18.10.2020 - 09:49 Uhr
Neunburg vorm WaldOberpfalz

Schwandorfer Landwirte appellieren: "Rücksicht macht Wege breit"

Der Bauernverband klagt einerseits über das Fehlverhalten einiger "Naturfreunde", andererseits sollen sich aber auch Landwirte an der Nase fassen. Mehr gegenseitige Rücksicht ist gefragt.

Richard Tischler, Alfred Bauer, Martin Birner, Franz Deml, Josef Irlbacher und Josef Wittmann (von links) werben mit einem Flyer für gegenseitige Rücksichtnahme in der freien Natur.
von Rudolf Hirsch (RHI)Profil

„Es köchelt im Hintergrund“, spürt Josef Irlbacher. Der Kreisobmann des Bayerischen Bauernverbandes bekommt immer wieder Klagen seiner Berufskollegen über das Fehlverhalten von Hundebesitzern, Spaziergängern und Radfahrern zu hören. Jetzt geht der Verband mit einem Appell an die Öffentlichkeit.

„Rücksicht macht Wege breit“ heißt der neue Flyer des Bauernverbandes, den Josef Irlbacher am Freitag im Neunburger Rathaus Bürgermeister Martin Birner und stellvertretendem Landrat Richard Tischler überreichte. Der Aufruf zu mehr Rücksichtnahme richtet sich an beide Seiten. An den Landwirt, der mit seinen Maschinen öffentliche Straßen nutzt und mitunter zum Hindernis wird, und an den Naturfreund, der in seiner Freizeit die Kulturlandschaft genießt.

Kein Dünger

Ein Ärgernis sind für die Landwirte vor allem jene Hundebesitzer, die glauben, Hundekot sei ein Dünger wie Mist, Jauche und Gülle. Das Gegenteil sei der Fall, erklärt der BBV-Obmann. Hundekot gelange mit der Mahd in das Futter der Tiere und könne zu tödlichen Erkrankungen führen. Irlbacher appelliert deshalb an die Gassigeher: „Nehmen Sie das Häufchen des Vierbeiners mit und entsorgen Sie es in den dafür aufgestellten Behältern“. Wer außerdem Abfälle unachtsam in die Wiese werfe, handle ebenso fahrlässig und gefährde die Gesundheit der Tiere.

Dem pflichtete Bürgermeister Martin Birner bei. Er klagt über durch Hundekot verschmutzte Gehwege, Straßen und Grünflächen. Immer wieder sei zu beobachten, so der Rathauschef, „dass Hundebesitzer das Häufchen zwar mitnehmen, dann aber im nächsten Graben oder an der nächsten Böschung entsorgen“. Für stellvertretenden Landrat Richard Tischler sei dies „ein landkreisweites Problem“ und vor allem in der Nähe von Neubausiedlungen zu beobachten. Die Nähe zu Wald, Wiese und Feld erleichtere den Hundebesitzern das „Gassigehen“. Das Zusammenspiel von Landwirtschaft und Naherholung funktioniere nur bei gegenseitiger Rücksichtnahme, so Tischler.

BBV-Geschäftsführer Josef Wittmann appellierte an die Radfahrer, auf den Flurbereinigungswegen auf den Gegenverkehr zu achten. Rücksicht erwartet er auch auf der Gegenseite von den Fahrzeugführern, „die mit ihren mächtigen Maschinen gerade zur Erntezeit zum Hindernis werden können“. Wer eine lange Autoschlange hinter sich herziehe, sollte bei passender Gelegenheit rechts ranfahren und die Fahrzeuge vorbeilassen. An anderer Stelle freue sich der Landwirt, „wenn ihm Fußgänger und Radfahrer die Gelegenheit zum Überholen einräumen“, so Wittmann.

Flächenfraß eindämmen

BBV-Kreisobmann Josef Irlbacher wird grundsätzlich: „Wir alle nutzen die Natur, der Landwirt für den Anbau von Feldfrüchten und zur Erzeugung von Nahrungsmitteln, der Verbraucher zur Erholung und zum Konsum“. Rücksichtnahme nutze deshalb beiden Seiten. Den Flyer verschickt der Bauernverband an die Gemeinden und legt ihn in öffentlichen Gebäuden aus.

Die BBV-Vertreter Alfred Bauer und Franz Deml klagen über den zunehmenden Verbrauch landwirtschaftlicher Flächen durch Photovoltaikanlagen, Gewerbegebiete und Neubausiedlungen. Sie erwarten von den Kommunalpolitikern Entscheidungen mit Augenmaß zur Eindämmung des Flächenfraßes.

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