Neunkirchener Brandserie: Angeklagter verurteilt

Im Verfahren gegen den Brandstifter von Neunkirchen ist das Urteil gesprochen. Der 21-Jährige hatte im Sommer 2019 den Weidener Ortsteil mit mindestens vier Brandstiftungen in Angst versetzt.

Am 8. Juli 2019 brannte eine Scheune in Neunkirchen. Der mutmaßliche Brandstifter stand nun vor Gericht.
von Stefan NeidlProfil

Der Brandstifter von Neunkirchen muss für drei Jahre ins Jugendgefängnis. Das Landgericht verurteilte ihn wegen mehrerer Fälle von Brandstiftung und Sachbeschädigung. Es bescheinigte ihm eine Persönlichkeitsakzentierung, einen Hang zur Selbstdarstellung und den Beginn eines problematischen Alkoholkonsums.

Im Prozess gegen den 21-Jährigen interessierte die Kammer unter Vorsitz von Landgerichtspräsident Gerhard Heindl vor allem das "Warum?". Der junge Erwachsene hatte im Juli und August 2019 vier Brände gelegt, mehrere zehntausend Euro Schaden sind dabei entstanden.

Der damals beste Freund des Angeklagten war am Tag der letzten Tat, dem 31. August 2019, bei dem 21-Jährigen zu Hause zum Grillen. Die Männer hätten einige Biere getrunken. Mit Nachbarn im gleichen Alter seien sie losgezogen, weil verdächtige Gestalten gesehen worden seien – der Weidener Ortsteil war wegen der Brandfälle damals in Alarmbereitschaft. Für Richter Matthias Bauer ein "reines Schauspiel", wusste der Angeklagt doch, dass er der Brandstifter war. Später seien die Freunde noch nach Weiden in mehrere Gastronomien. Bei der Rückkehr hätten sie sich alkoholisiert in eine Gartenlaube zum Schlafen gelegt. Die Mutter des Angeklagten bemerkte Feuer in einer angrenzenden Gartenlaube und weckte die Männer.

Der geständige Angeklagte setzte dann sein Schauspiel fort: Während Feuerwehr und Polizei anrückten, lief er davon, "um den Täter zu suchen". Sein Freund sei ihm hinterher. Hier unterscheiden sich die Aussagen von Polizei und dem Freund als Zeugen: Ein Polizist war sich sicher, dass der Verfolgende gerufen habe "das ist der Brandstifter", während dieser in der Verhandlung einräumte, höchstens "er sucht den Brandstifter" gerufen zu haben. Der Angeklagte habe schon früher gerne Geschichten erfunden, um sich in den Mittelpunkt zu stellen. Seit er in Untersuchungshaft ist, gäbe es keinen Kontakt mehr zwischen den beiden, betonte der Zeuge.

Die Mutter des Angeklagten erzählte von einer nicht komplett bestandenen Sachkundeprüfung für den Security-Bereich, in dem der Angeklagte sich etwas aufbauen wollte. Eine Nachholprüfung wäre im September 2019 gewesen. Auf sie wirkte ihr Sohn in diesem Zeitraum zurückgezogen, wesensverändert und angespannt – sie führte das damals auf den Prüfungsstress zurück. Allgemein sei er eine sensible Person, weswegen der Dienst bei der Bundeswehr und eine Ausbildung zur Pflegekraft scheiterten.

Die Schäden waren nicht so gewaltig wie ursprünglich angenommen: Die abgebrannte Lagerscheune mit Inventar habe nur einen Wert von 25.000 bis 30.000 und nicht wie ursprünglich angenommen 100.000 Euro gehabt. Die Gartenlaube der Mutter schätzte das Gericht auf 25.000 Euro und nicht auf 50.000 Euro.

Verteidiger Engelbert Schedl hatte auf zwei Jahre auf Bewährung und therapeutische Maßnahmen gehofft. Für den Angeklagten sprachen das Geständnis, die geringere Schadenshöhe, die verminderte Schuldfähigkeit durch die Alkoholeinwirkung und die acht Monate Untersuchungshaft. Staatsanwalt Matthias Bieler hatte drei Jahre und acht Monate gefordert. Alle waren sich einig, dass aufgrund eines Mangels an Reife Jugendstrafrecht anzuwenden sei.

Im ersten Tag des Prozesses gesteht der 21-Jährige:

Weiden in der Oberpfalz
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