnehin besonders hart getroffen. Ihre große Hoffnung war, mit den Lockerungen im Sommer ein bisschen Strecke gut zu machen. Dass nun ein überwältigender Großteil der Weihnachtsmärkte wohl ausfallen wird, könnte vielen Selbstständigen in der Branche das Genick brechen. Oberpfalz-Medien hat mit Maximilian Schmidt und Robert Nübler gesprochen. Beide sind nicht erst seit gestern im Geschäft, sorgen sich aber um die weiteren Folgen, die die Beschränkungen für das wirtschaftliche Überleben bedeuten könnte.

Krise trifft Schmidt wie Schlag

Maximilian Schmidt hat sich vor einigen Jahren ein Unternehmen aufgebaut, von dem er dachte, dass er damit in die Zukunft planen könnte. Corona hat alles verändert. Ans Aufgeben denkt er dennoch nicht mal im Ansatz. Er betreibt in Teunz ein Veranstaltungsunternehmen, das Zelte und Musikanlagen vermietet. Er sagt: "Ich habe einmalig eine Soforthilfe bekommen. Wir haben nur ein Zwei-Mann-Unternehmen." Schmidt hat in den vergangenen Jahren investiert, wo er nur konnte. Seinen Fuhrpark hat er aufgestockt. Die Fahrzeuge vermietet er nun an Speditionen, um die laufenden Kosten decken zu können, die monatlich rund 10 000 Euro betragen. Selbstverständlich ist das aber nur ein Tropfen auf dem heißen Stein. Kurzarbeitergeld ist für ihn ohnehin noch kein Thema: "Bevor alles läuft, haben wir uns vorgenommen, in den ersten fünf Jahren kein Personal anzustellen", sagt Schmidt.

Aufträge, aber keine Umsetzung

Schmidts Problem ist es nicht, keine Aufträge zu bekommen. Schmidt. "Ein Feuerwehrfest braucht drei bis vier Jahre Vorbereitung." Auch wenn Schmidt in den vergangen Jahren massiv investiert hat und seine Kapazitäten erweitern konnte, steht er vor folgendem Problem: Bis schätzungsweise 2023 oder 2024 ist er ausgebucht. Die Veranstalter, die jetzt ihr für heuer oder Anfang 2021 geplantes Fest nach hinten verschieben wollen, kollidieren mit den Planungen derjenigen, die Zelte zu einem späteren Zeitpunkt bereits gemietet haben.

"Am Anfang der Pandemie sind bei uns die Telefone heißgelaufen, weil die Leute ihre Feste entweder absagen oder in den Oktober verschieben wollten", sagt Schmidt. Der Pandemieverlauf hat gezeigt, dass das nicht möglich ist, die Hoffnungen der Veranstalter vielleicht zu früh gesetzt waren.

Die Aufträge für die Zukunft sind also da, trotzdem muss Schmidt derzeit sein privat Erspartes einbringen, um über die Runden zu kommen. Schmidt sagt: "Die Veranstaltungsbranche ist diejenige, die die Krise am härtesten trifft. Natürlich kannst du ab und zu ein, zwei Lautsprecher vermieten. Die laufenden Kosten deckt das aber nicht."

Alle sitzen im selben Boot

Viele Kunden hätten wegen der Unsicherheit ihre Veranstaltungen bereits für das kommende Jahr abgesagt. Schmidts Haupteinnahme-Quelle in den Sommermonaten. Wenn er also eine Erstattung im November bekommt, die dem entspricht, was er im vergangenen Jahr um dieselbe Zeit hatte, dann ist das für ihn höchstens ein Bruchteil dessen, was er in einem normalen Jahr eingenommen hätte. "Am Anfang hatte sich jeder die Krise noch irgendwie schöngeredet. Heute stehst du da und weißt nicht, wie es weitergehen soll", sagt Schmidt.

Viele Verträge, die in der Vergangenheit geschlossen wurden, beinhalten eine Klausel, die den Mieter dazu zwingen, einen gewissen Teil des vereinbarten Betrages zu zahlen, wenn die Veranstaltung kurzfristig ausfällt. Auf diesen Anspruch will Schmidt aber verzichten. "Das ist höhere Gewalt. Die Situation trifft uns alle, da will ich kein Geld von Leuten verlangen, die genauso wenig Schuld an allem haben wie ich selbst", sagt Schmidt.

