03.02.2021 - 12:05 Uhr
Neunburg vorm WaldOberpfalz

Als der Neunburger Pfarrkirche das Licht aufgeht

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Vor knapp 120 Jahren kommt die Erleuchtung per Strom in die Neunburger Pfarrkirche. Die damalige Kirchenverwaltung hält Kerzen als Lichtquelle für nicht mehr zeitgemäß. Ein Antrag ans Bezirksamt bringt den Netzanschluss auf den Weg.

Blick in die Neunburger Pfarrkirche auf einer alten Postkarte, die Ende des 19. Jahrhunderts vom Verlag Franz Strohmeyer herausgegeben wurde. Zu der Zeit war das Gotteshaus noch nicht ans Stromnetz angeschlossen.
von Philipp Mardanow Kontakt Profil

Heutzutage ist die Versorgung mit Strom selbstverständlich geworden. Ganz anders sah es im Großteil der Oberpfalz noch zu Beginn des 20. Jahrhunderts aus. Vor 116 Jahren – Anfang 1905 – sollte die Neunburger Stadtpfarrkirche elektrisches Licht erhalten.

Die Elektrizität steckte im Schwarzachtal damals noch in den Kinderschuhen: Zwar hatte der Stadtmagistrat bereits 1896 die Einführung der elektrischen Straßenbeleuchtung beschlossen, doch nach mehreren Pleiten und Pannen dauerte es bis ins Jahr 1903, ehe Neunburg vorm Wald eine geregelte Stromversorgung erhielt.

Bericht über einen Baustellen-Sonntag beim laufenden Umbau der Neunburger Pfarrkirche

Neunburg vorm Wald

Der Journalist Toni Siegert schreibt in seiner 1985 erschienenen Abhandlung „Elektrizität in der Oberpfalz“ unter dem Kapitel „Der Siegeszug des elektrischen Lichts“ auch über entsprechende Anfänge in der Stadtpfarrei. Eine diesbezügliche Initiative wird aus dem folgenden Schreiben der Katholischen Kirchenverwaltung am 2. Januar 1905 an das Königlich-Bayerische Bezirksamt Neunburg deutlich.

Darin heißt es: „Dem längst bestehenden Wunsch hiesiger Bürgerschaft entsprechend will die unterfertigte Verwaltung hiesige Stadtpfarrkirche mit einer elektrischen Beleuchtung versehen lassen. (...) Der Anschluss der Anlage erfolgt an das Leitungsnetz des städtischen Elektrizitätswerkes Neunburg v. W., welches Gleichstrom nach dem Dreileitersystem mit einer Spannung von 2x 110 Volt liefert. (...) Das Hauptschiff der Kirche soll durch einen Kronleuchter beleuchtet werden. Die Nebenschiffe der Kirche werden erleuchtet durch Armleuchter. (...)"

Kurios mutet heute die Begründung für das Gesuch an: „Der Wunsch ist berechtigt, da hiesige Stadtpfarrkirche, von Gebäuden eng umschlossen, sehr düster und besonders der nördliche Zugang halsbrecherisch ist; da ferner die notdürftige Beleuchtung mit Kerzen ebenfalls alljährlich bedeutende Ausgaben verursacht und ungenügend ist.“

"Die notdürftige Beleuchtung mit Kerzen ist ungenügend und verursacht alljährlich bedeutende Ausgaben."

Aus dem 1905 verfassten Schreiben der Kirchenverwaltung an das Bezirksamt

Wann nun aber genau die „elektrische Erleuchtung“ über die Neunburger Gläubigen kam, ist in Siegerts Buch nicht zu lesen. Auch in kirchengeschichtlichen Schriften (Dekanatskirchenführer Neunburg, Festschrift zum Pfarrjubiläum 1991, Stadtchronik) findet sich keine Zeile auf den Beginn der Elektrifizierung im Gotteshaus.

Auf Nachfrage von Oberpfalz-Medien beim Katholischen Pfarramt in Neunburg, hat Pfarrer Stefan Wagner im Archiv gestöbert und dabei einen ganzen Akt zum Thema "Elektrische Beleuchtungsanlage in der Pfarrkirche Neunburg 1905" gefunden. Darin enthalten: Pläne, Angebote, Verträge, Rechnungen, Prüfberichte und Schriftverkehr rund um den "Kirchen-Strom".

Laut Auskunft von Pfarrer Wagner datiert das erste vorliegende Angebot der in Nürnberg ansässigen Siemens-Schuckert-Werke aus dem Jahr 1903. Ein Vertrag über die Installation einer elektrischen Beleuchtungsanlage zwischen dem städtischen „Elektricitätswerk“ Neunburg und der Kirchenverwaltung ist auf den 15. Februar 1905 datiert – keine sechs Wochen, nachdem die Kirchenverwaltung den Antrag ans Bezirksamt gestellt hatte. "Die Einrichtung der Beleuchtungsanlage erfolgte offensichtlich im weiteren Verlauf des Jahres", wie der Stadtpfarrer informiert.

