21.08.2019 - 16:15 Uhr
Neunburg vorm WaldOberpfalz

Renaissance des Weißbierkellers

Matthias Meier hat sich mit dem Weißen Brauhaus eine Menge Arbeit gekauft. Ganz oben auf seiner Renovierungsliste steht nun die "Kult-Gaststätte" - der Weißbierkeller.

Zum Weißbierkeller geht es immer noch. Nach der Sanierung will Matthias Meier das Lokal wieder öffnen. Eine Tafel am Weißen Brauhaus erinnert an die Verleihung des Braurechts 1354.
von Irma Held Kontakt Profil

"Man kann Altes nur erhalten, wenn man es belebt", sagt der 26-Jährige als er die Tür zum Weißbierkeller aufsperrt, den er exakt aus diesem Grund wiederbeleben will. Muffig feucht, eben wie in einem Keller, riecht es in dem ehemaligen Gastraum mit dem denkmalgeschützten, barocken Gewölbe. Geschlossen ist das einst renommierte Lokal seit mehr als zehn Jahren.

Ein paar rar gewordene Mehringer-Gläser stehen auf dem eingestaubten Tresen. Die Vorhangstangen sind auch noch da. Mit dem Auf- und Ausräumen begonnen hat der junge Neueigentümer. Das Mobiliar - Vollholzbänke und -stühle, Wirtshaustische - steht in einem Raum in der gegenüber gelegenen Brauerei. Sie sind zu schade zum Wegwerfen. Aufgemöbelt könnten sie dort wieder Platz finden, wo sie hingehören, im Weißbierkeller.

Zusammen mit seiner Mutter hat Matthias Meier, Chef des Sicherheitsunternehmens "Backstage", Ende Juli von den Geschwistern Mehringer den Komplex auf 4000 Quadratmeter Grund in der Neunburger Altstadt gekauft. Drei Adressen darf er jetzt sein Eigen nennen: am Stadtgraben 5, Bachgasse 26 und Webergasse 16. Dies zeigt in welchem Nebeneinander die Gebäude stehen. Als Nachteil empfindet Matthias Meier - er wird das Projekt entwickeln - nicht. So kann er eines nach dem anderen angehen.

Und da steht als Erstes auf der To-Do-Liste der Weißbierkeller. In dieser Sache ist er sowohl mit dem Landratsamt als auch mit dem Denkmalschutz in Kontakt. Der Weißbierkeller, dem Matthias Meier zufolge noch viele Neunburger nachtrauern, wird wieder eröffnet. In welcher Form ist sich der 26-Jährige noch nicht sicher. Es sei schwierig dauerhaft einen guten Pächter zu finden. Eine Option wäre auch, einmal im Monat Livemusik anzubieten.

Während beim Keller der Denkmalschutz mitredet, unterliegt alles andere "nur" dem Ensembleschutz. Für den 26-Jährigen ist das kein Problem. "Ich finde es cool, es so zu erhalten wie es ist und nur innen umzubauen." An der Außenfassade möchte er möglichst wenig ändern. Mit ihr ist er auch aufgewachsen, denn sein Elternhaus steht direkt neben dem Weißen Brauhaus. Er erinnert sich nur zu gut, welche Schwierigkeiten Lastwägen in den engen Gassen hatten, um von und zur Brauerei zu kommen.

Deshalb zweifelt er daran, ob sich jemand einen Gefallen täte, wieder eine Brauerei aufzubauen. 2015 wurde sie stillgelegt. Die Abfüllanlage beispielsweise wurde von den Mehringers noch verkauft. Matthias Meier sperrt das ehemalige Sudhaus auf, in dem man als Erstes über zum Teil kaputte Biberschwanzziegel "stolpert". Warum sie der Vorbesitzer hierher gelegt habe, weiß Meier nicht. Was er mit der eigentlichen Brauerei anfangen will, weiß der Neubesitzer auch noch nicht. Vielleicht Wohnungen. Vielleicht Gewerbeflächen. Wichtig ist ihm eines und das ist auch sein Motiv für den Kauf: "So etwas, mitten in Neunburg, gehört sich erhalten."

Das Gebäude, in dem die Abfüllanlage stand, hat er seit 1. August vermietet, ebenso das zum Ensemble gehörende Wohnhaus. Das war nach den Worten von Matthias Meier am leichtesten herzurichten. Angesprochen auf die Mammutaufgabe zuckt er mit den Schultern. "Ich bin ja noch jung. Da ist nichts, was nicht machbar wäre." Nun steht also, wie erwähnt der Keller an. Zur Einstimmung auf bessere und zukünftige Weißbierkeller-Zeiten plant Matthias Meier am Samstag, 31. August, auf dem Platz vor der ehemaligen Abfüllanlage ein Fest - mit Livemusik natürlich.

Der Weißbierkeller steht unter Denkmalschutz. Matthias Meier will, dass sich unter dem Gewölbe wieder Gäste wohl fühlen.
Das ehemalige Sudhaus wird der neue Eigentümer umbauen. Wieder eine Brauerei zu etablieren, hält er für unwahrscheinlich.
Es gibt sie noch: Trinkgläser vom 2015 geschlossenen Weißbier-Brauhaus.
Brauwesen in Neunburg:

Urkunde vom 24. August 1354

Das Braurecht in Neunburg geht auf den Bartholomäustag, 24. August, 1354 zurück. Eine von der Stadt errichtete Gedenktafel am Weißen Brauhaus mit einer Passage aus der Urkunde von Pfalzgraf Ruprecht den Jüngeren erinnert daran. Die Braumeister im Kommunbrauhaus waren von der Stadt angestellt. Weißbier wurde aber nicht seit 1354 in Neunburg gebraut. Als erster Weißbierbrauer wird 1597 Georg Stöger genannt. 1949 erwarben die Kommunbrauer die „Bogenmühle“ und errichteten dort ein neues Brauhaus. Zehn Jahre später kaufte die Brauerei Arco aus Moos das Brauhaus. Der Pächter hieß Wolfgang Mehringer, der sich ausschließlich auf Weißbier spezialisierte. 1979 übernahm die Familie Mehringer die Brauerei. Im einstigen braunen Brauhaus war der über Neunburg hinaus bekannte „Weißbierkeller“ untergebracht. 2015 wurde die Brauerei stillgelegt.

Mein Plan ist, so wenig wie möglich zu verändern.

Matthias Meier

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