12.01.2022 - 15:56 Uhr
Neunburg vorm WaldOberpfalz

Eixendorfer Stausee: Baumaschinen rücken nächste Woche an

Eine Baustelle mit Besonderheiten und ein ehrgeiziges Ziel: Die Blaualgen im Eixendorfer Stausee sollen mit Hilfe eines Entnahmeturms weichen. Viel Know-How ist bei der Umsetzung des ambitionierten Projektes gefragt.

Die Baustellenzufahrt zeichnet sich bereits ab. Der Beginn der Arbeiten am Eixendorfer Stausee steht kurz bevor. Er ist Mitte dieses Monats angepeilt.
von Claudia Völkl Kontakt Profil

Die Fäden beim "Masterplan Eixendorfer Stausee" laufen bei Diplomingenieur Manuel Schlegel, Abteilungsleiter am Wasserwirtschaftsamt Weiden, zusammen. Rund fünf Millionen Euro werden in Maßnahmen gepumpt, die letztendlich den Stausee von der grünen Algenplage befreien sollen. Bauen im See – die ambitionierte Maßnahme soll, so der jetzige Stand Schlegels, in der kommenden Woche anlaufen. Zunächst mit der Baustelleneinrichtung und den Erdarbeiten für die Anhebung des Bermenweges. So wird der Weg zur Dammerhaltung bezeichnet.

Mit dem Anlegen einer Zufahrt für das schwere Gerät der Baufirma Pfaffinger aus Passau wurde bereits im Vorjahr begonnen. Sie wurde mit den Arbeiten für den Oberflächenwasser-Entnahmeturm am Eixendorfer Stausee beauftragt. Er steht im Mittelpunkt der Großinvestition, die ausschließlich mit Geldern des Freistaats Bayern geschultert wird. Die mit der Baumaßnahme einher gehenden Veränderungen in der Wasserschichtung sollen die Algenblüte eindämmen und für eine bessere Wasserqualität des Sees im Sommer sorgen.

Dichte Grube unter Wasser

Spezialmaschinen müssen anrücken. Dazu muss erst mal die Witterung passen und der Boden frostfrei sein. Manuel Schlegel ist beim Wasserwirtschaftsamt Weiden zuständig für die Gewässer im Landkreis Schwandorf. Er taktet auch die Bauzeitenplanung für den neuen Turm neben dem bisherigen Grundablassstollen am Eixendorfer Stausee. Die Baustelle hat ihre Besonderheiten. Der Wasserstand des Sees musste im Vorjahr dafür um sechs Meter abgesenkt werden. Auf diesem Niveau befindet sich auch die Ebene, auf der gearbeitet wird.

Sechs Meter in die Tiefe entsteht eine dichte Baugrube. Das ist Arbeiten gegen den Wasserdruck. Boden und Wände werden abgedichtet, Spezialbeton, der im feuchten Milieu abbindet, wird unter hohem Druck eingepresst. Mit Lanzen am Bohrgerät wird die Suspension injiziert. Das Ganze hat fast endoskopische Züge. Nur, dass der Patient eine sieben Meter breite und zwölf Meter lange Baugrube ist. Auf der entstehenden Sole werden Stahlbetonpfähle hochgezogen. Die Baugrube soll im späten Frühjahr fertig sein. Dann muss der Turm errichtet werden, der seitlich an den Grundablassstollen anschließt.

Risiko bei Hochwasser

Die Baufirma Pfaffinger weiß um die Unwägbarkeiten ihres Auftrags, die in der Funktion des Stausees begründet liegt: Dem Hochwasserschutz für Neunburg und die Kommunen im unteren Schwarzachtal. Er ist auch während der Turm-Bauphase zu gewährleisten. Was, wenn angestaut werden muss?

Die Niederschlagssituation wird ständig beobachtet, erläutert Manuel Schlegel. Wenn geflutet werden müsste, bestünde noch ausreichend Zeit die Grube zu räumen und den Bau vorübergehend einzustellen. Mit diesem Risiko müsse man bei der See-Baustelle leben, "sonst darf man nie was bauen". Wenn alles wie geplant läuft, kann der Entnahmeturm im Frühjahr 2023 in Betrieb genommen werden.

Eixendorf bei Neunburg vorm Wald
Neunburg vorm Wald
Koordiniert das Projekt: Abteilungsleiter Manuel Schlegel vom Wasserwirtschaftsamt Weiden
Hintergrund:

Entnahmeturm

  • Es entsteht ein Entnahmeturm, um aus höheren Seeschichten Wasser abzuleiten. Physikalisch soll eine Temperaturschichtung wie in einem natürlichen See erreicht werden. Folglich bleiben die Nährstoffe am Boden. Durch das Einkapseln der Nährstoffe am Seegrund soll eine Reduzierung des Algenwachstums erreicht werden.
  • Der Einlaufstollen im Absperrdamm soll nach oben verlängert werden um künftig Revisionsverschlüsse auch ohne ein Absenken des Wasserspiegels setzen zu können.
  • Zwischen 5 und 5,5 Millionen Euro investiert der Freistaat Bayern in das Ende 2018 angelaufene Pilotprojekt.
  • Die Maßnahme reifte am von Regierungspräsident Axel Bartelt geleiteten "runden Tisch", an dem sich Kommunen und Interessensverbände für eine ökologische Verbesserung der Situation am Eixendorfer Stausee engagierten.
  • Im Maßnahme soll im Frühjahr 2023 abgeschlossen werden.

 

 

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