29.03.2019 - 16:49 Uhr
Neunburg vorm WaldOberpfalz

Kristalline Kunst für Yoko Ono

Atem und Tanz, Eros oder Stille: Miriam Ferstl aus Neunburg hat mit Fotos von Kronleuchtern Assoziationen in Gang gesetzt. Das Ergebnis ist ein Buch. Und am Horizont leuchtet schon ein neues Projekt auf.

Die Werke der Künstlerin Miriam Ferstl gibt es jetzt auch im Buch zu sehen mit Texten von Gernot Candolini.
von Monika Bugl Kontakt Profil

"Von der Mitte gehalten" titelt das Buch mit Fotos von Miriam Ferstl und Texten von Gernot Candolini, das im März im Claudius-Verlag erschienen ist. Die Künstlerin aus dem Neunburger Ortsteil Seebarn hat sich intensiv mit Kronleuchtern beschäftigt. Statt auf flüchtigen Glanz hat sie ihr Augenmerk auf die Symmetrie der gläsernen Kunstwerke gerichtet. Zentral von unten fotografiert, ordnen sich farbige und kristalline Strukturen um eine Mitte. Schneekristalle, Blüten, Mikroorganismen oder Galaxien erkennt Schauspielerin und Produzentin Veronica Ferres in diesen Kunstwerken. "Sie entspringen einer Mitte, einer Essenz, und lassen uns einen göttlichen Funken in allem erahnen", schreibt sie im Klappentext des Buches.

Autor Gernot Candolini geht noch einen Schritt weiter. Er philosophiert angesichts eines Kronleuchters in der Wehrkirche von Vrboska (Kroatien) über den Moment "im Auge des Sturms". Eros kommt ihm in den Sinn bei einem Foto, das ein Lichtobjekt in Tunesien zeigt, Tanz bei einem Bild, das im Stadttheater von Marienbad aufgenommen wurde. "Assoziationen sind etwas sehr Persönliches, jeder hat andere Gedanken zu diesen Bildern", sagt die Frau, die mit ihrer Begeisterung für Kronleuchter den Anstoß dazu gab. Ihre Begeisterung hat sie auch zu Autor Candolini geführt, dessen Buch "Die Kathedrale: Heimat für die Seele" ihr bei den Recherchen über Kronleuchter begegnet war. Ein Treffen in München führte zu gemeinsamen Plänen für das Buch.

Wie die Texte sollen auch die Bilder laut Ferstl "Anreize zum Weiterdenken" geben. "Spannend ist bei diesem Thema die Vielfalt", schwärmt die 32-Jährige. "So ein Lichtobjekt hat immer den gleichen Grundaufbau und ist doch komplett unterschiedlich in seiner Entfaltung." Ausgehend von ihrer Entdeckungstour in Kroatien ist die Künstlerin inzwischen auch in Tunesien, Italien oder in ihrer zweiten Heimat München fündig geworden. Inzwischen arbeitet sie auch selbst mit dem Werkstoff Glas, bildet dort ab, was Mikroorganismen ihr unter dem Mikroskop verraten haben. Gerade hat sie damit auch die Kunst-Ikone Yoko Ono auf sich aufmerksam gemacht, die für ein "Water Event" in Leipzig Künstler aus ganz Deutschland um sich versammelt. Die 86-Jährige will zur Eröffnung der Ausstellung "Peace is Power" im Museum bildender Künste Wasser in eine von Ferstl gestaltete Glasskulptur gießen und das Objekt damit zum Gemeinschaftskunstwerk adeln.

So kommt die Welt der Mikroorganismen ganz groß raus. "Ich will auf das hinweisen, was übersehen wird und kaum Aufmerksamkeit bekommt. Das Offensichtliche interessiert mich nicht", stellt Miriam Ferstl fest. Dabei gleitet ihr Blick auch mal weg von gläsernen Schönheiten, hin zum Waldboden. Dessen Mikrokosmos findet sie den kristallinen Strukturen gar nicht so unähnlich. Seit September studiert die 32-Jährige an der Akademie für Bildende Künste in München und will dabei Kunst und Wissenschaft zusammenbringen. Am zellbiologischen Institut der Ludwig-Maximilians-Universität taucht sie ein in eine Welt, die nur unter der Lupe sichtbar ist. Im Fokus: Waldboden aus der ganzen Welt. Aus über 20 Ländern, darunter Chile, Malaysia und Kanada hat sie inzwischen Bodenproben und Fotos von der Vegetation bekommen. "Ich komme ja aus dem Oberpfälzer Wald, der Wald ist für mich Inspiration Nummer eins", erzählt die Künstlerin. Das, was "wortwörtlich mit den Füßen betreten wird", die Formenvielfalt der Natur, will sie mit ihrer Kunst sichtbar machen. Und ein Buch darüber ist auch schon in Planung.

Info :

Ausstellung und Buchpräsentation

Die Kronleuchter von Miriam Ferstl, gedruckt auf Acrylglas und in Lichtkästen, sind ab 1. April auch in Schwandorf zu bewundern, und zwar in leer stehenden Geschäften in der Friedrich-Ebert-Straße, die zu Ausstellungsräumen umfunktioniert wurden. Gezeigt werden die Werke als Teil der Initiative "KunstZeitRaum". Für September ist eine Ausstellung im Vatikan geplant. Das Buch "Von der Mitte gehalten" wird am 27. April bei der Schwarzachtalmesse in Neunburg vorgestellt und ist bereits jetzt im Buchhandel erhältlich sowie signiert bei der Künstlerin direkt unter info[at]miriamferstl[dot]com. Für ihre Arbeit hat Miriam Ferstl im vergangenen Jahr den Zukunftspreis des Landkreises erhalten. Über eine bundesweite Ausschreibung ist Miriam Ferstls Glas-Skulptur für die Ausstellung von Yoko Ono in Leipzig ausgewählt worden. Das Objekt mit quadratischer Grundfläche ist nach oben offen. Die 86-Jährige Aktionskünstlerin und Musikerin will es bei der Eröffnung der Ausstellung „Peace is Power“ im Museum bildender Künste am Mittwoch, 3. April, um 18 Uhr mit Wasser befüllen. Die Aktion ist Teil eines „Water Events“, an dem weitere Künstler aus Deutschland beteiligt sind. Ferstls Werk gilt dann als „Water Sculpture by Yoko Ono und Miriam Ferstl“. Letztere ist begeistert, „mit dieser Visionärin in einem Satz genannt zu werden“. Yoko Ono setzt damit ihren Weg in Richtung „Fluxus“ fort, wo die schöpferische Idee mehr zählt als das Kunstwerk im herkömmlichen Sinn. Fluxus ist gleichzeitig eine Form der Aktionskunst mit fließenden Übergang zwischen Kunst und Leben. Weitere Infos unter www.miriamferstl.com und auf Instagram (@miriamferstlart.

Ich will auf das hinweisen, was übersehen wird und kaum Aufmerksamkeit bekommt. Das Offensichtliche interessiert mich nicht

Miriam Ferstl

Kronleuchter in der Staatsoper München
Kronleuchter in einer orthodoxen Kirche in Karlsbad, Tschechien.
Kronleuchter in Pucisca, Kroatien
Kronleuchter der Haci Bayram Moschee in München.
Hier hat Miriam Ferstl Glas und Wasser zum Kunstwerk vereint.
Bürgermeister Martin Birner freut sich über den Erfolg von Miriam Ferstl und hat sich bereits vor der offiziellen Buchpräsentation einen Eindruck verschafft.
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