13.11.2020 - 15:16 Uhr
Neunburg vorm WaldOberpfalz

Priester, Studiomusiker und Buchautor: Emmanuel Ogbu, Pfarrvikar im Neunburger Neuland

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In Nigeria war Emmanuel Ogbu im Finale der Show "Priest got Talent". Jetzt ist er Pfarrvikar in Neunburg vorm Wald. Gerade bastelt er an seinem fünften Studioalbum. Damit will er von der Oberpfalz aus Kindern in Nigeria helfen.

Emmanuel Ogbu an seinem Schlagzeug. Wenn der Pfarrvikar gerade keine Messe hält oder Songs für seine Alben produziert, dann trommelt er in den Gängen des Pfarrhauses der Neunburger Stadtpfarrkirche.
von Wolfgang Ruppert Kontakt Profil

Emmanuel Ogbu ist Priester aus Leidenschaft. Emmanuel Ogbu ist auch Musiker und Autor aus Leidenschaft. Der 40-Jährige ist seit Anfang September Pfarrvikar in Neunburgs St. Josef. Vier Studioalben hat er bislang veröffentlicht. In seinem Zimmer im Pfarrhaus hat er sich ein kleines Musikstudio eingerichtet, in dem er gerade an neuen Songs bastelt. "Ich schreibe die Musik, nehme den Gesang auf und schicke es dann an mein Studio in Nigeria", sagt er. Dort kommen dann Musiker zusammen, die die Instrumente einspielen. Die Alben werden veröffentlicht und verkauft. Das macht Ogbu nicht zum Spaß. Mit dem Geld, das er mit seiner Musik und seinen Büchern verdient, will er Kinder in Nigeria von der Straße holen, sie bei ihrer Ausbildung unterstützen, die medizinische Versorgung verbessern und kleine Landwirte "dazu befähigen, die Hungrigen zu ernähren". Vor seinem Zimmer im Neunburger Pfarrhaus steht ein schwarzes Schlagzeug, auf dem der Priester regelmäßig spielt. Beim Umzug von Weiden nach Neunburg sei leider eine Halterung von einer Trommel abgebrochen. Seiner Leidenschaft für das Schlagzeug tut das aber keinen Abbruch.

Talentierter Priester

Die Show "America got Talent" ist weltberühmt. "In Nigeria gab es sowas gar nicht. Die Leute sind mit der Idee gekommen, so was bei uns für Priester zu veranstalten", sagt er. Aus einer Vielzahl von Teilnehmern schaffte er es als einer von 20 Künstlern in die zweite Runde der Show "Priest got Talent". Auch dort setzte er sich durch und durfte als einer der zehn talentiertesten Priester Nigerias zum Finale in die Hauptstadt Abuja reisen.

Mehr über Emmanuel Ogbu bei "Priest got Talent"

Weiden in der Oberpfalz

Seit 2018 ist Ogbu in Deutschland. Die Ankunft war erst einmal ein Schock für ihn. "Ich bin in Nigeria losgeflogen, als es sehr heiß war. Dort ist es immer warm. Als ich in Nürnberg gelandet bin, hatte es so um die Minus zwei Grad", sagt er. Den Tag wird er sein Laben lang nicht vergessen. Heute hat er keine Probleme, wenn er auf deutsch erzählt. Als er 2018 aus dem Flugzeug stieg, konnte er nicht ein Wort. "Die ersten zwei Wochen waren eine Katastrophe", sagt Ogbu. Sechs Tage die Woche von morgens bis abends war ein Intensivsprachkurs angesagt. Geplant hatte er eigentlich nicht, nach Deutschland zu gehen. Er wurde selbst davon überrascht. "Mein Bischof hatte mich eingeladen und mir gesagt, dass ich nach Deutschland gehen soll", sagt er. "Davor hat keiner irgendwas zu mir darüber gesagt." Er glaubt, dass sein Ruf nach Deutschland wegen der Zusammenarbeit seines Bischofs mit dem Regensburger Bischof Rudolf Voderholzer zustande kam.

