Das wär's doch: Wolf und Lamm, Kalb und Löwe friedlich nebeneinander. Die 2700 Jahre alte Vision des Propheten Jesaja, wird - übertragen auf die politische Realität - wohl eine bleiben. Sie als Spinnerei abzutun, ist für einen Christen jedoch zu wenig. Er darf den Mut haben und den Blick heben und in die Weite schauen.
"Nicht nur klein-klein zu denken und zu handeln, sondern zu hoffen, dass auch die Welt einmal gut sein kann," las Pfarrer Andreas Kraft vor und legte so den roten Faden für ein gut besuchtes Konzert in der Christuskirche in Neusorg fest.
Beondere Symbolik
Dass das Konzert am Übergang der Advents- in die Weihnachtszeit gelegt wurde, verlieh ihm eine besondere Symbolik. Vielleicht wird morgen doch alles besser, vielleicht beginnt doch eine neue Zeit. Da musste das Choralvorspiel von Karl Lampert zu "Tauet Himmel, den Gerechten" mit Regionalkantor Stephan Merkes an der Orgel, der auch die Leitung hatte, wie eine innige Bitte verstanden werden, weitergeführt in dem Liedsatz zu "Wir sagen euch an" von Alois und Stephan Merkes, wozu auch die Besucher zum Mitsingen eingeladen waren. "Nun tragt eurer Güte hellen Schein weit in die dunkle Welt hinein."
Es könnte auch als ein Zeichen des Aufbruchs verstanden werden, dass ein Regionalkantor, der katholische Dekanate betreut, eine evangelische Kirche wählt, um die musikalische Botschaft einem interessierten Publikum nahezubringen.
Erst einmal bleibt die Stimmung gedämpft mit dem Largo aus dem "Winter" von Antonio Vivaldis "Vier Jahreszeiten", vorgetragen mit Orgel und Violine, um mit einem engagiert und frisch und freudig gesungenen "Macht hoch die Tür" dem weihnachtlichen Geschehen wieder ein Stück näherzukommen.
Mit einem Choralvorspiel aus eigener Feder hatte Stephan Merkes den Choral eingeleitet, bei dessen vierter und fünfter Strophe die Konzertbesucher zum Mitsingen eingeladen waren. Weihnachtspastorale klingt nun schon an, wenn auch ein Stück Weges noch zu gehen ist. Dieser wird beschritten mit einem Duett "Ach mein Seel', fang an zu singen" und der Aufforderung, den Blick nach oben zu richten: "O Heiland, reiß die Himmel auf!" Ist der Mensch denn schon bereit dafür?
Wunderbar barock-transparent und motivierend klingt Johann Sebastians Choralvorspiel zu "Wachet auf, ruft uns die Stimme", fortgeführt als vierstimmiger Liedsatz. "Im Lärm dieser Welt" beschreibt Klaus Heizmann in einem Liedsatz die aktuelle Situation der Adventszeit und Mendelssohn-Bartholdy lässt sie mit "Sei stille dem Herrn", vorgetragen von Kathrin Stöhr, erst einmal wieder auf ihr Wesen zurück.
"Zwischen den Zeiten"
"Allen Menschen wird zuteil Gottes Heil" dürfen die Besucher mitsingen, nachdem sich der Organist mit einem Choralvorspiel von Max Reger zu "Kündet allen in der Welt" einem regionalen Komponisten zugewandt hatte. Die weihnachtliche Freude bleibt Thema in einem vierstimmigen Lied, "Es sollen sich die Wüsten freuen", einer Geschichte, die Pfarrer Kraft vorträgt und in einem Lied von Mendelssohn-Bartholdy, "In das Warten dieser Welt".
Eine "Sarabande" mit Orgel und Geige von Guiseppe Tartini richtet schließlich den Abschluss des Konzert auf das Ziel aus: "Machet die Tore weit und die Türen der Welt hoch, dass der König der Ehren einziehe." Diese Motette von Andreas Hammerschmidt für Orgel und vierstimmigen Chor stand am Endes eines Konzerts "zwischen den Zeiten", nicht nur von professionellen Musikern gestaltet, absolut authentisch und darum großen Charme verbreitend und sehr überzeugend, auch weil einige Liedsätze und Bearbeitungen aus der Feder von Stephan Merkes stammten. Die Besucher zeigten sich durch kräftigen Applaus dankbar dafür, nahmen die freudige Stimmung mit nach Hause, um ein gutes Stück reicher den Heiligen Abend zu erwarten.



















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