04.07.2021 - 13:21 Uhr
Neunburg vorm WaldOberpfalz

Sonderschicht für Biker: Polizei Neunburg ist Sicherheit der Motorradfahrer ein Anliegen

Motorradfahrer sind ohne Knautschzone unterwegs und bei Stürzen und Unfällen besonders gefährdet. Ihre Sicherheit rückt die Neunburger Polizei in den Fokus. Für eine Sonderschicht rücken auch Kollegen anderer Dienststellen an.

Polizeioberkommissar Markus Schlegel und Polizeihauptkommissar Markus Schmitt, Dienststellenleiter der Inspektion Neunburg (von links), suchten das Gespräch mit Motorradfahrern.
von Philipp Mardanow Kontakt Profil

Regelmäßig richten die Beamten der Polizeiinspektion Neunburg Kontrolltage aus, bei denen den motorisierten Zweiradfahrern das Hauptaugenmerk gilt. Großes Ziel ist es, die Zahl der Motorrad-Unfälle weiter zu reduzieren. In den vergangenen drei Jahren sind in der Oberpfalz 33 Kraftradfahrer ums Leben gekommen, davon allein 15 im Jahr 2020.

Seit mehreren Jahren setzt die Polizei auf Präventivkontrollen. Im Gespräch mit den Motorradfahrern versuchen die Beamten, die Saat dafür auszubringen, dass keine Tour mit dem Bike böse endet. "Die Themen drehen sich dabei um die richtige Geschwindigkeit, die passende Ausrüstung und die ordnungsgemäße Technik", verdeutlicht Oberkommissar Markus Schlegel von der Polizeiinspektion Neunburg gegenüber Oberpfalz-Medien.

Schauplatz für einen "Kontrolltag" zum Thema Motorradsicherheit war zuletzt die Staatsstraße 2151 zwischen Neunburg und Rötz. Über einen Zeitraum von fünf Stunden winkten die Polizeibeamten 17 Biker, aber auch acht Autofahrer, nach rechts raus. Wenige Wochen nach Beginn der neuen Motorradsaison spielte dabei aber nicht der Kontroll-Gedanke die Hauptrolle, vielmehr rückten Ausrüstung, Bekleidung, Sicherheit, Erkennbarkeit und vor allem angepasstes Tempo in den Fokus. Dabei konnten sich die Polizisten aus Neunburg auf das Zusammenspiel mit Kollegen der Polizeiwache Oberviechtach und der Verkehrspolizei Amberg verlassen.

Und die Aktion sei bei den Verkehrsteilnehmern durchaus positiv aufgenommen worden. "Es waren sehr angenehme Gespräche", berichtet Markus Schlegel, der Sachbearbeiter für Straßenverkehr bei der Inspektion Neunburg. Die Reaktionen seien "absolut o.k." gewesen, "keiner hat gemosert oder geschimpft". Vielmehr hätten die zur Kontrolle gebetenen Fahrer erhöhtes Verständnis für diese Thematik gezeigt – "nicht nur die Biker, auch die Autofahrer". Der Austausch untereinander stand im Mittelpunkt, "es ist uns nicht darum gegangen, jeden zur Kasse zu bitten". Autofahrer seien daher auch nur gestoppt worden, wenn die Polizisten ein auffälliges Fehlverhalten bemerkten.

Und dazu zählte zu schnelles Fahren: Insgesamt elf Verstöße gegen die angeordnete Geschwindigkeit hatten die Beamten an diesem Tag verzeichnet – sowohl durch Pkw-Fahrer als auch durch Biker. Für einen Monat zu Fuß muss demnächst ein Motorradfahrer gehen, der die Kontrollstelle mit 149 km/h passiert hatte – bei erlaubten 100 Stundenkilometern. Auch 160 Euro Bußgeld und zwei Punkte in der zentralen Verkehrssünderdatei in Flensburg erwarten ihn. 133 km/h hatte der schnellste Pkw-Fahrer an diesem Tag auf dem Tacho. Die Folge sind 80 Euro Strafe und ein Punkt in Flensburg.

Außerdem stellten die Beamten noch zwei Kontrollaufforderungen wegen nicht mitgeführten Papieren sowie drei Mängelanzeigen aus. In einem anderen Fall hatte eine nicht ordnungsgemäße Auspuffanlage das Erlöschen der Betriebserlaubnis an einem Bike zur Folge, ein Motorradfahrer bekam eine Ordnungswidrigkeitenanzeige wegen abgefahrener Reifen aufgebrummt.

Und trotz der vergleichsweisen gering anmutenden Zahl von 25 kontrollierten Fahrzeugen – "wir waren gut beschäftig", so das Resümee von Markus Schlegel. Es sei wohl dem Freitag geschuldet gewesen, dass auf den Straßen nur wenig los war, außerdem wäre es sehr heiß gewesen. Rückblick: Als im Sommer 2018 an einem Sonntag einen derartige Kontroll-Aktion stattgefunden hatte, wurden 46 Motorräder unter die Lupe genommen.

"Es war eine gute Geschichte", sagt der Oberkommissar im Rückblick über den aktuellen Kontrolltag. Es sei gelungen, in den Motorradfahrern das Bewusstsein für das richtige Verhalten zu wecken. Sogar der obenerwähnte Temposünder, der den Führerschein abgegeben musste, habe sich einsichtig gezeigt.

In Waldsassen wurde ein besonderer Gottesdienst für Motorradfahrer gefeiert

Waldsassen

"Die Reaktionen auf die Kontrollen waren absolut o.k., keiner hat gemosert oder geschimpft."

Polizeioberkommissar Markus Schlegel

Polizeioberkommissar Markus Schlegel

Hintergrund:

Über 2600 Motorradunfälle in fünf Jahren

  • Unfallstatistik: Das Polizeipräsidium Oberpfalz hat die Entwicklung der Verkehrsunfälle mit Motorradfahrern statistisch erfasst. Im Zeitraum von 2016 bis 2020 sind insgesamt 2656 Unfälle registriert, an denen Biker beteiligt waren.
  • Jahresvergleich: Die meisten Motorrad-Unfälle im Fünf-Jahres-Vergleich - nämlich 587 - hat es laut Statistik 2018 gegeben. Dabei sind 542 Personen verletzt worden. 353 der Unfälle in diesem Jahr sind auch durch Kradfahrer verursacht worden. Die im Vergleich wenigsten Unfälle mit Motorradfahrern - 461 - sind im vergangenen Jahr passiert. 281 Mal waren auch Biker die Verursacher. Dabei wurden 417 verletzte Kradfahrer registriert.
  • Todesopfer: Eine traurige Statistik - seit 2016 sind auf den Straßen der Oberpfalz 64 Motorradfahrer ums Leben gekommen. Die meisten tödlich Verletzten - 23 - hat es im Jahr 2016 gegeben. Den niedrigsten Wert im Jahresvergleich hat es 2019 mit vier toten Bikern gegeben. Im vergangenen Jahr ist die Zahl der bei Unfällen getöteten Motorradfahrer auf 15 gestiegen.
  • Unfallschwerpunkte: Für den Landkreis Schwandorf hat die Oberpfälzer Polizei in 2020 keinen tödlichen Motorradunfall erfasst. Die meisten Biker - 5 - sind im Vorjahr auf Straßen im Landkreis Regensburg ums Leben gekommen, 4 Mal ist im Landkreis Cham ein Motorradunglück tödlich ausgegangen. (mp)

 

 

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