Tragödie bringt Priester zur Musik

Die Geschichte, durch die Ogbu noch mehr zur Musik kam, ist keine schöne. Anfangs hatte er sich auf Kunst spezialisiert. "Ich konnte innerhalb von 15 Minuten ein Portrait von einer Person zeichnen, die mir gegenübersitzt", sagt er. Das sollte sich änden, als er 2007 in einen tragischen Autounfall verwickelt wurde. Von den neun Personen im Fahrzeug überlebte nur Ogbu. Er wurde schwer verletzt und lag für dreieinhalb Monate im Krankenhaus. "Nach drei Monaten hatte ich die Chance auf ein zweites Leben", sagt er. Allerdings waren die Verletzungen so schwer, dass er nicht mehr so zeichnen konnte wie einst. Ihm blieb nur die Musik, die er weiter machen konnte. "Ich habe angefangen, viele Musikstücke zu schreiben und meinen Gesang im Studio aufzunehmen", sagt er.

Ogbu spürt kulturelle Unterschiede

Ogbu ist glücklich, wie freundlich er in Neunburg aufgenommen wurde. "Mein Chef, Stefan Wagner, ist sehr nett. Ich habe tolle Kollegen, wie die Pastoralreferentin Susanne Albang oder Gabi Reiml", sagt er. Dennoch spürt er, dass es kulturelle Unterschiede zwischen Deutschland und Nigeria gibt. Ogbu: "Als Priester arbeitest du hier mehr im Büro", sagt er. In Nigeria geht es Ogbu zufolge hauptsächlich um den Kontakt mit den Menschen auf der Straße. "Bei uns in Nigeria gibt es jeden Tag eine Messe. Da sind in der Regel ungefähr 200 Leute", erzählt er. Während in Deutschland eher ältere Menschen in die Kirche gehen, ist es in Nigeria laut Ogbu die Jugend, die den Großteil der Gäste ausmacht. Ogbu: "In meiner letzten letzten Gemeinde in Nigeria sind jeden Sonntag um die 750 bis 800 Menschen gekommen." Den größten Unterschied sieht Ogbu darin, dass die Menschen im Gottesdienst in Nigeria viel mehr zusammen singen und oft dazu auch tanzen.

"Nach drei Monaten hatte ich die Chance auf ein zweites Leben."

Pfarrvikar Emmanuel Ogbu

Pfarrvikar Emmanuel Ogbu

Kontakt zu den Menschen fehlt

Der Start in Neunburg war nicht gerade einfach für Emmanuel Ogbu. Die Stadtpfarrkirche ist momentan eine Baustelle. Daran wird sich bis zum kommenden Frühjahr wohl auch nichts ändern. Das Coronavirus sorgt zudem dafür, dass die Menschen auf Abstand bleiben müssen. "Wir benutzen die alte Kirche. Dort gibt es keine Heizung und weniger Plätze", sagt Ogbu. Dass das Virus ernst ist und man sich an die Regeln halten sollte, steht für den Pfarrvikar außer Frage. Dennoch belastet ihn die derzeitige Situation. Ogbu: "Ich habe natürlich weniger Kontakt mit den Leuten, aber ich bin der Typ der genau das liebt. Ich bin keiner, der den ganzen Tag nur im Büro sitzt." Er hofft, dass sich bald wieder etwas ändert.

Hintergrund:

"Willing Hand of Help International"

Neunburgs Pfarrvikar Emmanuel Ogbu hat eine Organisation "Willing Hand of Help International" gegründet, die er mit dem Verkauf seiner Alben und Bücher finanziell unterstüzt. Die Ziele sind folgende:

  • Kinder von den Straßen Nigerias in die Schule zu bringen
  • die medizinische Versorgung der Menschen dort zu verbessern
  • Landwirte mit Geld zu unterstützen, damit diese bessere Möglichkeiten haben, Lebensmittel zu produzieren

Ogbu hat sein Projekt in den sozialen Medien verbreitet. Er ist damit auf Youtube, Facebook, Instagram, Twitter und anderen Plattformen unterwegs. Er sagt: "Ich habe Kleidung, Schuhe und andere Materialien, die ich armen Menschen in Nigeria zu Weihnachten schicken werde. Aber ohne die Hilfe von Einzelmenschen kann ich leider nicht viel tun."

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