Schausteller ohne Perspektive

Ähnliche Situation, andere Umstände: Robert Nübler und sein Sohn Pascal sind Schausteller und betreiben in Neunburg das Unternehmen "Vergnügungsbetriebe Nübler" Unter anderem haben sie ein Kinderkarussell und ein Fahrgeschäft names "Party-Boot". Die bisherige Absagewelle für die Weihnachtsmärkte hat die Familie hart getroffen. "Ich habe heute wieder mit einem Kollegen telefoniert, der eine Eisenbahn betreibt - wieder eine Absage", sagt Robert Nübler. Seine letzte Auszahlung der Soforthilfe betrug unter Hundert Euro. "Ein Tropfen auf dem heißen Stein", so Nübler.

Für die Weihnachtsmärkte habe es ein Hygienekonzept gegeben, das eine Perspektive hätte bieten können. "Das wurde aber gecancelt, nachdem die Zahlen so bedenklich in die Höhe geschossen sind. Wir haben das aber auch gewusst, weil ganz einfach Winter ist", sagt Nübler. Wie es die kommenden Wochen weitergehen soll, weiß er nicht. Absagen hat es für Burglengenfeld, Maxhütte-Haidhof, Sulzbach-Rosenberg und Wörth an der Donau ohnehin in den vergangenen Wochen schon gegeben.

Zukunft ungewiss

Nübler: "Was kommt, wissen wir nicht. Das müssen wir abwarten. Alles, was wir machen, ist nur, um die Unkosten zu decken. So wie es aussieht, kehrt vor Ende 2021 keine Normalität ein." Die ersten Absagen für das kommende Jahr hat Nübler bereits. "Ein zweites Jahr zu überbrücken, das wird schwierig. Wir vermuten, dass wir weiter herumkrebsen müssen", sagt Nübler.

Nüblers Geschäftskonzept ist darauf ausgelegt, dass sich viele Menschen an einem Platz versammeln. "Ich glaube nicht, dass die Normalität, wie wir sie vor Corona hatten, wieder zurückkommen wird. Das ganze Bewusstsein verändert sich.

Nübler versteht nicht, warum Spielplätze offen sein dürfen, während er geschlossen haben muss, obwohl er nach jeder einzelnen Fahrt seine Fahrgeschäfte desinfiziert und penibel darauf achtet, dass sich niemand ansteckt.

Für Schausteller hagelt es Weihnachtsmarktabsagen

Weiden in der Oberpfalz

"Was kommt, wissen wir nicht. Das müssen wir abwarten. Alles, was wir machen, ist nur, um die Unkosten zu decken. So wie es aussieht, kehrt vor Ende 2021 keine Normalität ein."

Robert Nübler, Schausteller aus Neunburg vorm Wald

Robert Nübler, Schausteller aus Neunburg vorm Wald

Hintergrund:

Schausteller nicht gleich Schausteller

Auf seiner Website unterteilt der Bayerische Landesverband der Marktkaufleute und Schausteller (BLV)die einzelnen Betriebe in drei unterschiedliche Kategorien ein. Je nach dem wären sie auf unterschiedliche Hilfen vom Staat angewiesen.

  • Kleine Betriebe führen Geschäfte, die sie entweder alleine oder mit einem Angestellten betreiben. Das sind z.B. Ballwurf- oder Crêpestände. Laut Verband leiden sie besonders unter den Festabsagen. Der Verband fordert eine „Existenz- und Grundsicherung der Familien“.
  • Mittelgroße Betriebe mit rund zehn Mitarbeitern, die größere Geschäfte mit viel Technik haben sind ebenfalls betroffen, z.B. Imbissstände. „Diese Betriebe haben einen deutlich höheren logistischen Aufwand, müssen einen Fuhrpark vorhalten, haben einen hohen Materialeinsatz und sind von der Einsatzfähigkeit ihres Personals zwingend abhängig“ teilt der Verband mit. Siebrauchen umgehend Geld, um ihre betrieblichen Verbindlichkeiten zu erfüllen.
  • Für große Fahrgeschäfte wie Achterbahnen oder Riesenräder ist der Finanzbedarf sogar erheblich. Diese Anlagen können ohne Stammpersonal nicht aufgebaut werden und sind für jedes Volksfest unverzichtbar.

 

 

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