15.05.2019 - 13:38 Uhr
Neunburg vorm WaldOberpfalz

Kleine Schritte Richtung Vielfalt

Alte Kartoffelsorten, seltene Nutztiere, eine Streuobstwiese oder einfach mal aufs Mähen verzichten: kleine Schritte in Richtung Artenvielfalt. In Neunburg will man da nicht hinterherhinken. Eine Arbeitsgruppe soll das Tempo vorgeben.

Löwenzahn, der hier auf der Wiese an der Schwarzach in Neunburg für gelbe Farbtupfer sorgt, zählt nicht gerade zu den seltenen Arten. Auf einer richtigen Feuchtwiese oder auf einem Magerrasen wäre mehr Vielfalt geboten. Die Stadt versteht das Volksbegehren zur Artenvielfalt als Weckruf und will zumindest ein Scherflein beitragen.
von Monika Bugl Kontakt Profil

Neben dem Haushaltplan stand bei der jüngsten Sitzung des Neunburger Stadtrats auch ein Antrag der CSU zur "Biodiversität" auf der Tagesordnung. Gefordert wurde darin der Einsatz einer Arbeitsgruppe, die sich des Themas annimmt und Vorschläge oder ein Konzept erarbeitet, welche Schritte die Stadt Neunburg in dieser Hinsicht unternehmen kann. Die Begründung: Auch in Neunburg habe das Volksbegehren "Rettet die Bienen" einen überaus großen Zuspruch erfahren. "Neben den Aktivitäten, die seitens der Stadt auf diesem Gebiet vorhanden sind, können noch viele weitere, kleinere und größere Schritte folgen, die Artenvielfalt zu erhalten", so die Argumentation. In der dazu geplanten Arbeitsgruppe sollen Interessierte sich einbringen können, außerdem will man sich an Erfahrungen und Erfolgen der Gemeinde Tännesberg orientieren.

Biodiversität beschreibt die Vielfalt des Lebens, also zahlreiche Tier- und Pflanzenarten, die es auf der Erde gibt. Naturbelassene Wiesen wie Magerrasen sind immer seltener zu finden. Gerade sie beherbergen eine Vielzahl verschiedener Blumen, Kräuter und Gräser. "Es bieten sich umfassende Möglichkeiten für die Stadt Neunburg vorm Wald, sich in Sachen Arten- und Biotopschutz zu engagieren", so die Beschlussvorlage für die Stadträte.

"Mit diesem Antrag wird nicht die Welt gerettet, aber jeder kann einen kleinen Beitrag leisten", erklärte CSU-Fraktionssprecher Alexander Trinkmann, der das Volksbegehren deshalb nicht unterstützen wollte, weil da zu viel auf die Landwirtschaft "abgewälzt" worden sei. Er hoffe nun statt dessen auf Vorschläge aus der Mitte der Bevölkerung. Im Visier hat er dabei das Vorbild Tännesberg und führt als Beispiele die Verwendung alter Kartoffelsorten, die Aufzucht seltener Nutztiere, Streuobstwiesen oder einfach den Verzicht auf Mähen ins Feld.

Tännesberg gilt als erste und bisher einzige Modellgemeinde für Biodiversität in Bayern. Der Ruf der Gemeinde gründet sich auf Projekte wie die Renaturierung des Kainzbachtals, wo Feuchtwiesen sich landwirtschaftlich genutzte Flächen zurückerobern durften. Am Schlossberg konnte durch Beweidung mit Schafen und Ziegen wieder Magerrasen zum Vorschein kommen, es gibt in der Kommune einen sieben Kilometer langen Obst-Lehrpfad, und auf den Wiesen weiden Rotvieh-Herden.

Da stimme man selbstverständlich zu, meinte der Fraktionssprecher der Freien Wähler, Martin Scharf. Er betonte, wie wichtig es sei, beispielsweise auch die Bauhof-Mitarbeiter beim Heckenschnitt entsprechend zu schulen und die Bevölkerung zu sensibilisieren. Selbstkritisch gab er zu bedenken, dass der Stadtrat vor einigen Jahren die Baumschutzverordnung abgeschafft habe. "Auch darüber sollten wir nachdenken."

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Tännesberg

Chance für Engagement

Für die SPD nahm Margot Weber Stellung zu den Plänen. Sie äußerte den Verdacht, es handle sich hier um einen "Schaufenster-Antrag". Das Volksbegehren "Rettet die Bienen" habe sich nicht gegen die Landwirtschaft gerichtet, merkte sie an und verwies auf Vorgaben der Naturschutzbehörden "in Hülle und Fülle", während sich in Privatgärten Steinwüsten breit machen. "Die werden wir kaum wieder umkehren können, das wird schwieriger als Unkrautjäten." Sie glaube, die CSU werde sich mit diesem Antrag eher Ärger einhandeln, "aber wir werden es auf einen Versuch ankommen lassen".

"Das ist schon sinnvoll, wir können da Ideen bündeln", widersprach ihr Bürgermeister Martin Birner und schlug als vorläufigen Leiter der geplanten Arbeitsgruppe Stadtrat Alexander Trinkmann vor sowie als Stellvertreter Walter Drexler. Als weitere potenzielle Teilnehmer wurden Klaus Pöhler vom Bund Naturschutz, Landwirte, Jäger, Vertreter der Forstberufsschule und der Gartenbauvereine sowie Naturpark-Vereinsvorsitzender Markus Kurz ins Spiel gebracht. Einstimmig billigte der Stadtrat schließlich die neue Arbeitsgruppe. Interessenten können sich bei Trinkmann melden.

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