Dass elektrisches Licht – hier eine Lampe in Großansicht – die Neunburger Stadtpfarrkirche erhellt, ist heute eine Selbstverständlichkeit. Es ist knapp 120 Jahre her, dass dort erstmals eine Beleuchtungsanlage installiert wurde.

Dass die Behörden die Sicherheit der neuen Technik im Gotteshaus im Blick hatten, belegt im Stadtarchiv ein Brief des Stadtpfarrers Josef Ziegler an den Stadtmagistrat vom 16. Oktober 1905. Daraus geht hervor, dass das Bezirksamt ein Gutachten über die Betriebssicherheit der elektrischen Beleuchtung angeordnet hat. Um die Kosten dafür zu verringern, gibt der Geistliche eine Anregung weiter, "dass der Antrag auf Abrechnung eines Beamten gleichzeitig vom Magistrate für die Untersuchung des städtischen Elektrizitätswerks, von der Kirchenverwaltung für die Pfarrkirche und vom Königlichen Landbauamt Amberg für die Untersuchung der Beleuchtung der Stadtgebäude gestellt wird".

Und diesem Vorschlag ist offensichtlich entsprochen worden: Laut den Unterlagen im Pfarrarchiv erfolgte am 19. Januar 1906 die Prüfung der elektrischen Installation der Kirche durch die elektrotechnische Abteilung des Bayerischen Gewerbemuseums in Nürnberg, verantwortlich war ein Ingenieur Gebele. Darin steht, dass die beauftragten Techniker zusätzlich auch gleich noch das Elektrizitätswerk und weitere öffentliche Gebäude untersucht hatten. Das Urteil der Kommission zum Kirchen-Strom fiel jedenfalls positiv aus: "Die Prüfung ergab, dass die elektrische Installation gut ausgeführt wurde. Die Beanstandungen waren im allgemeinen gering und nicht wesentlicher Natur."

Über den Schaltkasten in der Sakristei kann Pfarrer Stefan Wagner die Beleuchtung in der Stadtpfarrkirche Sankt Josef steuern.
Hintergrund:

Über Pleiten und Pannen zur Elektrizität

Die Anfänge der Stromversorgung in der Stadt Neunburg verlaufen keineswegs glatt.

  • Der erste Beschluss: Am 29. Oktober 1896 stimmt der Stadtmagistrat für die Einführung der elektrischen Straßenbeleuchtung. Bauauftrag und Konzession zum Betrieb gehen an Wolfgang Weiß, Besitzer der Schmalzlmühle in der Wassergasse. Für den Unterhalt soll er pro Jahr 700 Mark aus der Stadtkasse bekommen.
  • Ärger mit dem Bezirksamt: Wenige Wochen nach dem Magistratsbeschluss reicht Mühlenbesitzer Weiß seinen Bauplan beim Bezirksamt ein. Weil er aber erst nach mehrfacher Aufforderung die technischen Details offenlegt, droht die Aufsichtsbehörde sogar mit dem sofortigem Baustopp durch die Polizei.
  • Hängepartie bei der Straßenbeleuchtung: Das Amtsblatt meldet zwar im Juni 1897 die Inbetriebnahme der Straßenbeleuchtung, doch scheinen wohl nur die Privathäuser elektrifiziert worden zu sein. Vom Februar 1899 ist eine Probeleuchtung dokumentiert, doch wegen Streitigkeiten zwischen Magistrat und Bezirksamt sowie Meinungsverschiedenheiten mit E-Werksbesitzer Weiß bleiben die Straßenlaternen dunkel.
  • Zweifache Pleite: Der Kraftwerksbau hat offenbar die finanziellen Kräfte des Mühlenbesitzers Weiß überstiegen. Bei einer Versteigerung übernimmt 1900 das Anwesen sein Schwiegersohn, der Müller und Ökonom Eduard Schenking. Der Niedergang war damit nur aufgeschoben: 1902 musste Schenking Insolvenz anmelden, das Unternehmen wurde der Zwangsverwaltung unterstellt.
  • Stadt springt in die Bresche: Am 15. Januar 1903 ersteigert die Stadt Neunburg das Elektrizitätswerk an der Schwarzach für 33 100 Mark. Dieses Datum gilt als die Geburtsstunde der Stadtwerke. In der Folge werden die technischen Anlagen auf Vordermann gebracht, und am 10. Oktober 1903 wirbt Bürgermeister Josef Wellenhofer bei den Bürgern um den Anschluss ans elektrische Netz.

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