21.08.2020 - 14:02 Uhr
Neunburg vorm WaldOberpfalz

Kirche ohne Barriere: In Neunburg mehr als ein frommer Wunsch

15 Stufen: Was sportliche Kirchenbesucher nur ein wenig schneller schnaufen lässt, bringt Rollstuhlfahrer an ihre Grenzen. Pfarrer Gerhard Beck ist diese Hürde vor der Versöhnungskirche in Neunburg ein Dorn im Auge.

15 Stufen trennen die Gottesdienstbesucher von der Tür zur evangelischen Versöhnungskirche in Neunburg. Pfarrer Gerhard Beck hat sich deshalb etwas ausgedacht,um mit dieser und weiteren Barrieren aufzuräumen.
von Monika Bugl Kontakt Profil

"Kirche für alle - natürlich barrierefrei": So lautet die Aktion, die der evangelische Pfarrer Gerhard Beck in Neunburg gestartet hat, um auf den schwierigen Zugang zum Gottesdienst aufmerksam zu machen. Der Geistliche hat aber noch mehr Barrieren im Blick, angefangen von der schweren Eisentüre, die den Zugang zur Gebetsstätte blockiert bis hin zu Positionen des Glaubens, die dem Kontakt zur Kirchengemeinschaft im Weg stehen.

Neue Treppe

Gerade erst hat das Gotteshaus für etwa 670 Gemeindemitglieder eine neue Treppe erhalten, nachdem das Fundament für die 15 Stufen nicht mehr stabil war. Da lag der letzte Umbau ja auch schon ein halbes Jahrhundert zurück. Seit 30 Jahren wird außerdem über einen barrierefreien Zugang nachgedacht. Immer wieder ist das am Geld gescheitert. Pfarrer Beck will es nun richtig anpacken und hat mit Hilfe von Architektin Regina von Wenz auch schon Pläne vorgelegt, wie so ein Zugang mit geringer Steigung und ohne Stufen aussehen könnte.

"Wir wollen das nicht deshalb realisieren, weil es dafür gesetzliche Regeln gibt, sondern weil Kirche einfach für alle da sein muss", erklärt der Pfarrer. Er sieht auf Dauer keine Lösung darin, Menschen mit Behinderung einfach samt Rollstuhl mit Muskelkraft über die Stufen zu befördern.

Das Angebot "Bei Anruf Andacht" haben sich die Neunburger Kirchen in der Corona-Zeit einfallen lassen

Neunburg vorm Wald

"Gerade elektrische Rollstühle können sehr schwer sein, das ist nicht zu schaffen", weiß er. Weil das Projekt im Anschluss an die Sanierung der Treppe erfolgt, hofft er auf einen Zuschuss der Landeskirche und hat schon mal einen Finanzierungsplan aufgestellt. 165 000 Euro hat er an Gesamtkosten einkalkuliert für Maßnahmen, zu denen auch ein Umbau des WCs und der Eingangstür gehört. 81 750 Euro werde seinen Berechnungen nach die Gemeinde aufbringen müssen - über Spenden und notfalls auch Rücklagen. Auf 19 000 Euro beziffert er die Summe, die bislang schon für das Projekt "Barrierefreiheit" reserviert ist.

Der neue Zugang steht auf jeden Fall ganz oben auf einer Wunschliste, die bis 1. September bei der Neunburger Kirchengemeinde ergänzt werden kann. Sie hat viel mit Verbesserungen zu tun, die nicht unbedingt baulicher Natur sind. "Ich wünsch mir eine Kirche, die...". Diesen Satz würde der Pfarrer gerne von möglichst vielen Menschen vervollständigen lassen. Sprachnachrichten, Texte, Bilder Lieder oder Videos dazu werden auf der Homepage der Gemeinde veröffentlicht.

Klimafreundlich spenden

"Über 50 Beiträge sind schon eingegangen", freut sich der Geistliche. Eine Auswahl soll dann im Oktober in einer Ausstellung in der Versöhnungskirche zu sehen sein. Einige Beispiele stehen jetzt schon auf der Homepage. So wünscht sich Bürgermeister Martin Birner eine Kirche, die "sich öffnet und eine Heimat für junge und alte Menschen wird". Landrat Thomas Ebeling sieht das ähnlich und plädiert für eine Kirche, "die offen für neue Ideen ist".

Parallel dazu gibt es die Aktion "Schritt für Schritt Gottes Schöpfung bewahren", die ebenfalls mit dem Ziel "Barrierfreiheit" verknüpft ist. Das Motiv: Spenden sammeln und gleichzeitig etwas fürs Klima tun. Pfarrer Beck denkt dabei an eine Baum-Pflanz-Aktion. Außerdem hat er seine Fühler ausgestreckt, um über eine Geschenkbox mit Socken oder Gewürzen das Spenden attraktiv zu machen. Ein Teilbetrag käme beim Kauf der Bäume oder Socken den Plänen der Kirche zugute.

"Das läppert sich", ist der Organisator überzeugt und nimmt sich selbst in die Pflicht. "Ich könnte auch neue Socken brauchen, vielleicht schenke ich sie mir selbst."

Wir wollen das nicht deshalb realisieren, weil es dafür gesetzliche Regeln gibt, sondern weil Kirche einfach für alle da sein muss.

Pfarrer Gerhard Beck über die angepeilte Barrierefreiheit

Pfarrer Gerhard Beck über die angepeilte Barrierefreiheit

Finanzplan:

Finanzplan

Pfarrer Gerhard Beck rechnet mit etwa 165.000 Euro für den geplanten Umbau.

  • Barrierefreier Gehweg: 91.200 Euro
  • Treppe (bereits saniert): 46.200 Euro
  • Umbau Eingangstür: 12.000 Euro
  • Barrierefreies WC: 13.000 Euro
  • Sonstiges/Puffer 2600 Euro
  • Erhoffte Zuschüsse: Landeskirche 55.000 Euro, Dekanat 20.000 Euro, Stadt 8250 Euro
Pfarrer Gerhard Beck hat mit seinem Anliegen für eine barrierefreie Kirche auch die Mund-und Fußmaler erreicht. Dieses Bild hat Markus Kostka ihm überlassen.
Werner Mittelbach schickte für die Aktion dieses Bild.
Markus Kostka gehört zum Verein der Mund- und Fußmaler und hat Pfarrer Gerhard Beck diesen "Wunsch" in Bildform zukommen lassen.

 

 

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